Weder die
Sun, die
Bild noch sonst eine Zeitung kommen an sie heran: Die österreichische
Neue Kronen Zeitung ist - pro Kopf gemessen - das auflagenstärkste Blatt der Welt. Seit Jahrzehnten ist sie ein Phänomen der alpenländischen Medienlandschaft, einsam geführt von ihrem Herausgeber
Hans Dichand. Die belgische Dokumentarfilmerin
Nathalie Borgers rief das auf den Plan, hinter die Kulissen zu blicken, und erstaunlicherweise ließ man sie auch. So zeigt sie, wie ein Artikel zu illegalen Immigranten entsteht, sucht Kolumnisten wie
Günther Nenning und
Andreas Mölzer auf, lässt den In-den-Wind-Reimer
Wolf Martin seine Welt erklären und entdeckt die heimliche Hauptredaktion der Krone: die Tierecke, offensichtlich von
Dichands Gnaden. Ein Kaffeeklatsch beim Bundespräsidenten rundet den Eindruck der politischen Position des Verlegers ab.
Es ist zu bedauern, dass
Borgers nichts Neues aus dem Haus in der Muthgasse im 19. Wiener Gemeindebezirk heraus tragen kann: Hier der Patriarch, dort seine ihm Verpflichteten - Das hat man schon vorher gewusst. Nur dass diese Beziehung bis zur kollektiven Hundehaltung geht, war bislang verborgen. Man gewinnt den Eindruck, dass
Borgers nur das zu sehen bekam, was sie sehen sollte, und so gelingt es der Krone, ihr eigenes Klischee - geliebt, gehasst oder beides zusammen - zu verstärken.
Wolf Martins Stalingrad-Büchersammlung ist hier nur die Speerspitze der Image-Arbeit, die dauernd betrieben wird. Andere Dinge, wie dass
Andreas Mölzer seine Rede vor den Couleurs von schlagenden Verbindungen hält, werden nicht einmal kommentiert und fallen somit fürs internationale Publikum völlig unter den Tisch. Auch technisch ist die Dokumentation mehr als holprig, vor allem im Schnitt-Bereich. So ergibt sich ein trauriges Bild dieses Films, der aber einen gewaltigen Vorteil genießt: Das Thema ist so interessant und polarisierend, dass die Darbietung fast schon Nebensache ist.