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Roger and me
Michael Moore beschreibt in diesem schamlos sarkastischen Dokumentarfilm die Situation seiner Heimatstadt Flint nach zahlreichen Fabriksschließungen durch General Motors.


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Eine Kritik von Markus Steiger

In dieser Dokumentation verfolgt Regisseur Michael Moore den Präsidenten von General Motors, Roger Smith, der in den Achtzigern über 30.000 Mitarbeiter entlassen und damit die Stadt Flint in den Ruin getrieben hat. Neben Konzernmitarbeitern begleitet Moore auch die wirklich Betroffenen der Schließungen: die Arbeiter.

Kritik
Es gibt wenige Regisseure, die den Spagat zwischen Humor und Tragik bewältigen können. Michael Moore hat mit "Roger & Me" bewiesen, dass er zu dieser kleinen Riege gehört. Seine ironischen Seitenhiebe auf die High Society Flints, die golfspielend den Arbeitslosen Tips gibt wie „Get a job“ oder „This is a great chance to start all over again“, sind bissig und entlarvend. Durch geschickte Schnitte verbindet er die Schicksale der delogierten Ex-Mitarbeiter und der Konzernchefs und Gewerkschaftsbosse, die sich schon lange alles so gerichtet haben, dass ihnen nichts mehr passieren kann. So kommt es zu Szenen, in denen Roger Smith bei seiner Weihnachtsrede an die Warmherzigkeit der Menschen appelliert, während zur selben Zeit Menschen aus ihren Häusern geschmissen werden.

Moore versucht durch ständiges Hinterfragen den Grund für die Entlassungen zu erfahren, stößt aber immer wieder nur auf fadenscheinige Erklärungen, wenn er es überhaupt schafft, der Konzernspitze Kommentare zu entlocken. Lieber begleitet er da die Arbeitslosen, die sich mit ausgefallenen Ideen über Wasser halten, was schon einmal dazu führen kann, dass jemand liebe kleine Kuschelhäschen zu Fleisch („Pets or Meat“) verarbeitet und ab Hof verkauft.

Zwischendurch gibt es dann eine der berühmten Paraden in Flint, die an beiden Seiten von Arbeitslosen Familien gesäumt wird, die in ihren Gartensesseln dahinvegetieren. Moore fängt hier perfekt die Doppelmoral der amerikanischen Gesellschaft ein, die ihre Versager verleugnet und, anstatt wirklich zu helfen, Paraden abhält, als wäre alles in Ordnung.

Roger & Me kann getrost als eine der besten Dokumentationen überhaupt bezeichnet werden. Michael Moore hält den Großen den Spiegel vor und zeigt sich dabei nicht als abgehobener Künstler, sondern als einer von denen, die durch Entlassungen direkt betroffen sind (obwohl er selbst nie bei GM gearbeitet hat). Moore zeigt mit dieser Doku, dass es schon in den Achtzigern die ersten Anzeichen für die kommende Globalisierung gegeben hat und deshalb ist Roger & Me heute aktueller als je zuvor.

Fazit: Roger & Me ist witzig, informativ und berührend. Kult.