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Chocolat
Vianne kommt in ein verschlafenes und zutiefst konservatives französisches Dorf und holt die Bewohner mit ihrer magischen Schokolade aus dem Alltag.


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Eine Kritik von Markus Steiger

Ein französisches Dorf mitten in der Provinz. Der Bürgermeister, genannt Comte de Reynaud (Alfred Molina), hat die Gemeinde voll in der Hand. Enthaltsamkeit steht auf der Tagesordnung, wobei manche mit mehr und manche mit weniger Eifer an die Sache herangehen. Der neue Pfarrer (Hugh O´Conor) zum Beispiel hätte für einen gewissen Elvis Presley schon etwas übrig, jedoch kann er gegen den alteingesessenen Bürgermeister nichts ausrichten, was sich schon daran zeigt, dass dieser die Sonntagspredigten des Geistlichen rezensiert. Caroline Claimont (Carrie Anne-Moss) dagegen ist die weibliche Ausgabe des Comte. Nach dem Tod ihres Mannes erzieht sie ihren Sohn im Zeichen des christlichen Glaubens. Deshalb lässt sie auch nicht dessen Großmutter (Judy Dench) an ihn heran, da sie um seinen Charakter fürchtet.

Aufregung kommt ins Dorf, als Vianne Rocher (Juliette Binoche) mit ihrer Tochter Anouk (Victoire Thivisol) im Dorf erscheint. Sie eröffnet ein Geschäft, in dem alte Schokoladespezialitäten angeboten werden, und das mitten in der Fastenzeit. Manche trauen sich aber dennoch von den Köstlichkeiten zu naschen und bemerken, dass diese ungewohnte Gefühle in ihnen erwecken. So spaltet sich das Dorf in zwei Lager. Die einen sind auf der Seite des Comte und die anderen schwelgen in den süßen Schokoladenträumen Viannes. Ein Konflikt scheint unausweichlich.

Kritik
Lasse Halström ist ein Spezialist für leicht schräge Romanverfilmungen. Schon Gilbert Grape und Gottes Werk und Teufels Beitrag handeln von etwas eigenartigen Menschen, die sich in eigenartigen Milieus befinden. Auch bei Chocolat ist das nicht anders. Nach dem Roman von Joanne Harris inszeniert er dieses Stück über Doppelmoral und die Vergeblichkeit der Enthaltsamkeit. Wie schon bei seine Vorgänger ist auch dieser Film für die verschiedensten Filmpreise nominiert. Ich jedoch finde, dass Chocolat nicht ganz hält, was er verspricht.

Ein französisches Dorf in der Nachkriegszeit bildet die Kulisse für diese Komödie, die mit etwas Drama angereichert ist. Anfangs wird man in die Dorfgewohnheiten eingewiesen, wozu auch der sonntägliche Kirchgang gehört. Der Comte (Alfred Molina) wacht über seine Schäfchen wie es schon seine Vorgänger getan haben. MM nach ist dieser Anfang etwas zu konfus und zu schnell. Es sieht fast so aus, als wollte Hallström im Schnelldurchlauf die Verhältnisse im Ort erklären, um dann sofort seine Heldin auftauchen zu lassen. Erst langsam findet Chocolat seinen Rhythmus, und das mit der besten Szene des Filmes. So wird bei einem Paar durch die Schokolade Viannes der Sextrieb ganz schön gesteigert und so besteigt der Mann seine Allerliebste, während sie mit dem Schrubber die Toilette bearbeitet.

In diesem Takt geht´s weiter. Langsam kehrt die magische Schokolade in den "sündigen" Dorfbewohnern das wahre "Ich" hervor. So wird aus der kleptomanischen und von ihrem Mann (Peter Stormare) verprügelten Josephine (Lena Olin) eine selbstbewusste Frau, die fortan für Vianne arbeitet. Die alte Amande (Judi Dench) erweckt mit der heißen Schokolade wieder ihre Lebensgeister und auch das Verhältnis zu ihrem Enkel. Dieser wird nämlich durch die gottesfürchtige Caroline (Carrie Anne-Moss) von ihr ferngehalten. All diese Vorgänge passieren recht schnell, sodass bald nur noch die Rivalität zwischen Vianne und dem Comte übrig bleibt. Da aber auch hier nicht viel passiert, tuckert der Film vor sich hin, ohne wirklich etwas Neues zu bringen. Eine kleine Abwechslung kommt mit dem Zigeuner Roux (Johnny Depp) ins Dorf. Natürlich verstärkt er noch die Erregung des Bürgermeister, da fahrendes Volk sowieso heidnisch lebt.

Doch auch hier bringt Hallström nicht den gewohnten Erzählschwung in seinen Film. Das liegt auch daran, dass man sich ein bisschen ärgert, dass englischsprachige Schauspieler Franzosen darstellen, was für mich einen Hauch von Rosamunde Pilcher-Verfilmung in das Ganze bringt. Dieser Effekt wird sich in der deutschen Synchronisation zwar relativieren, jedoch kann ich einfach nicht ganz darüber hinweg sehen.

Was dem Film jedoch eine sympathische Note gibt ist, dass alle konservativen Kräfte des Dorfes sich nach traumatischen Erlebnisse selbst die Enthaltsamkeit auferlegt haben. So hat sich die Frau des Comte nach Venedig verabschiedet, und ist der Mann von Caroline verstorben. Deshalb sind sie nicht wirklich Bösewichte im klassischen Sinn. Als solchen könnte man nur den Charakter des Serge (Peter Stormare) bezeichnen, der dauernd besoffen herumläuft und seine Frau verprügelt.

Auch zum Ende hin baut Chocolat keinerlei Höhepunkte auf. Plötzlich ändern alle ihre Meinung und sind gute Freunde. Das Dorf lebt auf und alle leben glücklich und zufrieden. Durch dieses Ende könnte man den Film am ehesten als Fabel bezeichnen, die den Menschen zeigen soll, dass man sein Leben in vollen Zügen genießen muss.

Man wird mich vielleicht nicht verstehen, aber ich halte Juliette Binoche für eine Fehlbesetzung. Sie bringt für mich nie die erfahrene und ruhige Frau herüber, die diese Rolle verlangt. Einmal ist sie verständnisvoll, dann wieder wild. Alfred Molina dagegen stellt den Comte mit einer ungeheuren Sympathie dar. Obwohl der "Bösewicht", fliegen eher ihm die Herzen der Zuschauer zu. Molina macht dies durch sein hervorragendes Mienenspiel möglich. Johnny Depp und Judi Dench geben eine gewohnt gute Leistung und auch Carrie Anne-Moss kann scheinbar nicht nur böse Agenten ( Matrix ) dreschen. Von der schauspielerischen Seite ist der Film bis auf Binoche und den englischen Franzosen eigentlich gut, die Inszenierung ist aber nicht immer flüssig und kontinuierlich.

FAZIT: Wahrscheinlich hätte Hallström selbst ein bisschen Schoko futtern sollen. Ansonsten solide Unterhaltung.