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Vom Fliegen und anderen Träumen
Einfühlsamer und witziger Film über eine todkranke junge Frau, die ihre Unschuld verlieren will.


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Eine Kritik von Harry Ackermann

Der erfolglose Maler Richard, Kenneth Branagh muss nach einem erfolglosem „Flug“ mit einem selbstgebauten Drachen von einem Haus 120 Stunden Sozialarbeit ableisten. Er trennt sich von seiner Freundin und versucht, am Land sein Leben neu zu ordnen. Hier möchte er nicht nur seine Strafe abarbeiten, er möchte auch ein flugtaugliches Flugzeug bauen. Jane, Helena Bonham Carter, ist eine junge Frau, die durch eine degenerative Muskelerkrankung an den Rollstuhl gefesselt ist und nicht mehr lange zu Leben hat. Sie wird von manchen Mitmenschen jedoch wie ein kleines Kind behandelt, nur weil sie sich durch ihre Krankheit nicht richtig ausdrücken kann und im Rollstuhl sitzt. Dieses Verhalten geht ihr natürlich kräftigst auf die Nerven. Richard wird der unkonventionellen, jedoch überaus klugen Frau als Betreuer zugewiesen, und behandelt sie wie einen gleichwertigen Menschen. Er geht auf ihre Bedürfnisse und Wünsche ein und bietet ihr Abwechslung in ihrem eingeschränkten Leben. Eine Bitte der Todkranken stößt ihn dann aus seinem Konzept: Jane will ihre Jungfräulichkeit verlieren, und Richard soll ihr einen passenden Liebhaber finden. Obwohl er zuerst gar nicht damit einverstanden ist, hilft er ihr letztendlich doch. Gemeinsam engagieren sie einen Callboy. Um diesen bezahlen zu können, möchte Richard eine Bank überfallen. Beide bereiten sich auf ihr größtes Abenteuer vor, letztendlich kommt aber doch alles ganz anders.

Kritik
Hätte ich die DVD nicht zum Testen bekommen, ich hätte mir diesen Film wahrscheinlich nie angesehen. Solche Filme zählen für mich zu jenen, die ich mir nie im Kino, bestenfalls vielleicht einmal im TV ansehe.

Mit viel Einfühlungsvermögen, aber auch Witz und Sarkasmus gelingt es Paul Greengrass ein doch recht ernstes Thema zu behandeln. Dieser Film zeigt, dass auch Todkranke den Wunsch nach sexueller Befriedigung haben. In unserer Gesellschaft werden solche Wünsche aber immer noch tabuisiert. Älteren, Behinderten oder Todkranken wird so ein Wunsch ja gar nicht „zugetraut“. Doch obwohl sie alt oder behindert sind, sind immer noch Menschen mit all ihren Wünschen und Bedürfnissen, und das sollten alle anderen akzeptieren. Letztendlich zeigt der Film auch, dass im Leben und in der Liebe nur eines wichtig ist: Nicht die Hülle eines Menschen, sondern das, was in ihm steckt.

Grossen Respekt habe ich immer vor Schauspielern, welche behinderte Menschen spielen und dies auch überzeugend tun. Helena Bonham Carter ist so eine Schauspielerin. „Lugarex“ wird die degenerative Muskelerkrankung genannt, an der ihre Figur leidet: Der Patient verliert im Laufe dieser Krankheit die Fähigkeit, seine Muskeln zu kontrollieren. Dies wirkt sich natürlich auch auf die Sprache aus. Es wird immer schwieriger, richtig artikulierte Wörter und Sätze zu sprechen, schlussendlich erstickt der Patient. Gerade für eine Schauspielerin, welche gelernt hat, Wörter immer ganz und betont auszusprechen, ist so eine Rolle eine große Herausforderung, und Bonham Carter hat sie mit Bravour gemeistert.
Kenneth Branagh hat es schwer neben seiner großartigen Partnerin, aber auch er ist in diesem Film sehenswert. Die teilweise wirren Gedanken sind geradezu in sein Gesicht geschrieben, und manchmal kommt er mir ein bißchen vor wie in "Mary Shelley´s Frankenstein" - besessen von seiner Vision.

Einen einzigen Kritikpunkt muss ich aber doch noch loswerden: Janes Sprachcomputer ist weder in der englischen, noch in der deutschen Fassung glaubwürdig und kaum anzuhören. Schade, dass so eine einfache Sache vergeigt wurde.

Fazit: Paul Greengrass ist ein sehenswerter Film gelungen. Helena Bonham Carter und Kenneth Branagh brillieren in großartigen Rollen.