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11´09´´01 - September 11
Ein Episodenfilm: Globale Reaktionen auf den 11. September. Namhafte Regisseure, anonymes Pathos: ein großteils überflüssiger Film.


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Eine Kritik von Christoph Huber

Prinzipiell ein sympathischer Gedanke: 11 Regisseure unterschiedlichster Herkunft wurden eingeladen, um einen – jeweils 11 Minuten, 9 Sekunden und einen Kader langen - Beitrag zum 11. September abzuliefern und so verschiedene Gesichtspunkte zu illustrieren. Das Resultat ist fast durchwegs eine Niederlage, schwankend zwischen verständlicher, aber plakativer Betroffenheit und zweifelhaftem Moralismus.

In der ersten Kategorie finden sich: Danis Tanovic, mit einem annehmbaren, aber wenig einfallsreichen Statement zum Kampf gegen das unmündige Schweigen; Sean Penn, der den prätentiösesten Kurzfilm zu verantworten hat (Ernest Borgnine leidet in voller Breite) und sich mit einem Schluss rettet, den man gerade vom amerikanischen Regisseur im globalen Team nicht erwartet hätte. Mira Nair setzt auf halbdokumentarische Weinerlichkeit, Claude Lelouch auf ein banales Liebesdrama samt Behindertenbonus. (Wie ein Kollege meinte: „weniger widerlich als daneben: für Lelouch führt halt alles zu l´amour“.) In der zweiten Schublade: Ken Loach hat einem prinzipiell lobenswerten Einfall (die Erinnerung an jenen 11. September, an dem Salvador Allende gestürzt wurde), präsentiert sein Anliegen jedoch mit schlimmstem Alt-68er-Pathos; Alejandro González Iñárritu setzt auf abstrakte Überwältigung: Schwarz, kurze Schockbilder und perfekt designte Soundspur. Das macht den Ausbeutungscharakter der Berichterstattung zum Thema bewusst, ist aber selber nicht besser. Noch ärgerlicher sind Amos Gitais flache Mediensatire und Youssef Chahines wirre Anklage, in der sich der Regisseur als moralisches Gewissen aufspielt, obwohl er nichts Neues zu sagen hat. (Immerhin ist Chahine aber der einzige, der sich selbst aufs Spiel setzt.) Bleiben genau drei Beiträge, die man sich ohne Brechreiz ansehen kann, weil sie aufs billige Sentiment verzichten. Samira Makhmalbaf eröffnet, indem sie zeigt, wie man die Ereignisse für iranische Kinder transparent zu machen sucht, und landet eher bei Ratlosigkeit als Belehrung. Der Afrikaner Idrissa Ouedraogo macht Ähnliches noch überzeugender: Sein Kurzfilm (übrigens der einzige hier, der Humor besitzt und vielleicht deswegen der beste) ist das täuschend realistische Abbild einer höchst subversiven Metapher (die Jagd auf Bin Laden als Kinderspiel). Und wenn der japanische Altmeister Shohei Imamura am Ende das Thema links liegen lässt und eine etwas verkünstelte, aber einprägsame Parabel über die Unmenschlichkeit des Krieges und falsche Konstruktionen von Heldentum und Feindbildern inszeniert, ist man bereits herzlich dankbar für dieses sichtliche Achselzucken.