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Invincible
Der jüdische Schmied Zishe Breitbart zieht Anfang der 30er-Jahre als Varietekünstler nach Berlin. Dort erkennt er die drohende Gefahr durch die Nazis und kehrt als selbsternannter Retter seines Volkes in seine Heimat Polen zurück.


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Eine Kritik von Harry Ackermann

Der jüdische Eisenschmied Zishe Breitbart wird in einem kleinen polnischen Dorf von einem Agenten für Varietè-Künstler entdeckt und bekommt die Gelegenheit, in Berlin im "Palast des Okkulten " als stärkster Mann der Welt aufzutreten. Der jüdische Name muss weg, denn im Publikum sitzen auch viele Nazis, und die wollen lieber arische Helden sehen. Aus Zishe Breitbart wird Siegfried, welcher unter tosendem Applaus Ketten zersprengen und Schwerter verbiegen darf. Doch er besinnt sich seiner Herkunft und outet sich als Jude. Die Schwierigkeiten scheinen vorprogrammiert, steht doch Hitler kurz vor der Machtergreifung. Ungewollt deckt Zishe die wahre Identität seines Arbeitgebers Hanussen auf, holt so dessen Geliebte Marta Farra aus einer ungewollten Beziehung und kehrt alleine in seine Heimat zurück. Dort möchte er seine Landsleute auf die drohende Gefahr aus Deutschland hinweisen, doch niemand schenkt dem rhetorisch schwachen Schmied Gehör.

Kritik
Wieder einmal bin ich durch den Test eines DVD-Rezessionsexemplares in den unfreiwilligen Genuss gekommen, mir einen Film ansehen zu müssen, den ich ansonsten keines Blickes gewürdigt hätte. Meine filmischen Interessen liegen eben auf anderen Gebieten.

Werner Herzog ist bekannt als Perfektionist und besessener Filmemacher, dem Authentizität über alles geht. Darum ist auch die Auswahl zweier Hauptcharaktere nicht verwunderlich: Zishe Breitbart wird von dem finnischen Gewichtheber und zweimaligen "Strongest-Man-Contest"-Gewinner Jouko Ahola dargestellt, die Rolle der eher schüchternen Marta Farra übernimmt die Pianistin Anna Gourari. Beiden merkt man ihre Laiendarstellung an. Tim Roth darf als herrischer Varietèbesitzer Hanussen ein wenig von seinem schauspielerischen Können beweisen. Udo Kier darf auch in einigen Szenen mitmischen, aber irgendwie wirkt auch seine Darstellung zu sehr aufgesetzt und kann nicht überzeugen.

Was sich zuerst für mich als interessant wirkender Film darstellt, plätschert dann leider über zwei Stunden eher langweilig dahin. Zu eindimensional sind die Figuren dargestellt; sie entwickeln sich im Laufe des Filmes kaum, auch wenn uns dies die Story vorgaukeln will. Die Geschichte an sich weist viele Lücken auf, grossartige Höhepunkte sind kaum vorhanden, am ehesten kann noch Tim Roths Schauspiel (beachtlich das oftmals lange Nichtblinzeln mit den Augenlidern, welches dem Charakter ein bedrohliches Aussehen verleiht) hervorgehoben werden.

Ein weiterer Kritikpunkt des Filmes ist die deutsche Synchronisation: Aufgrund der internationalen Beteiligung wurde der Film in englisch gedreht und leider stimmlich nicht sehr gut ins deutsche übersetzt. Wobei aber auch der Originalton schon einiges an Nerven abverlangt.

Einzig und alleine interessant und erwähnenswert ist der dezente Einsatz von digitalen Hilfsmitteln. Wer die Qualen in Hanussens spirituellem Zentrum gesehen hat, möchte nicht glauben, dass diese durch Bluescreen in den Film eingefügt wurden. Ein gutes Beispiel dafür, dass Special Effects nicht immer protzen müssen.