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M - Eine Stadt sucht einen Mörder


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Eine Kritik von Markus Steiger

Berlin in Angst und Schrecken. Seit Monaten treibt ein Kindermörder sein Unwesen, den die Polizei fieberhaft sucht. Eine große Zahl von Razzien und Hausdurchsuchungen führt zu keinem Erfolg. Sogar die Größen der Unterwelt machen sich auf die Jagd nach dem Mörder, da die erhöhte Polizeipräsenz ihrem Geschäft schadet und sie auch nicht mit diesem Monster in einen Topf geworfen werden wollen. Schließlich kann ein blinder Bettler den Mörder wiedererkennen. Mit einem M markiert ein junger Mann den Mantel des Mörders, der sich vor dem lynchwütigen Mob der Verbrecher in ein Bürogebäude retten kann. Schließlich wird er aber doch gefunden. Die Gangster halten eine Gerichtsverhandlung über das Schicksal des kranken Verbrechers ab.

Kritik
Fritz Lang ist wohl für jeden Filmliebhaber ein Begriff. Es gibt kaum jemanden, der zumindest das Wort Metropolis als Filmtitel nicht schon gehört hat. Sein zweites berühmtes Werk ist dieser Film aus dem Jahre 1931, der als einer der ersten Tonfilme überhaupt gilt. In M behandelt Lang ein Thema, welches auch in unserer Zeit noch immer sehr tabuisiert wird und auch kontrovers ist. Dabei teilt er die Protagonisten nicht in Gut und Böse, sondern bringt immer wieder Argumente, welche den Zuschauer in seiner Einstellung wackeln lassen.

Erst einmal muss man aber die unheimlich moderne Art bewundern, mit der Lang schon damals gearbeitet hat. Das Vorziehen der Tonspur aus der nächsten Szene oder andere technische Spielereien sind durchaus nicht Erfindungen des modernen Films. Schon damals hat Lang gewusst, wie man optisch und auch mit der Inszenierung den Zuschauer bei der Stange hält. Alleine schon die monumentalen Bilder und auch die Beschreibung des Lebens zur damaligen Zeit lassen einen wirklich staunen.

Als Mensch unserer Zeit beansprucht man Denkweisen, die fortschrittlich und modern sind, für seine eigene Zeitperiode. Deshalb ist man auch beeindruckt, wie modern Langs Denkweise für die damalige Zeit schon ist. Wie oben schon erwähnt, lässt er sich nicht hinreißen, den Mörder als unmenschliches, verabscheuungswürdiges Wesen abzuurteilen, um das Publikum gegen ihn aufzubringen. Ganz im Gegenteil. In einem genialen Schlussplädoyer versucht der wirklich hervorragende Peter Lorre seine Krankheit zu erklären, um sich vor der Lynchjustiz zu retten. Außerdem werden die Gangster zu Helden, da sie sehr effektiv mit Hilfe der Bettlerorganisation versuchen, den Täter zu finden. Bis zu eben diesem Plädoyer Lorres ist man auf der Seite der suchenden Gangster und will auch, dass der Mörder unbedingt gefangen und ermordet wird. Jedoch kann Mord nicht die Lösung für Mord sein, andererseits kann man den Mörder aber nach bestandenem Psychotest nach ein paar Jahren Haft auch nicht wieder freilassen. Genau dieses Dilemma beschäftigt auch die Justiz unserer Zeit. Dieses Problem ist es, was den Film so interessant macht.

Zu erwähnen ist noch, dass Lang für die Rollen der Gangster echte Verbrecher verwendet hat, die angeblich während der Dreharbeiten teilweise eingesperrt worden sein sollen. Außerdem hat damals eine gewisse sehr national eingestellt Gruppe den ursprünglichen Titel „Mörder unter uns“ verhindert, da sie sich anscheinend durch diesen Titel betroffen gefühlt hat. Man sieht also, dass man schon in der jüngsten Filmgeschichte mit allerhand Problemen konfrontiert war. Damals waren es die Parteien, heute die Studios.

Fazit: Unheimlich intensive Studie einer Mörderjagd im Berlin Anfang der 30er Jahre. Ein „Muss“ für Cineasten.