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Die Vier Federn
Liebe und Krieg, Mut und gerupfte Hühner: Ein Dauerbrenner in seiner neuesten Auflage.


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Eine Kritik von Thomas Taborsky

England, 1884: Harry Faversham (Heath Ledger) dient im Regiment der Royal Cumbrians. Gerade hat er sich mit der schönen Ethne (Kate Hudson) verlobt, da wird seine Einheit in den Sudan abkommandiert, um den aufständischen Mahdi und seine Anhänger zu bekämpfen. Harry quittiert jedoch den Dienst, und erhält von seinen besten Freunden drei Federn der Feigheit. Schlimmer noch: Ethne fügt eine vierte hinzu. Vom Vater und der Gesellschaft verstoßen, quält Harry seine Schande immer mehr. Als Unglück verheißende Nachrichten vom Feldzug eintreffen, beschließt er, auf eigene Faust nach Afrika zu reisen, um seinen Freunden beizustehen. Doch dort angekommen, ist Faversham allein im Feindesland...

Kritik
Remakes von Filmen, die das durchwegs junge Kinopublikum nicht kennt, erfreuen sich weiterhin größter Beliebtheit. A.E.W. Masons Roman wurde aber nicht einmal verfilmt, sondern bereits neunmal. Die weitaus berühmteste Version ist jene aus dem Jahre 1939 unter der Regie von Zoltan Korda, der sich in den 50ern übrigens noch einmal hinreißen ließ, den selben Stoff neu aufzubereiten.

Film Nummer neun - und der erste im neuen Jahrhundert - erzählt die selbe Geschichte in neuem Gewand. Das ist vor allem Produktionsdesigner Allan Cameron (1984, Highlander, Starship Troopers) zu verdanken, der das strahlende Rot der britischen Uniformen als Dreh- und Angelpunkt der gesamten Geschichte installierte. Er erzeugt damit für Regisseur Shekar Kapur, der mit "Elizabeth" bereits einen fulminanten Film vor historischer Kulisse ablieferte, viele opulente und erinnerungswürdige Bilder. Der Rest spielt leider in einer anderen Liga, und sucht erstaunlicherweise die Nähe zu Ridley Scotts "Black Hawk Down". Viele Ähnlichkeiten weist der Anfang beider Filme auf, und auch die großen Reden gegen Ende sind in ihren Aussagen deckungsgleich: Kameraderie ist gaaanz toll. So erwartet man fast, im Abspann den Namen Jerry Bruckheimer zu lesen; Aber um ihn zu kopieren, war er selbst wohl doch nicht nötig.

Viel Zeit wird darauf verwendet, Krieg und Frieden verwandt zu machen, sei es das Tanz-Karree, das sich plötzlich in der Verteidigung gegen eine gewaltige Kavallerieattacke wieder findet, oder die Rugby-Taktik, die sich hervorragend auch im Kampf Mann gegen Mann bewährt. Damit wird auszudrücken versucht: Das Leben der jungen Engländer des späten 19. Jahrhunderts war die Vorbereitung auf den Krieg. Was Kapur allerdings nicht schafft, ist, die Mentalität des Viktorianischen Zeitalters auch nur ansatzweise zu übermitteln: Zu lässig die Gesellschaften, zu lasch das soldatische Auftreten. Damals verpöntes Herumgetolle findet sich genauso wieder wie eine sehr befremdliche Szene, in der Harry Faversham vor seiner Ethne die Tränen nur so kullern lässt - eine Begebenheit, die für die Zeit, in der sie spielt, nicht gerade glaubwürdig wirkt. Zu diesem falschen Bild von Großbritannien 1884 tragen auch die Hauptdarsteller, allesamt vermutlich brave Anhänger des method actings, bei: Die Amerikaner Kate Hudson und Wes Bentley und der Australier Heath Ledger, die kaum das ureigene britische Understatement üben können.

Neben den dreien und ihren Charakteren gibt es zwar einige Figuren, die aber keine ausgearbeiteten Züge haben. Sogar Favershams dunkelhäutiger Begleiter bleibt ein Klischee, das Amistad-Schauspieler Djimon Hounsou ausfüllen darf. Was bleibt, ist optisch gelungener, aber über alle Maßen stilisierter Leerlauf, der am Ende künstlich in die Länge gestreckt wurde und keine historische Hinterfragung überstünde. Nur der Abspann setzt der Pathosladung ein Ende.