Gracie Hart (
Sandra Bullock) ist ein harter Knochen. Sie hat nichts Weibliches an sich. Sie zieht sich an wie ein Mann, isst wie ein Mann, säuft wie ein Mann und ist vielleicht sogar noch männlicher als ein Mann. Nun muss sie aber in die Hass-Rolle ihres Lebens schlüpfen. Als FBI-Agentin hat sie die Aufgabe, undercover bei der "Miss Amerika "-Wahl mitzumachen, da der verrückte Bomber "The Citizen " einen Anschlag auf den Schönheitswettbewerb angekündigt hat. Das Problem besteht nun darin, aus dem männerfressenden Weib eine grazile Schönheit zu machen, die sich für den Weltfrieden einsetzt. Dazu wird der "Miss-Macher " Victor Melling (
Michael Caine) engagiert. Seine Methoden sind gefürchtet, aber wirkungsvoll. Im Zeitraffer holt Gracie all die Weiblichkeit nach, die sie ihr ganzes Leben vermissen ließ. Langsam fühlt sie sich sogar wohl unter den anderen Missen. Als "The Citizen " vorzeitig gefasst wird, bricht das FBI-Team seine Zelte ab. Gracie bleibt aber gegen den Befehl ihres Bosses McDonald (
Ernie Hudson) weiter im Bewerb, da sie vermutet, dass die Bombendrohung von anderer Seite kam.
Regisseur
Donald Petrie steht für sauberen, kinderfreundlichen (und debilen) Humor, der auch Leute zum Lachen bringt, die bei der Ausgabe von Intelligenz gerade auf der Toilette waren. Keiner seiner Vorgängerfilme hat auch nur ein bisschen Tiefgang. Einzig und allein
Mr. Cutty mit
Whoopi Goldberg war mM nicht so schlecht, da er die Beeinflussbarkeit der Börse verarscht hat. In seinem neuen Film schickt er Sandra Bullock auf den Laufsteg und entfacht dabei ein Gagfeuerwerk, welches so banal und unlustig ist, dass es mich wundert, dass es immer noch Menschen gibt, die sich bei so einem Film vor Lachen auf die Schenkel klatschen müssen (so geschehen bei meinem Kinobesuch).
Petrie lässt aber auch keinen noch so vorhersehbaren Witz aus, um den Zuschauer zu langweilen. So schmatzt Gracie beim ersten Aufeinandertreffen mit Victor extra laut, fällt dauernd mit ihren Stöckelschuhen um und flucht und schlägt sich durch die Landschaft. Dabei ist Bullock voll in ihrem Element (sie produzierte diesen Film auch). Als hässliches Entlein mausert sie sich zur Laufstegschönheit (gähn) und bekommt am Ende sogar noch ihren Arbeitskollegen Benjamin Bratt (schnarch). Da ich mir viele Filme ansehe, lege ich die Latte natürlich immer etwas höher. Dieser Film ist aber so flach, dass er die Latte nicht einmal zu Gesicht bekommt. Jeder weiß, dass diese Modellbewerbe oberflächlich und dumm sind. Petrie versucht aber, uns das ganze noch einmal zu erklären, damit wir es auch verstehen. Am Ende dreht sich dann witzigerweise alles wieder um, und Gracie fühlt sich in der Gesellschaft der Dumpfbacken sogar wohl. Das Motto lautet: Urteilt nicht über andere, nur weil sie bei einem Schönheitsköniginnen-Wettbewerb mitmachen. Wir sind doch alle nur Menschen und wenn wir einander zuhören, bemerken wir, dass wir alle unsere eigenen Probleme haben.
Vor dem Totalabsturz retten den Film ein paar Gags, die in dem ganzen Frontalhumor ziemlich untergehen. Wenn Bullock von einem FBI-Team geschminkt wird und ihr Victor sagt
"Your hair has to make a statement" und sie darauf erwidert
"As long as it doesn´t say ´thank you for the country music award´", dann zeigt der Film, dass er die Chance hätte, durch sarkastischen Humor durchaus die Kurve zu kratzen. Auch die Mannen der FBI-Truppe zeichnen sich den ganzen Film lang nur dadurch aus, dass sie jedes Mal johlen, wenn eine Schönheitskönigin im Badeanzug vor der Überwachungskamera vorbeistolziert. Bullock als Produzentin und Petrie als Regisseur scheinen jedoch das in Ansätzen sarkastische Drehbuch durch ihre Kinderfernsehenmentalität so arg entschärft zu haben, dass nur noch ein Wrack von einer Komödie übrig bleibt. So frage ich mich, welche Ambitionen eine Frau wie Sandra Bullock in ihrer Karriere hat. Wie
Julia Roberts (übrigens mit Benjamin Bratt liiert) produziert sie Nichtigkeiten am laufenden Band und bekommt dafür immer noch die höchsten Gagen. Da kann doch mit dem System etwas nicht stimmen.
Die Story möchte nicht mehr als (flache) Unterhaltung bieten. Das bemerkt man auch an der Tatsache, dass der eigentliche Grund für die Teilnahme am Wettbewerb, die Bombendrohung, bald in weite Ferne rückt und nur noch sporadisch erwähnt wird. Irgendeinen Grund mussten die Schreiberlinge doch finden, um eine männlich wirkende Frau zu dieser Tortur zu zwingen. In Hollywood scheint man wirklich für die einfachen Ideen am begeistertsten zu sein. Ich empfehle Ihnen also, nicht in diesen Film zu gehen. Schauen sie sich lieber
Drop Dead Gorgeous mit
Denise Richards,
Kirsten Dunst und
Ellen Barkin an. Der handelt zwar auch von diesem Thema, traut sich aber viel mehr als dieses Machwerk des Bösen.
Fazit: Hollywood quält mich.