Deutschland in den 20ern:
F.W. Murnau will den besten Vampirfilm aller Zeiten drehen. Dazu hat er den unbekannten Schauspieler
Max Schreck engagiert, der als erster "Method Actor " den Vampir so realistisch wie möglich darstellen soll. Da Murnau von
Bram Stokers Erben die Freigabe für den Stoff nicht erhält, tauft er seine Hauptfigur von Graf Dracula einfach in Count Orlok um und nennt den Film
Nosferatu. Rechtlich abgesichert macht sich die Crew nun nach Osteuropa auf, wo sich der Hauptdarsteller schon in einer Ruine vorbereitet. Aufgrund seines extremen Schauspielstils übernachtet er auch dort und kommt nur zu den Drehs aus seiner Gruft. Als die ersten paar Szenen abgedreht sind, wird der Kameramann Wolfgang Müller (Ronan Vibert) plötzlich krank. Schließlich stirbt er. Murnau lässt sich aber nicht entmutigen und fliegt den jungen
Arno Wagner (
Cary Elwes) ein, der die Kameraarbeit prolongieren soll. Als sich die Todesfälle häufen, will der Produzent Albin Grau (
Udo Kier) den Filmdreh abbrechen, doch er hat seine Rechnung ohne den charismatischen und ehrgeizigen Regisseur Murnau gemacht.
Mögen Sie
Ed Wood,
Gods and Monsters oder
Cecil B. DeMented? Dann werden Sie auch diesen Film mögen. Biografien über Regisseure sind in letzter Zeit voll im Trend, wobei
E. Elias Merhige, der Regisseur von
Shadow of the Vampire, diese Serie mM nach würdig fortsetzt und im Sinne von
Shakespeare in love zur Wahrheit auch noch einiges dazuspinnt, um dem ganzen etwas Pfeffer zu geben.
Merhige dreht aber keinen Horrorfilm im eigentlichen Sinne.
Shadow of the Vampire ist vielmehr eine satirische Liebeserklärung an einen Filmklassiker und seinen Regisseur. Satirisch deshalb, da
Willem Dafoe seinen Max Schreck/Count Orlok auch abseits des Drehs mit dieser herrlich übertriebenen Gestik und Mimik ausstattet (Schattenspiele inklusive), die wir aus diesen alten Stummfilmen kennen. Jeder seiner Auftritte ist irgendwie zum Schmunzeln, wobei der Regisseur den alten kauzigen Vampir dann aber immer wieder brutale Dinge tun lässt, die dem Zuseher das Blut in den Adern gefrieren lassen sollen. So lacht man noch über ihn, weil er in den ersten Szenen ziemlich unbeholfen wirkt, ist aber ganz schön geschockt, wenn er kurz darauf auf dem nächsten Crewmitglied liegt und es aussaugt. Dieser Spagat zwischen Spaß und Horror gibt diesem sehr ruhig inszenierten Film das gewisse Etwas.
Sehr gut wird auch die Art dargestellt, wie Stummfilme gemacht wurden. Es ist einfach komisch zu sehen, wie Eddie Izzard als Gustav von Wangenheim zu den Instruktionen des cholerischen Regisseurs seine Szenen bestreitet. Da es damals keinen Ton gab, durfte der Regisseur während der Szenen dazwischenschreien und die Akteure mussten ihre Gefühle über ihre Mimik und Gestik ausdrücken. Wenn man das heute sieht, wirkt das natürlich sehr übertrieben und dadurch amüsant. Besonders toll sind hierbei die Szenen, in denen man Gustav seine echte Angst ansieht, wenn er Schreck beim ersten Treffen in die Ruine folgen muss. Dafür muss man Eddie Izzard ein Lob aussprechen. Überhaupt ist
SotV hervorragend besetzt.
Willem Dafoe wurde für seine Darstellung des Vampirs sogar für den Oscar nominiert, was für mich keine Überraschung ist. Er stellt den Blutsauger zwar verletzlich und alt, jedoch auch sehr gefährlich dar. Am Anfang noch belächelt, weiß man am Ende, welche Kräfte er immer noch besitzt. Udo Kier spielt gewohnt souverän die Rolle des Produzenten Albin Grau, der nur so schaut, als der Star des Filmes bei einem kleinen Abendplausch eine Fledermaus aus der Luft abfängt und gleich darauf verspeist. Cary Elwes als Fritz Wagner ist die einzige Person des Filmes, die eigentlich nie Angst vor dem Grafen hat. Seine lässige Art des Lebemannes lockert
SotV bei seinen Auftritten immer wieder auf. Die einzig etwas schwächere Vorstellung gibt mM nach John Malkovich, der eigentlich das echte Monster des Filmes darstellt. Er geht im wahrsten Sinne des Wortes über Leichen, um seinen Film fertig stellen zu können. Seinem Star verspricht er die Hauptdarstellerin Greta Schröder zum Abschluss des Filmes, wobei diese Blutspende zugleich die Abschlussszene darstellen soll.
Malkovich übertreibt seinen sowieso schon übertriebenen Charakter etwas zu sehr. Vielleicht hätte gerade er das "Method Acting" nicht so ernst betreiben sollen.
Natürlich ist nicht alles Sonnenschein auf dieser Welt, und so hat auch
Shadow of the Vampire den einen oder anderen Makel. Erstens ist er nichts für Freunde der Action (was im Grunde kein Nachteil ist). Der Film ist zwar nicht lang, aber er lässt sich Zeit. Das ersieht man schon aus den elendslangen Anfangstiteln, die alles bisher da gewesene an Länge in den Schatten stellen. Außerdem ist das Drehbuch an gewissen Stellen doch etwas konfus, was manchen Szenen eine gewisse Unüberschaubarkeit gibt. Wer einen Spannungsbogen erwartet, wird auch eher enttäuscht sein. Bei
SotV geht es um die Szenen und die Charaktere, sowie um die Optik. Die Story selbst dient nur als Basis.
Die Optik und die Ausstattung sind noch hervorzuheben. Dunkle Töne beherrschen das Bild, wobei in den Drehszenen immer wieder in den Schwarzweiß-Stummfilmstil umgeschalten wird. Es gibt wenige Schwenks, und die Schauspieler agieren eher statisch. Deshalb wirkt
SotV selbst oft wie ein Stummfilm, jedoch in neuem Gewand. Das, die tollen Kostüme, sowie die großartige Maske des Willem Dafoe machen aus diesem Film ein auch für die Augen überdurchschnittliches Werk.
Fazit: Wer trashige Vampirfilme wie
Vampires oder
Fright Night liebt, ist hier falsch aufgehoben.
Shadow of the Vampire beisst nur langsam zu, dafür wirkt er nachhaltig.