Gal (
Ray Winstone) ist ein Safeknacker im Ruhestand. In Spanien lässt er sich die Sonne auf den Bauch scheinen und genießt das Leben mit seiner Frau Deedee (
Amanda Redman) in vollen Zügen. Eines Tages kommt jedoch Sturm im Paradies auf, denn Don Logan (
Ben Kingsley) hat sich aus dem fernen London angekündigt. Scheinbar soll Gal noch einen Job übernehmen und Don akzeptiert sicherlich kein „Nein“.
Der britische Film besteht nicht nur aus knuffigen Liebeskomödien. Zwar ist
Sexy Beast weitestgehend als Satire auf das Verbrechergenre allgemein zu sehen, trotzdem baut
Jonathan Glazer Spannungselemente in sein Regiedebüt ein, die als schlichtweg genial zu bezeichnen sind.
"Pulp Fiction" (ich zitiere ihn schon wieder) hat diese Mischung aus Komödie und Gangsterfilm eingeführt, in der die Grenzen zwischen diesen Genres verschwimmen. Auf einen Witz folgt ein Kopfschuss und ruhig beginnende Szenen arten zu Gewaltorgien aus.
Was macht
Sexy Beast also so speziell? Beginnen wir einfach am Anfang. Zu Beginn sonnt sich Gal in
"Hundstage"-Manier auf seiner Terrasse. Er steht auf, schleppt sich zum Poolrand und plötzlich sieht man, wie sich im Hintergrund ein Felsbrocken löst und auf ihn zurollt, ihn um Haaresbreite verfehlt und im Pool landet. Genial ist nicht die Idee selbst, sondern das Spiel
Ray Winstones, der völlig konfus und ungläubig auf den Brocken im Schwimmbad stiert. Diese Aktion soll höchstwahrscheinlich das ankündigen, was auf Gal im Laufe des Filmes zukommen wird, denn gegen Don Logan ist ein Felsbrocken ein Wattebausch.
Spätestens wenn
Ben Kingsley das erste Mal ins Bild kommt, beginnt Sexy Beast seine beklemmende Wirkung zu zeigen. Selten hat ein Bösewicht eine derart konstante Bedrohung ausgestrahlt wie der drahtige und glatzköpfige Schauspieler (kaum zu glauben, dass er einmal
"Gandhi" gespielt hat). Von nun an beginnt der Psychokrieg zwischen Gal und Don. Wenn die vier Freunde (Gal, seine Frau und ein befreundetes Paar) vor Dons Ankunft über ihn sprechen und man das Entsetzen in ihren Augen sieht, kann man sich gar nicht vorstellen, was da jetzt kommen soll. Kingsley übertrifft mit seiner Darstellung aber alles Ähnliche bei weitem. Wie er als psychopatischer Brutalo zwischen Härte, Unsicherheit, Freundlichkeit und schizoiden Anfällen wechselt, ist atemberaubend.
Sehr wichtig bei dieser Art Film, in der die Hauptfigur andauernd zwischen Leben und Tod schwankt, ist, dass man diese Figur sympathisch findet und nicht will, dass ihr etwas passiert.
Ray Winstone gibt den etwas übergewichtigen Ex-Knacki etwas trottelig und ziellos, aber gerade das macht diesen Charakter so liebenswert. Besonders kommt dies in der Szene zu Tage, in der er seine Frau loyal verteidigt und sagt, dass er sie liebt, obwohl Don ihn dauernd auf deren Porno-Vergangenheit hinweist.
Regisseur Jonathan Glazer setzt zusätzlich auf kleine surreale Akzente, die das Schicksal der Hauptfigur unterstreichen sollen. So manifestiert sich die Bedrohung in Gals Gedanken in Form eines lebensgroßen Menschenhasen, dessen Fratze jedem Horrorfilm gerecht werden könnte. Das alles ist gekonnt und in schönen Farben durch den Kameraneuling
Ivan Bird dargestellt, der dem ganzen Film einen dreckigen Unterton verleiht, der ihn weit von Hollywoodproduktionen abhebt und ihm den Stempel eines Independentfilms aufdrückt.
Wer also auf Spannung steht, sollte sich nicht von der banalen Story von
Sexy Beast abschrecken lassen. Dieser Film ist ein sarkastischer Psychothriller der Sonderklasse, der auf besonders gute Schauspielerleistungen zählen kann.
Fazit: Unbedingt anschauen, sonst kommt Don.