2050: Die Umweltzerstörung auf der Erde ist so weit fortgeschritten, dass nur noch die Kolonisation fremder Planeten als Überlebenschance für die Menschheit bleibt. Auf dem Mars wurde ein Terraforming-Projekt gestartet: Algen sollen eine Atmosphäre schaffen, die den Planeten bewohnbar macht. Doch aus unerklärlichen Gründen stellt sich kein Fortschritt mehr ein. Unter Leitung von Commander Kate Bowman (
Carrie-Anne Moss) wird eine Spezialmission zu Mars geschickt, bestehend aus Wissenschaftsoffizier Chantilas (
Terence Stamp), Genetiker Burchenal (
Tom Sizemore), Terraforming-Experten Pettengil (
Simon Baker), Co-Pilot Santen (Benjamin Brett) und dem Mädchen für alles, Ingenieur Gallagher (
Val Kilmer). Doch schon beim Anflug auf den Mars läuft alles schief: Wegen eines Sonnensturms, der das Mutterschiff zu zerstören droht, muss Commander Bowman zurückbleiben und das Shuttle mit den anderen stürzt unvorhergesehen ab. Verzweifelt versucht sich die Bodencrew zum Marshabitat durchzuschlagen - bei der Bruchlandung ist der Funkverkehr zum Schiff abgerissen und der mitgebrachte Spezialroboter läuft Amok und will die Crew töten. Währenddessen versucht Bowman das Schiff wieder unter Kontrolle zu bringen. Und auf der Oberfläche machen die Astronauten mysteriöse Entdeckungen...
"Schalten Sie den Autopiloten ab und booten Sie neu." Guter Plan - sollte man endlich auch mit dem kaputten Wortprozessor machen, der unzweifelhaft das wahre Geheimnis ist, das in Area 51 verborgen wird. Der schreibt nämlich in letzter Zeit die Dialoge für alle Marsfilme. Wo aber letzthin
Brian De Palma im melancholischen
Mission to Mars zumindest brillante Inszenierung gegen das schwachsinnige Skript setzte, bleibt Debütant
Antony Hoffman gerade mal kompetent. Etwas mühselig - wie die von Atemnot bedrohte Crew über die Planetenoberfläche - schleppt sich die Erzählung voran, um auf vorhersehbare Höhepunkte hinzusteuern. Ansehnlich bleibt das Ganze dank der exzellenten Arbeit von Kameramann Peter Suschitzky, der in aufregend monochromen Farbtönen prächtige Innen- und Außenräume souverän ausleuchtet, während die Schauspieler apathisch halbgare Sophistereien von sich geben. Terence Stamp salbadert dreißig Minuten lang Kindergeschwätz, das als Philosophie durchgehen soll, bevor er als erster in den Heldentod geht (böse Zungen meinen, man könnte ihn unter dem Helm noch die Worte "Jetzt aber her mit dem Scheck" formen sehen - aber Ätsch: in einer der besonders peinlichen Rückblenden zwingt man ihn noch etwas von dem Stein zu faseln, auf dessen Rückseite "Made by God" steht).
So funktioniert das mehr oder weniger auf Filmlänge: Einer nach dem anderen muss dran glauben, während eine gutaussehende Carrie-Anne Moss in einem gutaussehenden Schiff herumschwebt und dann schlaf- und hilflos zusieht, was mit den Mannen unten passiert. Die beißen nach und nach ins Gras und dazwischen plaudern sie Sentenzen wie "Menschen haben für die Freiheit sterben müssen, für Ideen", wo weit und breit keine solche in Sicht ist.
Gemächliche zwei Stunden lang überwiegt unfreiwillige Komik (Val Kilmer, ein Meister auf diesem Gebiet, der seine Rolle in
the doors offenbar noch immer nicht verwunden hat, leistet Abbuße, indem er immer wieder die Rolling Stones intoniert: "This is my 19th nervous breakdown" - wie sagt Bowman so schön in der Eröffnungssequenz "eigentlich nicht meine Idealbesetzung") und gelegentlich - mehr pflichtschuldig als aufregend – folgt eine angeblich überraschende Wendung, die die nächste Spannungssequenz herbei zwingt. Trotzdem ist
Red Planet für den Genrefreund durchaus ansehbar - ein typisches Produkt einer Ära, in der teure Produktionen B-Pictures aus den 50ern simulieren. Der Charme ist zwar teilweise verlorengegangen, weil man sich bei solchem Aufwand dann doch auch irgendwann erhoffen sollte, dass man nicht nur ins Set Design, sondern auch ins Drehbuch Mittel einfließen lassen könnte, aber man begnügt sich heutzutage eben - wie zum Beispiel letztes Jahr bei
Der Sturm oder
Gladiator - damit, alte Genres nachzustellen, ohne Neues hinzuzufügen außer verbesserter Special-Effects-Technologie. Hier wird das besonders pikant, wenn ein paar Kalte-Kriegs-Klischees aufleben oder die Schauspieler Sätze stammeln, die man eher in
Earth vs. The Flying Saucers vermuten würde, doch immerhin kann der bisherige Werbefilmer Hoffman beweisen, dass er sich genauso gut auf schicke Optik und Ideenarmut versteht wie abgefeierte Handwerker namens
Ridley Scott oder
Wolfgang Petersen.
Auch gut zum campy 50er-Ethos passen dann die aufgesetzt profunden Mauscheleien, die nur leere Worthülsen bleiben: "...da entdeckte ich die Philosophie, seither bin ich auf der Suche nach Gott" - so kann man sich auch
William Shatners Treatment für
Star Trek 5 - Am Rande des Universums vorstellen. Ein wenig bleibt alles hinter den Vorgängern zurück (der tödliche Roboter stammt aus Stanley Bakers
M.A.R.K. 13, und dass Commander Bowman hier eine Frau ist im Gegensatz zum
Kubricks 2001 hat wenig Einfluss auf den Film, außer dass man eine Liebesgeschichte draufpfropfen kann - vielleicht das typischste Beispiel für vergebene Chancen), aber es sieht gerade noch gut genug aus, um für Hardcore-SF-Fetischisten den Aufwand zu lohnen. Am Ende erfährt man dann übrigens doch nur, dass "Gottes Wege unergründlich sind", aber mit mehr hat man auch nicht gerechnet. Das ist ein bisschen so, wie wenn sich der Regisseur im Presseheft dafür auf die Schulter klopft, die exakten Lichtverhältnisse in Raumschiffen nachgestellt zu haben, aber technische Fehler und sinnlose Halbwissenschaftssprache trotzdem unvermeidlich bleiben - kein Wunder, dass immer wieder die Meldung kommt: "System Error - Shut Down." "Meinst du, es hat sich gelohnt?" fragt Bowman zum Schluss. Irgendwie schon - Schlussbilanz: Menschheit: 1 - Mars: 0, weniger wegen der Mission als dank einem Novum in der SF-Geschichte: "Wir pissen als erste auf dem Mars!"