USA in der Zeit des kalten Krieges. Die Bekämpfung der Angst vor einem Angriff der Sowjets oder Außerirdischen steht auf dem politischen Tagesprogramm, wobei man letzteres noch für eher unwahrscheinlich hält. Doch das eher Unwahrscheinliche geschieht. Die vermeintlichen Meteroriten, die vorerst in der Nähe einer amerikanischen Kleinstadt, kurze Zeit später auf der ganzen Welt vom Himmel fallen, entpuppen sich als die Raumschiffe von Marsmenschen, die aufgrund der Knappheit ihrer Lebensressourcen auf dem grünen, feuchten Planeten Erde ihr Fortbestehen sichern wollen. Die ersten Annäherungsversuche von seiten der Menschen, die mit einer weißen Fahne ihre friedliche Gesinnung zum Ausdruck bringen wollen, werden von einer Art Suchauge (die Marsmenschen können natürlich nicht in unserer Atmosphäre atmen, wodurch ihre Vereinnahmung der Erde als bloße Zerstörungswut daherkommt), das die Form einer Schlange hat und aus dem Raumschiff herauslugt, mit gefährlichen Magnetstrahlen zu Staub und Asche gemacht. Selbst die härtesten Waffen, die das Militär einsetzt, prallen an den Magnetschutzschildern ab und es bleibt nur mehr eine Möglichkeit offen um die Marsmenschen, aber zugleich auch die Menschen selbst, zu vernichten – der Einsatz der Atombombe. Der hochangesehene Physiker Dr. Clayton Forrester (
Gene Berry), der zusammen mit der Dozentin (!!!) Sylvia van Buren (
Ann Robinson) in dem Krisengebiet eingeschlossen ist, können einem Raumschiff das Suchauge abschlagen – sie sind auch die ersten, die die Marsmenschen zu Gesicht bekommen. Es gelingt ihnen aber, zu flüchten und somit Forschungen über die Lebensbedingungen der außerirdischen Invasoren anzustellen. Mittlerweile ist jedoch auf der ganzen Welt Anarchie ausgebrochen und deshalb ist es ihnen auch nicht möglich, ihre Mittel, die die atombombenresistenten Eindringlinge vernichten sollen, einzusetzen. Die Welt steuert dem Ende zu...
„The war of the worlds“ wurde nach der gleichnamigen Romanvorlage von Science – Fiction Klassiker H.G. Wells (1898) gedreht. Dieser Stoff hatte bereits vor seiner Verfilmung (1953) in Kalifornien Panikwellen verursacht, weil im Jahr 1938 ein gewisser
Orson Welles ein Hörspiel produzierte, das anscheinend sehr realistisch auf die Massen wirkte. Aber auch ohne diese Anekdote ist es wert diesen Film genauer zu betrachten.
Natürlich ist es ein Film, der die Marsmenschen als die Aggressoren und die Menschen zunächst als die freundlich Gesinnten, darstellt. Interessant finde ich jedoch die filmische Tatsache, dass alle militärischen Mittel nicht ausreichen, um „den Feind“ abzuwehren und somit in dieser Hinsicht in Frage gestellt werden. Wahnsinn ist natürlich – und das entspricht dem damaligen Verständnis von den lapidaren Schutzmaßnahmen im Falle eines Atomkrieges - dass den Leuten schwarze Schutzbrillen gegeben wurden und diese unweit vor dem Ort der Detonation hinter einem Berg mit den Fingern in den Ohren in Deckung gingen. Noch bevor die Atombombe eingesetzt wird, versucht der Pastor Dr. Matthew Collins (Lewis Martin) noch einmal auf friedlichem Wege sich den Marsmenschen anzunähern. Gestärkt durch seinen festen Glauben, dass sie auch Geschöpfe Gottes sind geht er ihnen betend entgegen. Auch er wird durch diese Strahlen getötet. Marsmenschen sind also keine Lebewesen, die der göttlichen Schöpfung entspringen oder hat der Glaube an die Existenz eines Gottes doch irdische Grenzen?
Im weiteren Verlauf des Films kommt es aber immer wieder zu religiösen Momenten – z.B. als festgestellt wird, dass es, wenn kein Mittel gegen die Marsmenschen gefunden wird, diese nur sechs Tage für die Auslöschung der Menschheit brauchen werden. Sylvia van Buren besinnt sich auf die Bibel und bemerkt, dass Gott auch in sechs Tagen die Welt erschaffen hat (man bemerke, sie mimt eine Dozentin der Physik). Angesichts dieser Erkenntnis verfallen alle um sie herum in ein Schweigen und die Blicke, die sie sich zuwerfen, verraten, dass nun zwar das Ende gekommen ist, jedoch alles dafür spricht, dass Gott es so gewollt habe. Die Blicke haben auch etwas Märtyrerhaftes an sich. Dieses Märtyrerhafte tritt gegen Ende des Films noch mal in Erscheinung, und zwar dann, als die Marsmenschen die Stadt New York systematisch zerstören und sich die Menschen in den noch unversehrten Kirchen versammeln. Draussen fliegen der Reihe nach die Häuser in die Luft und drinnen sitzen die Leute in den Kirchenbänken und beten. Ruhig – mit Haltung – natürlich angespannt. Sie gehen zur Kommunion und setzen sich wieder gesittet an ihren Platz zurück. Hier sitzen die anständigen Leute, die es nicht mehr geschafft haben, ein Fahrzeug zu ergattern, um in die Bunker am Rande der Stadt zu flüchten. Die haben sich die Entflohenen aus den Gefängnissen und andere Ungläubige gekrallt. Durch sie wird auch die Errettung der Menschheit durch Dr. Forrester unmöglich gemacht.
Gerade in diesem völligem Ausnahmezustand erlaubt sich Regisseur Byron Haskin kleine Details, die menschliche Charakterzüge andeuten sollen und die er oft nur mit einer Einstellung darstellt. So sitzt ein kleiner Junge mit seinem Hund vor einem umgeworfenen Eiswagen und anstatt sich der allgemeinen Masse anzuschließen isst er glückselig ein Eis nach dem anderen. Oder als Dr. Forrester in den Trümmern der Stadt nach seiner Liebsten Sylvia van Buren sucht und um sich zu orientieren einige Zeit stehen bleibt. Man sieht dabei nur ihn vor einem völlig unwichtigen Hintergrund. Sein Blick ist ihm wichtig.
Die Bedeutung des Blicks ist aber auch in einer anderen Szene zentral. Ein Wissenschafter schickt durch den abgehauenen Sensor der Marsmenschen Licht, wodurch die Projektion des Blicks der Fremden möglich gemacht wird (Kinderspiel!). Der Blick (des Fremden) wird also dem Erblickten (dem Mensch) zurückgeworfen, wodurch für einen kurzen Moment eine Art Identifiktation mit den Außerirdischen passiert. Dieser Moment wird natürlich als furchterregender dargestellt, aber auch als faszinierender. Diese "zarte" Ambivalenz durchzieht den ganzen Film, wobei man deutlich feststellen muss, dass es hier nicht vordergründig um die Marsmenschen selbst geht, sondern um den Entwurf wie sich die Menschen im Falle einer Invasion verhalten werden.
Man bekommt zwar einen Marsmenschen kurz zu sehen – sie werden jedoch erst am/mit ihrem Ende als Lebewesen dargestellt, die verwundbar sind und somit dem Menschen gleichgesetzt gesehen werden können. Übrigens wurde dieser Film mit dem Oscar für die besten Spezialeffekte ausgezeichnet.
Relativ aussergewöhnlich für diese Zeit finde ich auch, dass einer Frau im Film ein Dozenten-Dasein (noch dazu Physik) zugesprochen wird. Das erste, was sie jedoch im Unterschied zu Dr. Forrester beim Eintreffen der Militärs sagen darf (sie hat sich schnell die Rot-Kreuz-Uniform angezogen), ist: „Major – kann ich ihnen einen Kaffee bringen?!“