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Memento
Guy Pearce verfolgt als Kurzzeitgedächtnisgeschädigter den Mörder seiner Frau.


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Eine Kritik von Markus Steiger

Leonard Shelby (Guy Pearce) ist hinter dem Mörder seiner Frau her. Dabei hilft ihm der Verlust seines Kurzzeitgedächtnisses, den er bei dem Versuch, seine Frau zu retten, erlitten hat, nur wenig: Einen Täter hat er während des Angriffs zwar erwischt, der zweite konnte jedoch flüchten. Nun macht er sich selbst auf die Suche, immer mit dem Handicap kämpfend, nach fünf Minuten wieder die Informationen und Vorgänge vergessen zu haben, die ihn näher an den Mörder seiner Frau führen sollen.

Kritik
Eine Hand hält ein Polaroid, auf dem ein erschossener Mann zu sehen ist. Langsam verschwindet, verblasst das Bild, bis man bemerkt, dass die Szene rückwärts läuft und man das Geschehen bis kurz vor dem Mord zu Gesicht bekommt. Von da an läuft der Film zwar in die richtige Richtung, jedoch zeigt Regisseur Christopher Nolan das Ende zuerst, wobei er sich langsam zum Beginn des Films vortastet.

Wenn man das Konzept von Memento das erste Mal hört oder das Ergebnis sieht, schießt einem sofort ein Wort in den Kopf: „konstruiert“. Wie z.B. in Wild Things von John McNaughton muss die eher flache Story für irrwitzige Twists und Ideen herhalten, die den Zuschauer in Erstaunen versetzen sollen. Und wenn man sich darauf einlässt, verfehlt dieses Konzept seine Wirkung nicht. Immer wieder ertappt man sich dabei, wie beim „Ich packe meinen Koffer“-Spiel alles bisher Vorgekommene geistig zu rekapitulieren, um hinter den Sinn zu kommen. Dabei hilft Nolan, indem er am Ende einer Sequenz kurz den Anfang der nächsten zeigt, die man aus Gründen des „Verkehrt-Herum-Zeigens“ ja schon gesehen hat.

Schwebt in den ersten 15 Minuten das oben erwähnte „konstruiert“-Zeichen noch deutlich über den Film, so verblasst es mit Fortdauer immer stärker, bis man völlig in der Welt des Leonard Shelby gefangen ist. Irgendwann in der Mitte glaubt man, die Grundstory trotz der Irreführungen heraus zu haben, und im Grunde liegt man auch nicht falsch. Nolan toppt das Ganze aber um noch zwei Klassen, wobei man es als kritischer Zuschauer wieder mit der Natürlichkeit der Story locker nehmen muss, um den Film genießen zu können. Am Schluss bleibt - wie immer bei Rachegeschichten - ein gescheiterter Charakter zurück, der in diesem Fall sein Scheitern vergessen will - und auch wird -, nur um kurz davor für einen Augenblick zu bemerken, dass er eigentlich nichts erreicht hat, und seine Suche wieder von vorne beginnen muss, quasi als Sisyphus des Kriminalfilms.

Die Schauspielerleistungen sind angesichts dieser Story natürlich nicht sehr wichtig, und doch kann das Trio Pearce, Moss, Pantoliano ein bisschen seinen Beitrag zu diesem rundum gelungenen Film leisten. Verglichen mit Essen ist Memento sicherlich kein Gourmetmenü, aber auch Fast-Food kann verdammt gut schmecken.

Fazit: In diesem wahnsinnig unterhaltsamen Thriller werden die Köpfe rauchen.