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Panic Room
Meg und ihre Tochter Sarah ziehen nach Megs Scheidung in ein neues Haus. Dort soll viel Geld vom Vormieter versteckt sein, was drei Einbrecher auf den Plan ruft.


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Eine Kritik von Markus Steiger

Meg Altman (Jodie Foster) hat gerade die Scheidung von ihrem Mann Stephen (Patrick Bauchau) hinter sich. Da dieser nicht gerade am Hungertuch nagt, kann Meg bei der Wohnungssuche ihrer Fantasie freien Lauf lassen. Und schnell ist eine neue zweistöckige Bleibe in Manhattan gefunden, die zuvor einem sicherheitsfanatischen Millionär gehört hat, der kürzlich verstorben ist. Dieser hat angeblich noch einiges an Geld dort gebunkert, jedoch weiß keiner, wo. Als zusätzliches Gimmick gibt es in der Luxusbleibe noch den Panic Room. Ein Raum, der autark von der Außenwelt als Refugium genutzt werden kann, wenn Gefahr durch Einbrecher droht. Diesen Panic Room müssen Meg und ihre zuckerkranke Tochter Sarah (Kristen Stewart) gleich in einer der ersten Nächte nutzen, denn die Einbrecher Junior (Jared Leto), Burnham (Forest Whitaker) und der undurchschaubare Raul (Dwight Yoakam) haben es auf die Moneten abgesehen. Das wäre alles kein Problem, wenn sich das Geld nicht im Panic Room befinden und Meg nicht die geringsten Anstalten machen würde, aus selbigem herauszukommen.

Kritik
Ehrlich gesagt: Ich bin David Fincher-Fan. Für mich ist er der beste Regisseur, der aus der Musikvideo-Generation hervorgegangen ist. Seine technischen Spielereien wie lange Kamerafahrten in die kleinsten Winkel des Sets, wie sie auch in "Panic Room" zelebriert werden, sehe ich zwar auch als eine Art Selbstbeweihräucherung, welche die Schauspieler manchmal in den Hintergrund drängt, jedoch kann man, was die Dramaturgie und den Fluss der Handlung betrifft, diesem Regisseur in keinster Weise Vorwürfe machen. Für mich zählen "Sieben" und "Fight Club" immer noch zum Allerbesten, was es in der jüngeren Filmgeschichte zu sehen gab. Panic Room schafft es zwar nicht, an der Vorherrschaft dieser beiden Werke in Finchers Schaffen zu kratzen, dafür ist er zu fehlerhaft und unlogisch inszeniert, trotzdem reiht er sich weit in den vorderen Reihen der Thrillerwerke ein.

Finchers Film befasst sich anfangs kritisch mit den sozialen Verhältnissen im heutigen Amerika. Während der Einbrecher Burnham Geld braucht (Scheidungskrieg mit seiner Ex), um seine Haut zu retten, schlürfen die beiden „Uperclass-Mädels“ Evian aus den Minibars neben ihren Betten. Die Absichten der beiden anderen Komplizen sind da schon etwas schnöder, was den Mammon betrifft. Junior ist der von Jared Leto (Finchers neuer Liebling und Brad Pitt-Ersatz?) dargestellte überdrehte Sprücheklopfer, der mehr Dampf als gute Ideen fabriziert. Durch seinen Fehler wird das Trio auch mit der „zu früh“ eingezogenen Halbfamilie konfrontiert. Leto macht seine Sache gut, übertreibt seine Rolle aber hier und da ein bisschen, was mit der Zeit zu nerven beginnt, dafür sorgt er auch für nette Auflockerungen durch seine Unwissenheit und vorschnelle Handlungsweise. Forest Whitaker spielt die ihm auf den Leib geschriebene Rolle des netten Gangsters, der mit der langsam aufkeimenden Gewalt im Haus nicht zurechtkommt. Er stellt das Gehirn der Truppe dar, da er selbst in der Firma arbeitet, welche das Sicherheitssystem des Hauses installiert hat. Der dritte im Bunde ist der hervorragende Dwight Yoakam, der 2/3 des Films mit einer Schimütze am Kopf herumläuft. Er ist die beste Figur in Panic Room. Immer einen trockenen Witz auf den Lippen, manchmal gleich doof wie Junior (Deckendurchbruchsszene von unten) und doch brandgefährlich und bedrohlich. Seine Figur schwebt über dem ganzen Film, da sie Unheil pur vermittelt.

Auch Jodie Foster spielt nach längerer Drehpause eine Rolle, die ihr liegt. Eine verletzliche Frau mit (so ein Zufall) Platzangst, welche mit der Aufgabe wächst und ihre Angst überwindet. Aus diesem Bereich also nichts Neues. Wirklich positiv dagegen überrascht Kristen Stewart in der Rolle der jugendlichen Tochter. Sie stellt das Mädchen aus der heutigen jugendlichen Generation auffallend zurückhaltend dar, was ja bei Kinder- oder Teenierollen nicht immer der Fall ist (siehe alle Spielberg.Filme oder "Die Mumie kehrt zurück").

Was die Inszenierung betrifft, so kann man Fincher manchmal nur seine ausufernde Kameraarbeit vorwerfen, die aber auch sehr hilfreich sein kann, z.B. wenn es darum geht, das ganze Haus den Einbrechern folgend abzufahren, um einen Überblick über den Riesenbau zu bekommen. Das ganze wird in slicken, in Grün gehaltenen Bildern dargestellt, wie wir sie schon aus Fight Club kennen. Das hat mich ein bisschen überrascht, da die technische Umsetzung der seines Vorgängers oftmals stark ähnelt. Vergleichen Sie einfach die Diskussionsszenen in der Küche am Anfang des Einbruchs mit den Szenen, in denen Tyler Durden mit dem Erzähler in selbiger sitzt. Das gleiche Bild, die gleiche Technik. Technik setzt Fincher auch ein, um Spannung zu erzeugen, so in der Szene, in der Jodie Foster ihr Handy holen will, während das Trio auf der Treppe in Zeitlupe diskutiert. Das ganze erinnert natürlich von der Dramaturgie her stark an Hitchcock, aber wie soll man den Meister der Suspense nicht zitieren, wenn es um einen Thriller geht?

Probleme macht der Film jedoch bei genauer Betrachtung. Oftmals schleichen sich Logikfehler ein, welche zwar mit der Extremsituation erklärt werden können, in der sich die Charaktere befinden, trotzdem schwindelt Fincher zu oft, was natürlich auch auf das fehlerhafte Skript von David Koepp zurückzuführen ist. SPOILER
Warum wimmelt Jodie Foster die Polizei ab, um ihre Tochter vor der Ermordung zu bewahren, schlägt jedoch kurz darauf jede Kamera von der Decke? Wäre das für mich ein Grund, als Einbrecher die Kleine zu meucheln? Oder. Warum kommt am Schluss das Einsatzkommando (gab’s das nicht auch in Sieben?) hereingestürmt, obwohl Foster dem Polizisten kein Zeichen gegeben hat? Sicher nicht wegen der schallgedämpften Schüsse oder des bisschen Lärms, den der Kampf verursacht. Außerdem ist Fosters Plan am Schluss doch etwas zu wichtig inszeniert, obwohl es nicht wirklich ein Plan ist. Zu viele Variablen bestimmen das Drehbuch, was natürlich stark an der Glaubwürdigkeit der Handlung zweifeln lässt. So fasst Jodies Charakter in die Zwischenwand, um mit einem Griff die Telefonleitung (mit Schildchen) herauszuziehen, welche sie dann auch noch fachmännisch zusammenstückelt. Stattdessen hätte sie einfach ein Stück Draht mit der Handyantenne verbinden können, welches, durch das Entlüftungsloch geschoben, den gewünschten Empfang gebracht hätte.
ENDE SPOILER
Trotz all dieser Fehler (ähnlich Finchers "The Game") ist Panic Room ein sehenswertes Stück Spannungskino, das vom Durchschnitt klar abhebt. Wer also auf Szenen steht, die einen mit den Zähnen knirschen lassen, der sollte sich Panic Room unbedingt ansehen. Wer Finchers prätentiöse Inszenierungen sowie fehlerhafte Drehbücher nicht mag, sollte lieber die Hände von Panic Room lassen, da er auch noch sehr lang ist.

Fazit: Sicher nicht Finchers Bester, dennoch ein feines Stück Unterhaltungskino.