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Kronen Zeitung - Tag für Tag ein Boulevardstück
arte-Dokumentation aus Belgien: Ein Mann, eine Zeitung und eine Macht, die von Millionen Österreichern täglich wahrgenommen wird.


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Eine Kritik von Thomas Taborsky

Weder die Sun, die Bild noch sonst eine Zeitung kommen an sie heran: Die österreichische Neue Kronen Zeitung ist - pro Kopf gemessen - das auflagenstärkste Blatt der Welt. Seit Jahrzehnten ist sie ein Phänomen der alpenländischen Medienlandschaft, einsam geführt von ihrem Herausgeber Hans Dichand. Die belgische Dokumentarfilmerin Nathalie Borgers rief das auf den Plan, hinter die Kulissen zu blicken, und erstaunlicherweise ließ man sie auch. So zeigt sie, wie ein Artikel zu illegalen Immigranten entsteht, sucht Kolumnisten wie Günther Nenning und Andreas Mölzer auf, lässt den In-den-Wind-Reimer Wolf Martin seine Welt erklären und entdeckt die heimliche Hauptredaktion der Krone: die Tierecke, offensichtlich von Dichands Gnaden. Ein Kaffeeklatsch beim Bundespräsidenten rundet den Eindruck der politischen Position des Verlegers ab.

Es ist zu bedauern, dass Borgers nichts Neues aus dem Haus in der Muthgasse im 19. Wiener Gemeindebezirk heraus tragen kann: Hier der Patriarch, dort seine ihm Verpflichteten - Das hat man schon vorher gewusst. Nur dass diese Beziehung bis zur kollektiven Hundehaltung geht, war bislang verborgen. Man gewinnt den Eindruck, dass Borgers nur das zu sehen bekam, was sie sehen sollte, und so gelingt es der Krone, ihr eigenes Klischee - geliebt, gehasst oder beides zusammen - zu verstärken. Wolf Martins Stalingrad-Büchersammlung ist hier nur die Speerspitze der Image-Arbeit, die dauernd betrieben wird. Andere Dinge, wie dass Andreas Mölzer seine Rede vor den Couleurs von schlagenden Verbindungen hält, werden nicht einmal kommentiert und fallen somit fürs internationale Publikum völlig unter den Tisch. Auch technisch ist die Dokumentation mehr als holprig, vor allem im Schnitt-Bereich. So ergibt sich ein trauriges Bild dieses Films, der aber einen gewaltigen Vorteil genießt: Das Thema ist so interessant und polarisierend, dass die Darbietung fast schon Nebensache ist.