Sam Dawson (
Sean Penn) ist geistig auf dem Niveau eines Siebenjährigen. Dies wäre für ihn und seine ebenfalls in irgendeiner Weise behinderten Freunde auch kein Problem, hätte Sam nicht eine Frau geschwängert, die nach der Geburt der Tochter Lucy (
Dakota Fanning) das Weite sucht. Sam gibt jedoch nicht auf und erzieht das Kind so gut es geht alleine, unterstützt von seiner Nachbarin Annie (
Dianne Wiest) und seinen Freunden. Als Lucy aber älter wird und beginnt Sam in Sachen Intelligenz zu übertrumpfen, schaltet sich das Jugendamt ein, das Lucy zu einer Pflegefamilie gibt. Sam engagiert kurz darauf die snobistische Anwältin Rita Harrison (
Michelle Pfeiffer), die auf Druck ihrer Kolleginnen den Vater sogar „pro bono“, sprich umsonst, vertritt. Bald schon entwickelt sich zwischen den beiden unterschiedlichen Personen eine Freundschaft, die weit über das Verhältnis Anwalt/Mandant hinausgeht. Ob das aber reicht, um die verlorene Tochter wieder zurückzubekommen?
Filme mit Behinderten sind immer ein besonders heikles Thema. Als Filmemacher hat man eigentlich immer nur die Möglichkeit, sich auf die Seite des Beeinträchtigten zu stellen, da man nicht als Arschloch dastehen will. Regisseurin
Jessie Nelson tut dies auch in
"I am Sam" und versagt dadurch fast auf der ganzen Linie.
Der Charakter des Sam ist zwar nett und liebevoll, jedoch würde ihm wirklich keiner die Erziehung des Kindes zutrauen. So scheitert der Film schon am Beginn, da man sich die ganze Zeit fragt, wie Sam seine Tochter so lange erziehen konnte, ohne dass sich das Jugendamt eingeschaltet hat. Verstehen Sie mich nicht falsch. Natürlich könnten Behinderte (vom Grad ihrer Behinderung abhängig) Kinder erziehen, jedoch trifft dies nicht auf Sam zu. Er gerät leicht in Rage, wenn man ihm nicht sein gewohntes Frühstück bringt und er ist nicht fähig, in hektischen Momenten adäquat zu reagieren. Das ist das erste und auch gleichzeitig das Grundproblem des Films.
Zweitens: So gut
Sean Penn seine Rolle auch spielt (Oscarnominierung), dieser Charakter nervt einfach. Zu oberflächlich wird Sam gezeigt. Nie erfährt man näheres über ihn und seine Kindheit oder über die Beziehung zur Mutter von Lucy. Das gleiche gilt auch für die Nachbarin Annie, deren Vergangenheit kurz im Film angerissen und gleich darauf wieder fallen gelassen wird. Der einzige voll entwickelte Charakter des Filmes ist, obwohl er ein extremes Klischee darstellt, die Figur der Rita Harrison, welche auch wirklich überzeugend von
Michelle Pfeiffer dargestellt wird. Sie ist es auch, die einen über die langen 132 Minuten nicht einschlafen lässt, da ihre Darstellung manchmal sogar zu fesseln mag.
Sams Freunde dagegen stellen wieder einmal die typische Hollywood-Sidekicktruppe dar. Von jedem muss es einen geben: Ein Mongoloider, ein Paranoider, ein Autist und ein Doofi. Es kann nicht zwei Mongoloide oder Doofis geben. Es MUSS von jeder Sorte einer da sein, damit der Zuseher keinen Wiederholungseffekt bemerkt. Äußerst schwach.
Positiv kann die Musik des Filmes beurteilt werden. Aber auch hier muss man aufpassen. Während die zwar glattgeschliffenen, aber trotzdem angenehm zu hörenden
Beatles-Covers (Originale durften aus Copyright-Gründen nicht verwendet werden) ein angenehmes Gefühl der Wiedererkennbarkeit verbreiten, nervt
John Powells Score bis ins letzte Glied. Höhepunkt ist dabei die Szene, in der Penn im Supermarkt einkauft. Zum Ausflippen.
I am Sam versucht, sich mit der Brechstange in die Herzen der Zuschauer zu spielen. Aufgrund der schwachen Inszenierung und der oberflächlichen Charakterzeichnungen schafft er das aber nie.
Fazit: “I am Markus” und ich rate ihnen, diesen Film nicht zu sehen.
P.S.: Das naseweise Kind neeeervt. Uagh.