Um
Andreas Dresens Low Budget-Film im Dogma-Stil ranken sich die Geschichten. So soll sich der Regisseur nach kurzer Zeit vom dogmatischen Vorgehen nach Drehbuch verabschiedet haben und seinen Schauspielern alle Freiheiten beim Entwickeln von Rollen und Dialogen gegeben haben. Nach einem ersten Schnitt, der gut angekommen sein soll, hat er eine Kinofassung gemacht, welche ihm bei den Filmfestspielen von Berlin den Großen Preis der Jury eingebracht hat. Ist diese Mischung aus Semi-Doku und Alltagsgeschichten nun wirklich so gut wie erwartet?
"Halbe Treppe" schafft es ziemlich gut, die Verhältnisse, in denen die Hauptdarsteller leben, darzustellen. Die Trostlosigkeit von Betonburgen, Autobahnraststätten und Imbissstuben überträgt sich perfekt auf die Story, welche aber unabhängig vom Milieu ein universelles Thema beinhaltet. Verfahrene Beziehungen und Seitensprünge als Ausweg sind als Filmstoff immer schon interessant gewesen. Und gerade deshalb fühlte ich mich ob des Themas eher gelangweilt als unterhalten. Wie solche Konstellationen ausgehen, ist sowieso allgemein bekannt und außerdem bin ich kein Fan von realitätsnahen Filmen. Was im Leben passiert, erfährt jeder von uns am eigenen Leib. Filme über die Realität sind nur dann legitim, wenn sie Missstände anprangern oder Lösungen dafür bieten.
So schleppt sich die Geschichte von den zwei Pärchen langsam dem Ende zu, ohne in irgendeiner Weise etwas Neues zu bieten. Zwischendurch versucht der Regisseur, durch kleine Einlagen etwas Humor in den Film zu bringen, das ständige Wachsen der Musikgruppe vor Uwes Lokal nervt aber mit der Zeit, da ihre Musik nicht gerade Lebensfreude vermittelt. Die Figuren sind realistisch und gut dargestellt und auch ihre Handlungen sind nachvollziehbar. Trotzdem brauche ich den Alltag nicht auch noch in einem Film zu sehen. Ich habe ihn jeden Tag um mich.
Fazit: Gut gemacht, jedoch zu real.