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Star Wars: Episode II - Angriff der Klonkrieger
Gut gegen Böse, eine Liebe gegen die Regeln, effektreiche Kampfszenen und fast kein Jar-Jar Binks: Episode 2 versucht, zum Kern von Star Wars zurückzufinden.


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Eine Kritik von Thomas Taborsky

Die frühere Königin von Naboo und nunmehr republikanische Senatorin Amidala (Natalie Portman) trifft für eine wichtige Abstimmung auf Coruscant ein: Immer mehr Planeten widerrufen ihre Treue zur Republik, und um die völlig überforderten Jedi-Ritter zu unterstützen, könnte schon bald eine Armee ausgehoben werden. Schon auf der Landeplattform entkommt sie nur knapp einem Attentat. Aus Sorge um ihre Sicherheit werden Jedi-Meister Obi-Wan Kenobi (Ewan McGregor) und sein Padawan-Schüler Anakin Skywalker (Hayden Christensen) zu ihrem Schutz abgestellt. Und wirklich: Schon in der darauffolgenden Nacht müssen die beiden den nächsten Anschlag vereiteln. Zwar können sie nach einer Jagd über den Stadtplaneten die Urheberin stellen; bevor die ihnen aber sagen kann, wer dahinter steckt, wird sie von einem Giftpfeil getötet.
Während Obi-Wan ermittelt, kann "Ani " endlich Amidala gestehen, dass er die zehn Jahre über, während der er sie nicht mehr gesehen hat, jeden Tag an sie denken musste. Auf einem Flüchtlingstransport reisen die Senatorin und ihr Jedi-Leibwächter nach Naboo, um an einem sichereren Ort zu sein. Nicht erst dort zeigt Anakin, dass er kein guter Schüler seines Meisters war: Er ist besserwisserisch, eigensinnig und fühlt sich von Obi-Wan in seiner Karriere zurückgehalten. Als er noch dazu Amidala seine Liebe gesteht, erwidert sie, dass das nicht sein darf. In der folgenden Nacht hat Anakin eine Vision: Shmi Skywalker (Pernilla August), seine Mutter, leidet auf Tatooine unsägliche Qualen. Und während der Padawan gegen jeden Auftrag verstößt und mit Amidala aufbricht, um sie zu retten, deckt der Meister auf einem fernen, nirgendwo verzeichneten Planeten ein Geheimnis auf, das viele Rätsel aufgibt - und der Anfang vom Ende der Jedis sein könnte...

Kritik
Nach 25 Jahren verheißt die Star-Wars-Anfangssequenz - von der Fox-Fanfare bis zum Logo - noch immer "Hier kommt etwas, das größer sein will als alles andere". So schlecht konnte Episode 1 - Die dunkle Bedrohung gar nicht ausfallen, dass die Erwartungshaltung gegenüber Teil 2 nicht wieder extrem hoch war. Und tatsächlich scheint George Lucas einige Kritikpunkte beherzigt zu haben, die durch Medien und Fankreise kursierten: Episode 2 - Angriff der Klonkrieger ist nicht nur aufgrund der Geschichte dünkler geworden. Ein wichtiger Vorteil bei Nacht- und Schattenszenen ist, dass die Spezialeffekte nicht so auffallen - man erinnere sich nur an die sonnige Schlacht auf der golfplatzmäßig getrimmten Naboo-Wiese. Natürlich verbesserten sich auch die Computerleistungen selbst während der letzten drei Jahre, so dass es keine einzelne Szene gibt, von der man sagen könnte, dass hier Ränder oder gar Pixel unangenehm herausstechen. Auch die Digitalkameras, die Lucas statt den normalen 35mm-Geräten verwendete, liefern saubere Bilder ab.

Technisch bleibt die Star-Wars-Welt also wie gehabt: so gut, wie es auf dem aktuellen Stand möglich ist. Anders bei der Story: Die geradlinige Handlung des Vorgängers macht einer etwas abwechslungsreicheren Struktur Platz: Hier Anakin und Padme auf ihrer Reise, dort Obi-Wan Kenobi und vereinzelt auch Szenen, die nur das Schicksal der Republik und des Jedi-Rates betreffen. Wie Lucas schon selbst bekannt gab, soll sich in den drei Prequels eine Entwicklung vollziehen, die mit dem Alter der Zuschauer einher geht. Deswegen kann man Episode 1 ruhig als "Fast-Kinderfilm" bezeichnen, während Episode 2 reifer, "jugendlich" wirkt. Hier mischt sich die Liebe ein, aber auch viele Elemente, die aus Videospielen gegriffen sein könnten: Die Action-Szene in der Roboterfabrik wäre eines Jump-and-Runs würdig, und Konsolen-Fans könnten sich dabei ertappen, dass sie nach der Punkte-Anzeige suchen. Selbst für Jugendliche müssen die Kniffe, die benutzt werden, aber zu durchschaubar wirken: Würde man nicht von einer galaktischen Senatorin, die von einem überhaupt nicht weltgewandten Krieger über die Vorzüge der Diktatur aufgeklärt wird, erwarten, dass sie ihm die Leviten liest, anstatt herzlich mit ihm zu lachen? Oder: Warum hat Padme, wenn sie schon ihre Gefühle gegenüber Anakin unterdrücken will, dann ein enges, extra aufreizendes Lederkleid an, wenn sie sagt, dass zwischen ihr und dem jungen Jedi nichts sein darf? - Lucas hat die Geschichten schon immer einfach gehalten, und hier stolpert er mehrfach über seine gewollte Opulenz.

Stichtwort Opulenz: Großartiges wurde von den Kostüm-Designern geleistet, nicht nur, was Natalie Portmans unterschiedliche, diverse Modestile überspannende Garderoben betrifft. Genau wie die Kleidung vereint auch die Ausstattung diverse Epochen, nähert sich aber dem Design der ersten Trilogie an. So wird das aus der Dunklen Bedrohung bekannte Gemisch, in dem sich bevorzugt Einflüsse aus 30ern und 50ern fanden, Richtung 60er erweitert. Am deutlichsten ist das bei der "Hippie-Kommune" der Familie Lars (richtig: Owen und Beru aus Episode 4 als junges Paar!) sichtbar, wo sich Padme dann auch ein Sonnenkinder-Kleid gönnt. Auch ein wenig Renaissance ist zu sehen, vor allem am prächtigen Kragen von Senator Bail Organa (Jimmy Smits), der sicher noch in Episode 3 eine wichtige Rolle spielen wird. Aber sogar in die Antike geht der Kunstgriff der Requisiteure, wenn sie den Klonenkriegern ihre Helme verpassen.

Eine ebenso bunte Palette versuchte George Lucas bei den Charakterzügen der einzelnen Rollen zu finden. Vor allem näherte er die Jedis den japanischen Samurai an. Es ist nicht nur die Art, wie Samuel L. Jackson auf einen Sitz niedergleitet: In der zentralen Szene des Films wird Hayden Christensen alias Anakin Skywalker sichtbar zu einem Ronin, einem herrenlosen Samurai, der sich genauso geschmeidig, grimmig und tödlich bewegt, wie man es aus etlichen japanischen Arbeiten kennt. Und gerade hier setzt John Williams wieder mit dem "Imperialen Marsch" ein. Der Haus- und Hofkomponist von Spielberg und Lucas schafft mit etlichen aus den anderen Teilen bekannten Stücken Verbindungen und lässt mit seiner Untermalung klar erkennen, was gerade los ist. Neu im Programm erhält das "Across the Stars" betitelte Liebes-Thema eine zentrale Bedeutung. In ein paar Jahren wird man, genau wie bei "Duel of the Fates", wissen, dass bei diesem Stück von Episode 2 die Rede ist. Mehr wollte Williams anscheinend nicht, aber der Hang zum Thematisieren ist schließlich sein Markenzeichen.

In der Rangfolge der Wichtigkeit seiner Elemente kommen bei Episode 2 erst jetzt die Schauspieler. Die meisten von ihnen waren schon im Vorgänger dabei, viele von ihnen nur als Staffage. Und obwohl Ewan McGregor als Erster im Abspann erwähnt wird, bekommt man deutlich das Gefühl vermittelt, dass er nur die zweite Geige spielt. Am meisten Aufmerksamkeit wird Hayden Christensen gewidmet, der Anakins langsame Wandlung, seine Sturheit und sein Ego so gut vermitteln kann wie es das Drehbuch zulässt. Der Leinwandpräsenz von Natalie Portman hat er aber nichts entgegenzusetzen. Sie trägt einen großen Teil des Films allein mit ihrer Ausstrahlung, und nichts ist an ihr zu bemäkeln, außer dass es leicht seltsam wirkt, wenn sie mit Waffen herumfuchtelt. Noch zwei andere machen das Beste aus ihren Rollen: Christopher Lee als zwielichtiger Count Dooku bastelt weiter an seinem Denkmal und Samuel L. Jackson als Jedi-Meister Mace Windu transferiert seine Coolness nach Coruscant: Jede Szene mit einem von ihnen ist auf ihre Weise aufregend geworden. Leider musste Frank Oz nun vollkommen der Computertechnik weichen und darf den Yoda nur noch sprechen. Das macht den Meister aller Jedis zwar zu einer reinen Actionfigur, aber wie man an einer eindrucksvollen Kampfszene sehen kann, zu einer guten.

Wo liegt aber bei all diesen Einzelteilen die Summe des Ganzen, wo ist der Film einzuordnen? Zwei bisherige Star-Wars-Teile stehen mit Angriff der Klonkrieger in besonderem Naheverhältnis: Die dunkle Bedrohung und Das Imperium schlägt zurück - letzteres klarerweise, weil auch dieser Film der Mittelteil seiner Trilogie war. Es finden sich viele offensichtliche Parallelen, die die Verwandtschaft untermauern, obwohl sich dabei auch die Grenzen Episode 2 am deutlichsten zeigen: George Lucas schafft es auch im zweiten Anlauf nicht, Charaktere zu zeigen, mit denen man mitfiebert, -leidet und -lacht. - Apropos Lachkrampf: Glücklicherweise wurde das Übel Jar-Jar Binks auf ein Mindestmaß zusammen gestutzt.

Es fehlt also das Gefühl, das bei der ersten Trilogie aufkam, das sie zu einer wirklichen "Saga" machte: Episode 2 - Angriff der Klonkrieger ist temporeich, effektvoll und fügt zahlreiche Handlungsfäden - wie z.B. die Vorgeschichte von Boba Fett - dem Gesamtkonstrukt hinzu. Insofern ist das Werk also um einiges besser als Episode 1. Attraktivität entwickelt der Film aber kaum eigene, sondern zehrt kräftig von den anderen Teilen. Dabei schrammt Lucas noch dazu knapp daran vorbei, Opfer einer Persiflage zu werden: Bei den kugelförmigen Raumschiffen der Handelsföderation - diesmal ohne den Hangar-Ring - müssen Kenner unweigerlich an Mel Brooks´ denken - Nur ein Gedanke am Rande, doch einer, der nicht vernachlässigt werden sollte im Lucas´schen Universum, das weitgehend von (Selbst-)Zitaten lebt.