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Jurassic Park III
Wieder einmal muss Alan Grant sein Haut auf einer Insel voller gefährlicher Saurier retten.


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Eine Kritik von Markus Steiger

Dr. Alan Grant (Sam Neill wollte nie mehr einen Fuß auf eine Insel mit Dinosauriern setzen, und nun hat er es doch getan. Der Millionär Paul Kirby (William H. Macy und seine Frau Amanda (Téa Leoni) wollen zu ihrem Hochzeitstag etwas besonderes unternehmen, und deshalb lassen sie ein großes Sümmchen springen, wenn Grant mit seinem Kollegen Billy Brennan (Alessandro Nivola) den Fremdenführer spielt. Grant ist nämlich auf das Geld angewiesen, da seine Forschung unter einer großen Finanzierungsnot steht und er die Knete braucht. Auf der Insel angekommen, bemerkt der Paläontologe aber, dass die ganze Aktion mächtig stinkt, und nach den ersten Saurierattacken erfährt er schließlich den echten Grund für die Reise zur Insel der Dinos.

Kritik
Braucht "Jurassic Park" nach einem maßlos überschätzten ersten Teil und wohl einer der schlechtesten Fortsetzungen in der Filmgeschichte noch einen dritten Teil? Glauben sie es, oder nicht. Seit ich "Jurassic Park III" gesehen habe, sage ich: JA, unbedingt. Es konnte diesem Film wohl nichts besseres passieren als der Rückzug Spielbergs zum Exekutive Producer-Posten. Regisseur Joe Johnston verordnet dem Saurierspektakel eine Frischzellenkur und speckt es gehörig aufs Nötigste ab. So entsteht ein ganz einfacher Film, in dem Leute von A nach B müssen und dabei einer Menge Sauriern begegnen ("Aliens" lässt grüßen). So und nicht anders muss dieser Film aussehen. Spielberg ist einfach zu kindisch, um diesen Stoff so an den Mann zu bringen, wie ihn die Leute sehen wollen. Johnston hat verstanden, worum es geht.

Der Film beginnt mit der üblichen Einstimmungsszene, in der ein Mann und ein Junge durch ein Motorboot an einem Paragleiterschirm an der Saurierinsel vorbeigezogen werden, wobei das Boot zerfetzt wird und die beiden mit dem Schirm auf der Insel notlanden müssen (da klappert die Schlange). Johnston klaut hier gehörig bei anderen Filmen, und im Laufe von "Jurassic Park III" werden wir noch weitere bekannte Szenen oder Figuren aus der Filmgeschichte erkennen. Der Regisseur will hier gar nichts Neues bringen, er verarbeitet den Stoff schnörkellos, baut ein paar Witze ein, klaut wo es nur geht (absichtlich und mit subtiler Ironie) und macht damit das einzig Richtige.

Fangen wir bei den Charakteren an. So blöd sich das anhört. Seit langer Zeit gibt es in einem Actionfilm wieder einmal Personen, die sympathisch wirken und gar nicht so oberflächlich erscheinen. Alan Grant kennen wir schon aus dem ersten Teil, und er wirkt hier auch schon viel souveräner, wenn er in seinem Indiana Jones-Outfit (die Ähnlichkeit ist frappant) durch den Urwald stapft. Das Ehepaar Kirby wird traumhaft ironisch von William H. Macy und Téa Leoni verkörpert, wobei gerade Macy frischen Wind in die Serie bringt. Leoni ist zwar eine Kopie des Indiana Jones II-Charakters Willie Scott, verkörpert durch Spielbergs spätere Frau Kate Capshaw, ist aber bei weitem nicht so nervig wie ihr Vorbild. Sie lernt aus ihrer Schreierei und weist im Verlauf des Filmes sogar ihren Mann zurecht, wenn er nach seinem Sohn Eric ruft.

Ein neuer Charakter ist auch Billy Brennan, der den jungen Gehilfen Grants darstellt und kurz der Versuchung erliegt, Eier mit in die Heimat zu nehmen. Seine Reue gegen Ende des Filmes ist auch ein Grund, warum der dritte Teil der Beste ist. Endlich gibt es keine bösen Menschen mehr, die es zu bekämpfen gilt. Zwar finden die Abgestürzten einen riesigen verlassenen Forschungskomplex, in dem Versuche mit Sauriern durchgeführt wurden (Alien Resurrection lässt grüßen), eine direkte Bedrohung durch intrigante Gefährten ist aber nicht vorhanden. So konzentriert sich alles auf das Thema "Mensch gegen Natur".

Michael Jeter als Söldner, der im Film hauptberuflich Booking Agent ist, hat einige wirklich gute Momente und ganz besonders positiv, und ich freue mich, dass es Ausnahmen von der Regel gibt, fällt der obligatorische Junge (Steven Spielberg schwebt über uns) Eric auf, der nie als weinender Fratz oder neunmalkluger Besserwisser nervt. Er stellt sogar eine der sympathischsten Figuren dar, wenn er Grants Buch lobt und das eines anderen Autors als zu "preachy" heruntermacht. Eben dieser sympathische und immer nachvollziehbar handelnde Cast ist ein Grund, warum dieser Film sich aus der Action-Durchschnittskost hervorhebt.

Ein weiterer Grund sind die Saurier. Besonders der neue Spinosaurus, der in einem direkten Duell mit dem Tyrannosaurus Rex (hat da jemand alte Godzilla-Filme gesehen?) beweisen kann, dass er das furchterregendere Monster ist, indem er diesen mit einem gezielten Genickbruch außer Gefecht setzt, drückt diesem Film seinen Fußabdruck auf. Humor beweist der Regisseur auch, wenn der Spinosaurus zu läuten beginnt, da er mit einem Weggefährten auch gleich das Satellitenhandy mitgefuttert hat. Dieser Gag soll im Laufe des Filmes noch öfter auftauchen, ohne je unnötig strapaziert zu werden. Auch die Raptoren sind diesmal wieder dabei, wobei eine Szene mit ihnen einen der wenigen Schwachpunkte darstellt. Aus dem ersten und zweiten Teil kennen wir sie als bedingungslose Killer und Jäger. Im dritten Teil aber wollen sie eigentlich nur die beiden gestohlenen Eier zurück, was aber nervt, da ihnen in der Schlussszene die für Hollywood typischen Menschlichkeitsattribute hinzugedichtet werden. Außerdem werden sie durch ein nachgebildetes Stimmorgan aus der Fassung gebracht, in das Grant hineinbläst. Genau diese Szene gleitet dann fast ins peinlich Unwirkliche (wenn man das in so einem Film sagen kann) ab, weil sie zum Rest des Filmes nicht passt. Da hatte wohl Steven wieder einmal eine seiner geistreichen Ideen.

Furios ist auch die Inszenierung und dabei besonders die Action. Im 3 Minuten-Takt geht’s rund und Johnston beweist, dass er ein durchaus gutes Händchen für atmosphärische Dichte besitzt. Er schafft es sogar, dem Zuschauer einen sanften Schauer über den Rücken zu jagen (wie normal nur in Horrorfilmen), wenn zum Beispiel ein Flugsaurier aus dem Nebel zum ersten Mal auftaucht und die Akteure zu Fuß (oder Flügel) über eine kleine Brücke (hat die nicht auch in Indiana Jones II - Der Tempel des Todes mitgespielt?) verfolgt. Besonders die Düsterheit der Szenen im Vogelkäfig sind genial in Szene gesetzt. Ein dauernder Nebel lässt immer etwas Gefährliches vermuten und treibt die Spannung noch weiter in die Höhe. Dies setzt der Regisseur auch mit der Flussfahrt (Anaconda) fort, wo die Gefahr zwar nicht im Nebel, dafür aber im Wasser lauert. Was dem Film vielleicht fehlt, ist ein echter Showdown. Aufgrund der sehr starken Actionsequenzen, die sich durch den ganzen Film ziehen, wäre dieser aber höchstwahrscheinlich extrem übertrieben und kitschig geworden. So bin ich eher froh, dass es einen ultimativen Endkampf nicht gibt, da sicherlich Steven seinen Senf dazugegeben hätte und das hätte einen wirklich guten Film total ruiniert.

Fazit: Die Zeit der Saurierfilme ist vorbei? Das glaubte ich auch, bis ich Jurassic Park III sah.