Es ist die typische amerikanische „Urban Legend“. Es soll da ein Videotape geben, nach dessen Konsumation man nur noch eine Woche zu leben hat. Nach dieser Woche werden die Toten angeblich mit einer von Angst gezeichneten Fratze gefunden. Als Rachel (
Naomi Watts) sich hinter den Fall klemmt und das Tape schließlich in die Hände bekommt, beginnt das Grauen. Rachel sieht sich den mysteriösen Film an und wird daraufhin mit eigenartigen Vorkommnissen konfrontiert. Ist die Geschichte am Ende doch wahr?
Die Kritiker werden sagen, dass das amerikanische Remake des japanischen Films
"Ringu" viel mehr auf Effekte als auf Subtilität setzt. Sie werden natürlich sagen, dass das Original besser ist und nicht mit den üblichen Fehlern der Traumfabrik (mehr ist weniger) behaftet ist. Ich sage:
"The Ring" (und damit meine ich das Remake) ist ein atemberaubender Horrorthriller, nach dem ich ehrlich gesagt wirklich fertig war. Für mich sind Horrorfilme ein Spaß, den ich genieße. Je ärger, desto besser. Bei The Ring habe ich aber Blut und Wasser geschwitzt, da die Atmosphäre und die spärlich gesetzten Schockeffekte ihresgleichen suchen.
Regisseur
Gore Verbinski, der mit Mäusejagd nicht gerade bei mir gepunktet hat und später mit
The Mexican einen lockeren Road-Movie hingelegt hat, steigert sich hier um ein paar Klassen. Er baut das Original für mich in einer Weise aus, dass man ein Lob aussprechen kann. Ohne den Grundtenor von Ringu zu zerstören (und das ist ständige Bedrohung), verbindet er Storytelling mit geschickt gesetzten Sound- und Bildeffekten, die einen nicht loslassen. Wenn die Mutter eines der Opfer sagt, Rachel hätte sehen sollen, wie das Kind ausgesehen hat und Verbinski eine Zehntelsekunde lang dessen Totenfratze zeigt, dann stellen sich alle Nackenhaare auf schwersten Alarm.
Auch die Charaktere können durchaus überzeugen.
Naomi Watts ist wieder einmal umwerfend,
Martin Henderson spielt den Vater ein bisschen farblos, was jedoch zu seiner Rolle passt und
David Dorfman schafft es,
"The Sixth Sense" nach eine kurzen Déja-Vu vergessen zu machen. Alle drei wirken von der Außenwelt abgeschnitten. Sie leben nach dem Sehen des Tapes in ständiger Isolation, die im Film auch sozialkritisch behandelt wird. Das wird besonders in der Szene gezeigt, in der Watts auf dem Balkon steht und in die anderen Wohnungen blickt. Dort sieht man ausschließlich Menschen vor dem Fernseher, die (wie wir alle) vor der Realität flüchten und Konflikte und Gespräche meiden.
So bleibt letztlich noch der größte Pluspunkt des Films. Wer die Story und die Hintergründe noch nicht kennt, wird mit den Charakteren im Dunkeln tappen und erst langsam die Wahrheit über das geheimnisvolle Tape herausfinden. Und die ist bei Gott nicht angenehm, da Verbinski (und so viel sei verraten) am Schluss noch einen draufsetzt und ein extrem ungutes Gefühl in der Magengegend hinterlässt (wie das Original). Und das ist wohl die Hauptaufgabe eines Filmes dieses Genres.
Fazit: Dieser Film trägt das Siegel: "Kurze Fingernägel-Garantie"