Suche: Suche abschicken


Good Advice
Charlie Sheen im Märchen vom geläuterten Wall Street-Broker: Fastenzeit in der US-Komödie.


Werbung

Eine Kritik von Reinhard Bradatsch

Nicht immer verläuft das Geschehen auf der Leinwand antizyklisch zu negativen Aktienkursen und schwarzmalerischen Wirtschaftsprognosen. Im Komödienfach dürfte sich Hollywood derzeit ganz an den Ursachen des Börsencrashs orientieren: Außen hui, innen pfui. Die Methoden dabei sind stets die gleichen. Geschickt zusammengeklau(b)te Storybruchstücke, die - gesäubert vom schweren Realitätsballast - mit halbgaren Pointen verbunden werden sollen.
Charlie Sheen wird da als rücksichtsloses Kapitalistenschwein Ryan Turner in die monetäre Wüste geschickt, nachdem ihm ein Insidertipp zum Verhängnis geworden ist. Freundin weg, Hoffnung weg, lediglich die steife Mimik scheint ihm 93 Minuten lang angewachsen zu sein. Welch Wink des Schicksals, dass der arme Schlucker als Ghostwriter der Frauenkolumne des hiesigen Provinzblattes nicht nur die Leserschaft, sondern auch die attraktive Chefredakteurin auf seine Seite ziehen kann.
Regisseur Steve Rash macht sich erst gar nicht die Mühe, Good Advice mit eigenen bunten Federn zu schmücken. Der Plot ist vorhersehbar wie die nächste Bilanzfälschung, und die Wandlung Turners zum Gutmenschen dürfte ebenso Rashs Realitätssinn entsprechen wie das Ausgraben müder Frauenklischees seinem bemitleidenswerten Bild vom schwachen Geschlecht.
"Du musst sensibler schreiben. Frauen sind so ". Jon Lovitz merkt man wenigstens den Versuch der Variation seiner Rolle als testosterongesteuerter Schönheitschirurg an. Die Dialoge mit Filmgattin Rosanna Arquette zeugen denn auch von der Fähigkeit zur schneidigen Doppelconférence. Ansonsten beherrschen Mimen mit Ablaufdatum die Szenerie, allen voran Denise Richards als geld- und minirockverliebte Ex von Turner - sie benötigt wegen Konformität zum wirklichen Leben am wenigsten Mut zur Verstellung.
Der Mut zum Risko ist Good Advice jedenfalls schon beim Aktienkauf abhanden gekommen.