„Das ist mein bislang gewalttätigster Film“, meinte
Takeshi Kitano anlässlich der Premiere von
Dolls bei den Filmfestspielen Venedig. Das wirft ein Licht auf seinen verschrobenen Sinn für Humor: Während er nämlich bisher in Yakuza-Dekonstruktionen wie
"Sonatine ",
Violent Cop oder zuletzt
"Brother " vor drastischen Bildern nicht zurückschreckte, findet (körperliche) Gewalt bei
Dolls nur jenseits der Leinwand statt. Gestorben wird hier natürlich trotzdem, und zwar fast so schön, wie gelitten wird: Ausgehend vom
Bunraku, dem japanische Puppentheater (bei der atemberaubenden Eröffnungssequenz zerteilt die Kamera mit ihren Fahrten förmlich den Zuseherraum während einer Aufführung), erzählt Kitano hier drei todtraurige Geschichten von ewiger und vergeblicher Liebe zwischen Figuren, die eben nur Puppen des Schicksals sind. Die Handlung ist aber aufs Notwendigste reduziert und eigentlich recht unwesentlich (auch wenn sie die typische Kitano-Tonlage irgendwo zwischen trockenem Witz und minimalistischer Melancholie wieder ganz neu auslotet):
Dolls ist eher ein Bildgedicht, dessen berauschende Farben und durchschlagend simple Regieeinfälle in gemessenem, mit der Zeit sehr hypnotischen Tempo zur Entfaltung kommen. (Rhythmusgeber ist eines der unglücklichen Liebespaare, das – mit einem Seil zusammengebunden – als „bound beggars“ durch Japan zieht.) Und weniger der gewalttätigste Film des traurigen Scherzbolds Kitano als sein bisher malerischster. Trotz des
Bresson-Zitats gegen Schluss.