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Ice Age
Ein Mammut, ein Faultier und ein Tiger wollen ein Findelkind zu dessen Vater zurückbringen. Technisch ambitionierte, leicht infantile digitale Slapstick-Variante.


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Eine Kritik von Reinhard Bradatsch

In einer Zeit, als sich die gesamte Tierwelt auf der Flucht vor der drohenden Kälte auf dem Weg nach Süden befindet, schlagen unsere Helden die Gegenrichtung ein: Etwa Faultier Sid. Das pelzige Nagetier mit den Glubschaugen kennt kein Erbarmen: Als lebendige Quasselstrippe heftet er sich an die Fersen des mieselsüchtigen Mammuts Manfred, das ihm kurz zuvor noch vor zwei unfreundlichen Nashörnern gerettet hat. Das hätte er besser nicht tun sollen: Alle Versuche des Einzelgängers Manfreds, den unerbetenen Tollpatsch los zu werden, enden in Chaos. Als die beiden ein ausgesetztes Menschenkind finden, das auch der zwielichtige Tiger Diego für sich beansprucht, muss sich das Trio zwangsläufig zusammen tun. Gemeinsam machen sie sich auf den Weg Richtung homo sapiens und durchleben so manches gefährliche Abenteuer.

Kritik
Ein Säbelzahnhörnchen namens Scrat, das durch seine tapsigen und ungelenken Bewegungen auf der Jagd nach einer Eichel bereits in diversen Trailern des Zuschauers Aufmerksamkeit auf das erste Animationsabenteuer der Fox Studios gelenkt hat, reflektiert die stille Katastase in einem sonst eher durchschnittlichen Machwerk. Ja, Scrat, der als einziger des mit viel Spitzfindigkeit und Liebe fürs Detail geschnitzten Tiermärchens den ganzen Streifen lang stumm bleibt, erinnert als Running Gag vom Reißbrett am ehesten an die legendäre Zeichentrickära Hollywoods in den 50ern und 60ern in ihren anarchistischen und zeitkritischen Manövern im Stile von Hanna/Barbera oder Chuck Jones-Produktionen. Wie letztlich der Hunger eines unauffälligen Nagers unglücklicher Auslöser eines Klimawandels und Schaffung einer neuen Weltepoche ist, lässt Chris Wedges – als Regisseur eines Langfilms zum ersten Mal im Einsatz – Ambitionen als flapsige Auseinandersetzung mit historischen Unverrückbarkeiten aufblitzen. Leider nur ein Sonnenstrahl in einem sonst eher glatten Technikexempel.

Den Großteil ihres Trips bestreiten die 3 Viecher zwar mit allerlei mehrheitlich gelungenen Kalauern (Tiger Diego hat keinen Appetit auf Sid: „I don’t need junkfood“) – wobei der Witz hier vor allem in der Charakterdivergenz zwischen redseligem Faultier und schwermütigen Mammut zu finden ist – und mit auf grandios abgestimmter Gelenkigkeit beruhendem Grimassen-Slapstick, der seinen Grund in der menschlich überzeichneten Visage der Helden hat, doch fügt sich "Ice Age" letztlich stets dem Erwartungsdruck seiner Konsumenten. Als Molekül der Spaßgesellschaft muss auch er Unfolgsamkeit hinter politische Korrektheit stellen. Übrig bleiben Anspielungen auf Zeitgeistphänomene wie American Football und moderne Architektur wie Zitierungen von Mainstream-Kollegen ("Matrix" oder "Der Herr der Ringe: Die Gefährten": Sid gelingt es per Zufall, ein Feuer zu entzünden, was ihm den Titel „Lord of the fire“ einbringt), die zwar stets ein Lächeln abringen, dabei jedoch immer im Rahmen des Jugendschutzes bleiben.

Was Ice Age auch für Über-18-jährige interessant macht, ist sein Charme und seine Leichtigkeit, was vor allem der findigen Animationswerkstätte der Blue Sky Studios zu verdanken ist, die ihren Figuren die Warmherzigkeit haben angedeihen lassen, die dem Skript auf einer langen Wegstrecke mitunter abhanden gekommen ist.

Fazit: Leichte, niemals aneckende Animations-Unterhaltung für kleine und große Kinder.

Wer nicht unbedingt ein Hardcore-Fan des ostfriesischen Blödlers Otto Waalkes ist, dem sei auch hier wieder ein Besuch der Originalfassung – die Hauptfiguren werden grandios gesprochen von John Leguizamo, Ray Romano und Denis Leary – wärmstens empfohlen.