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Tierische Liebe
"Homo homini lupus"...und das Tier des Menschen bester Freund: Ulrich Seidl fokussiert Einsamkeit und Sprachlosigkeit inmitten des Wiener Gemeindebaus.


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Eine Kritik von Reinhard Bradatsch

"Die sprechen nicht zurück ", war die Kernaussage von Seidls Vorgängerfilm Die letzten Männer, wo gestandene Herren der Schöpfung über ihre Vorliebe für thailändische (Katalog)-Frauen sinnierten. Auch Haustiere sprechen nicht zurück, und doch sind sie oft Ersatz für fehlende oder verloren gegangene menschliche Nähe, mitunter Seelenpartner und Auffangnetz der sozialen Kälte. Seidl findet diese Kälte vor allem am Souterrain der Gesellschaft, den Wiener Gemeindebauwohnungen und Reihenhaussiedlungen - dort wo die Monotonie und Gleichtönigkeit des Betongraus auch so manche Seele grau färbt.
Da sind etwa die beiden allein stehenden Pensionisten, die sich ihren Schäferhund per Inserat aus dem Tierheim holen, sich über die Erziehung des Tieres jedoch nie einigen und schlussendlich am mangelnden Verständnis für einander scheitern. Oder der eben entlassene Häfenbruder, dessen Unmut über die nicht mehr funktionierende Beziehung zu seiner Freundin an der Katze ausgelassen wird. Enttäuschung und Verzweiflung kennzeichnen die meisten Schicksale - Erfahrungen haben den Glauben an den (Mit)menschen zunichte gemacht, das Tier soll als Katalysator emotionaler Desorientierung fungieren.
Mitunter abstoßend, dann wieder gnadenlos ehrlich ist Tierische Liebe Seidls schonungsloseste Arbeit, die einem das Lachen mitunter im Halse steckenbleiben lässt. Und doch verzichtet der österreichische Filmemacher auf den verführerischen Blick durch die voyeuristische Linse: Unterstützt von der zurückhaltenden Kamerarbeit Michael Glawoggers, fräst er sich nicht in die Seele der so genannten sozial Unterprivilegierten ein, wie es so mancher TV-Dokumentarist mit dem Mikro als Schweißgerät zwecks Quote so gerne tut; nein, Seidl hält immer einen Respektabstand - sowohl visuell wie emotional - der seinen Protagonisten den Respekt gewährt, der ihnen als Menschen gebührt. Selbst die herrschende Sprach- und Kommunikationslosigkeit erscheint da letztlich nicht als ausweglose Einbahnstraße.