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Cecil B. DeMented
Hollywoodsatire von Altmeister John Waters. Eine Komödie, tragisch.


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Eine Kritik von Christoph Huber

Die Premiere des neuesten Films der Hollywood-Diva Honey Whitlock (Melanie Griffith) verläuft etwas anders als geplant: Der Festsaal wird gestürmt vom Kinoterroristen Cecil B. Demented (Stephen Dorff) und seinem ergebenen Trupp "Die Perforationslöcher ". Verzweifelt über das Ausbleiben von zahlenden Zuschauern in seiner Pasolini-Retrospektive schlägt der selbsternannte Retter des Independentfilms los gegen die Marketingmaschinerie Hollywoods: Gemeinsam mit seinem Trupp macht er echtes Cinema-Verité. Zusammen mit dem Aufmerksamkeit sichernden Star stürmen sie die Schauplätze des maroden Hollywoodkinos: Von der Produzentenversammlung über Multiplexe bis zu den Dreharbeiten von Gump Again - gnadenlos wird attackiert und gefilmt. Damit ziehen sich die zugedröhnten Aufständler aber nicht nur den Zorn des Establishments zu, sondern haben bald auch die Polizei auf den Fersen. Und so kommt es alsbald zu lebensgefährlichen Schusswechseln bei jedem neuen Happening, zwischen denen sich die schrulligen Kinorevolutionäre (vom Pornostar bis zum Muttersöhnchen) kaum noch in ihrer heruntergekommenen Bastion ausruhen können. Dennoch sind sie bereit bis zum letzten zu gehen - bis zum lauten Showdown im Autokino, wie einst in Targets...

Kritik
"Otto Preminger" prangt in Stechschrift auf dem Arm des Regisseurs Cecil B. Demented; sein Trupp steht ihm tätowierungsmäßig kaum nach: Rainer Werner Fassbinder, Sam Peckinpah, Pedro Almodovar, aber auch Kenneth Anger, William Castle und Herschell Gordon Lewis. Trash und Kunst, Pop und Kitsch, schwarzer Humor und Exploitation. John Waters, einst Herrgott des Trash-Kinos, seit den 80ern Mainstream-Regisseur mit Hang zur sanften Subversion, träumt sich zurück in seine Jugend. Jung sind sie alle, die Filmenthusiasten rund um den Titelhelden (Stephen Dorff), die den Hollywoodstar Honey Whitlock (Melanie Griffith) kidnappen, um noch einmal den Geist des unabhängigen Kinos auszurufen - bis in den Tod.
Und so folgt Cecil B. Demented der satirischen Variation des immergleichen Themas: Sein Trupp wildgewordener Independent-Anarchisten stürmt samt der anfangs widerwilligen, aber zunehmend begeisterten Diva einen offiziellen Anlass nach dem anderen, um die Wiedergeburt des reinen Kinos zu verkünden und das Manifest auch gleich zu filmen - die Folgen sind absehbar komisch, aber sie enden auch fast ausnahmslos im Kugelhagel. Die Corporate Culture und ihr unbarmherziger Rückschlag, die Waters hemmungslos attackiert, sind geradezu allmächtig - zugleich hat sie den Film erst ermöglicht. Unausweichlich muss man Waters´ Spätwerk mit dem vulgären Hollywoodausstoß vergleichen, der längst die tabubrecherischen Elemente seiner frühen Trash-Epen in den Mainstream integriert hat. Und so wirkt der in Würde gealterte Kitsch-Connaisseur dadurch mittlerweile selbst ein wenig wie ein Teil des Establishments: Die Vorliebe zu geschmacklosen Witzen und betont antiautoritärer Attitüde durchsetzt schon länger, bevorzugt im Bereich des Teenagerklamauks auch die Kassenfeger der jüngeren Generation.
Aber Waters´ Filme sind noch immer mit Herzblut geschrieben - und obwohl Cecil B. Demented gelegentlich nicht mehr als die saukomische Spielfilmversion eines wildgewordenen Anti-Hollywood-Fernsehsketchs nahelegt, ist er noch immer durch und durch ein Film seines Regisseurs. Das beginnt in den liebevoll gestalteten Sets und der wie immer zärtlich eingefangenen Heimatstadt des Regisseurs, Baltimore. Wie magische Orte seiner Kindheit dienen dort Pornokinos und Kung-Fu-Repertoirestätten als letzte Heimstatt der Filmliebhaber: Wenn wildgewordene Spießbürger der heldenhaft-lächerlichen Filmcrew auf den Fersen sind, bleiben nur die Besucher der abwegigen Spielstätten als letzte Rettungsinstanz. Waters´ Idee vom Kino ist eigentlich allumfassend, sein Hass gilt dem Ausverkauf. Dass sich dabei naheliegende Objekte wie Patch Adams - The Director´s Cut oder das Sequel zu Forrest Gump als Zielscheiben des Spotts anbieten, spricht weniger von der Verweichlichung eines ehemals wütenden Regisseurs, sondern vielmehr von der zunehmenden Nivellierung des amerikanischen Kinos: Das Übel muss bei der dämlichen Wurzel gepackt werden.
In diesem Sinne ist Cecil B. Demented, der als flotte Mainstreamkomödie locker das Niveau von Waters letzten Filmen hält, eigentlich das Dokument eines Scheiterns: Den anarchischen Underground, den er hochstilisiert, kann der Regisseur zwar selbst nicht mehr machen, aber vom Widerstand gegen ein Kino unter den reinen Gesichtspunkten von Gewinnmaximierung und Testmarketing will er auch als gemütlich-zynischer alter Sack nicht lassen. Uns so ist Cecil B. Demented, ein ruchlos komisches Popspektakel, das die Liebe zur Billigsdorferverehrung eines radikal persönlichen Kinos (was ja auch immer im Zentrum von Waters´ Werk stand) feiert, eigentlich eine Tragödie. Die kann heute nur mehr lächerlich sein, ein wenig wie der tolle Vorspann, dem dauernd der Bombastsound im Zeitlupen-Elektrorotz kaputtgeht, während naheliegend üble Sequeltitel die Markisen der ehemaligen Kinopaläste zieren. Einen davon stürmen dann alsbald die Kinoterroristen, wenn auch letztendlich umsonst. Das ist lustig, aber eigentlich auch so verzweifelt schön, dass man nur noch hemmungslos flennen möchte über diese kaputtgegangene Traumwelt.