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X-Men 2
Nie wieder Batterien für die Fernbedienung: Nach dem zweiten Teil der Mutantensaga wünscht man sich sehnlichst ein X-Gen.


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Eine Kritik von Thomas Taborsky

Magneto (Ian McKellen) sitzt in seinem Plastikgefängnis, und Wolverine (Hugh Jackman) hat die Mutantenschule verlassen, um nach Antworten zu suchen. Während der Mann mit den Adamantium-Krallen am Alkali Lake nur noch Ruinen findet, versucht ein anderer Mutant, den Präsidenten der USA zu töten. Die Welt ist in Aufruhr, aber auch Professor Xavier (Patrick Stewart) und sein Team stehen vor einem Rätsel: Wer steckt hinter dem Angriff? Während Jean Grey (Famke Janssen) und Storm (Halle Berry) auf der Suche nach dem Attentäter auf den Teleporter Kurt Wagner (Alan Cumming) stoßen, nutzt die Spezialeinheit von General Stryker (Brian Cox) die Nacht, um das Refugium der Mutanten zu überfallen. Der eben zurück gekehrte Wolverine, Rogue (Anna Paquin), Iceman und Pyro können nur knapp entkommen.
Andernorts zur gleichen Zeit, im Magnetos Zelle, entdeckt Xavier, dass General Stryker eine sehr wirksame Methode entwickelt hat, um Menschen mit dem X-Gen zu kontrollieren. Erzählen wird er es niemandem mehr können: Schon Sekunden später ist der mächtigste Mutant von allen selbst ein Gefangener...

Kritik
In letzter Zeit könnte man glauben, fast jede mächtige Filmfigur habe ein fettes X im Nacken - entweder auf der Hinterseite des Uniformkragens oder, weil sie Uniformen für eklig halten, eintätowiert (Denksportaufgabe: Nenne zwei andere neben den X-Men, die sich im Filmwinter 2002/03 so rum getrieben haben!). Den Overkill an Kreuzerln müssen natürlich unsere Marvel-Helden ertragen, die bekanntlich sogar eines in ihren Genen haben. Aber auch im Corporate Design lassen sie nie vergessen, wer sie sind: Überall, sogar am Produkt-platzierten Sportwagen Marke Madza, prangt eines. Da könnte man schon meinen, Professor Xavier verbrächte die Tage damit, seine Schüler über die Größen der englischen Literatur aufzuklären, während er in den schlaflosen Nächten darüber brütet, wo man überall noch ein X einbauen könnte - Dumm, dass Jets in dieser Form nicht gut fliegen können...

Irgendwie ist es schon seltsam, dass eine Gruppe, die gegen die Meldepflicht für Mutanten kämpft, sich selbst so deutlich kennzeichnet. Die Beschwerdeflut ans Art Department wird sich aber in Grenzen halten, denn dieses hat für die Fortsetzung der Mutanten-Saga hervorragende Arbeit geleistet. Die vorhandene Welt aus Teil eins wurde nahtlos weiter gedacht: Wenn ein besessener Armeewissenschaftler einen Cerebro 2 bauen will, legt er eben nicht viel Wert darauf, dass die Metallplatten blank poliert sind; Funktionieren muss die Maschine. Viel Liebe zum Detail wanderte besonders in Nightcrawler, den von Alan Cumming gespielten, gottesfürchtigen Teleporter. In der englischen Originalversion gibt sich der vielfältige Schauspieler und Filmemacher unheimliche Mühe, Deutsch zu sprechen, wobei man immer zwischen Anerkennung und Grinsen schwankt, wenn seine Figur Kurt Wagner etwas zu sagen hat. Das fällt natürlich in der Synchronisation bedauerlicherweise weg.
Cumming ist einer der Neuzugänge in der Besetzung, zur Nebenrolle bestimmt, aber trotzdem interessant. Auch Aaron Stanford als Feuer manipulierender Pyro ist zum ersten Mal dabei. Dieser wird in der geringen Zeit, die ihm gewidmet ist, zu einem der spannendsten Charaktere, weil man in ihm die Wahl verfolgen kann, ob die Kräfte fürs Gute oder fürs Böse eingesetzt werden - Ähnlichkeiten zu Star Wars sind natürlich aus der Luft gegriffen. Überhaupt nutzt der Film die Chance, die bereits vorgestellten Figuren näher zu erforschen. Erst jetzt können sich die meisten entfalten, wie zum Beispiel Storm. Und weil man den seit dem ersten Teil enorm gestiegenen Star-Faktor von Halle Berry nutzen wollte, verpasste man ihr natürlich besonders viele Auftritte.

Obwohl sich durch X-Men 2 viele Fäden ziehen - Rogues Liebesprobleme mit Iceman, Professor Xaviers Entführung und Jean Greys Entdeckung, dass ihre Kräfte immer unkontrollierbarer werden - bleibt Wolverine mit seiner Vergangenheitssuche der Hauptcharakter. Glücklicherweise entschied man sich, mit dem Budget auch die Filmlänge zu erhöhen: Die Fortsetzung ist nicht nur um eine halbe Stunde länger als das Original, sondern nimmt sich eben auch Zeit, den insgesamt zwölf wichtigeren Personen Wesenszüge über ihre Tricks hinaus zu geben: X2 ist deshalb eben nicht nur eine Aneinanderreihung von Actionszenen. Mittendrin fallen dann auch mal viel sagende Sätze, unter anderem einer von der Formwandlerin Mystique, der aber fast unter gehen würde neben der Tatsache, dass in letzter Zeit jeder Filmeinsatz von Rebecca Romijn-Stamos seinen Höhepunkt auf einem öffentlichen Klo findet - siehe "Femme Fatale".

Was den Film wesentlich über seinen Vorgänger stellt, sind die Grauschattierungen: Es gibt in der Welt der Menschen und Mutanten wenig rein Gutes oder Böses, sondern viel dazwischen. Zweckbündnisse zwischen Feinden werden geschlossen, Einzelne manipuliert, die sich sonst wohl völlig anders verhalten würden. Das garantiert mehr Abwechslung. Und so lässt sich auch über X-Men 2 insgesamt denken: Mit schillernden Figuren, diversen Handlungssträngen und einem reichen Portfolio an Effekten ist der zweite Auftritt der Mutanten zwar lange nicht die Krone der Filmschöpfung, aber um Längen besser als der erste.