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Komm, süßer Tod
Josef Hader als Krankenwagenfahrer in einem verzwickten Komplott: Erfreulicher Krimi von Wolfgang Murnberger, der durchaus international mithalten kann.


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Eine Kritik von Christoph Huber

Brenner (Josef Hader), Ex-Polizist, verdingt sich mittlerweile als Krankenwagenfahrer bei den Kreuzrettern. Gemeinsam mit seinem Partner, dem Zivi Berti (Simon Schwarz) muss er sich dabei so manch erbitterten Kampf um die Patienten mit dem verfeindeten Rettungsbund liefern. Das allein wäre Stress genug für Brenner, doch dann geschieht auch noch ein Mord. Kollege Hansi Munz (Reinhard Nowak) beobachtet gewohnheitsmäßig ein heißes Techtelmechtel zwischen Vorgesetzten, als sie durch einen Pistolenschuss gemeinsam zu Boden gestreckt werden. Berti will sich als Detektiv bewähren, aber Brenner gibt sich desinteressiert - bis die Affäre explodiert. Wie die Fliegen rafft es Fahrer und Patienten dahin, und Chef Junior (Michael Schönborn) hat Brenner auch plötzlich auf der Abschussliste. Da hilft auch das unverhoffte Wiedersehen mit Schulfreundin Klara (Barbara Rudnik) nichts - unversehens wird Brenner immer tiefer in die Sache hineingezogen. Die Tochter vom Kollegen Lanz (Nina Proll), eben noch mit dem schon verstorbenen Piefke Gross (Bernd Michael Lade) verbandelt, macht ihm auch Avancen und der Weg führt ihn bis in die Zentrale des Erzfeindes: Am Parkplatz des Rettungsbunds erwartet ihn eine Abreibung, die sich gewaschen hat. Aber wie zufällig stolpert er dabei auf immer mehr Hinweise über dunkle Machenschaften im Krieg der Krankenwägen und er macht sich auf zum Ex-Angestellten und nunmehrigen Pflegefall Jäger (Karl Markovics), der mehr zu wissen scheint, als er preisgibt.

Kritik
Sechs Jahre hat es gedauert (die Doku Attwengerfilm nicht mitgerechnet) bis Regisseur Wolfgang Murnberger nach seinem famosen Zweitling Ich gelobe wieder einen Film in die Kinos bringt. Der steht noch dazu unter schwerem Erwartungsdruck: Vorlage vom österreichischen Krimi-Star Wolf Haas, dessen Bücher ohnehin als unverfilmbar gelten, Kabarettist Josef Hader in der Hauptrolle und ein Ensemble bekannter Gesichter. "Wurscht", wie Brenner sagen würde, den Hader wieder mit feiner Charakterarbeit unter der griesgrämigen Oberfläche gibt (und sich damit nach dem Überfall nachdrücklich als einer der besten Schauspieler Österreichs empfiehlt) - Murnberger inszeniert mit flotter Schleißigkeit über solche Spekulationen hinweg - und das Warten hat sich gelohnt. Versuchen wir es mal im Tonfall Brenners zu beschreiben.
Obwohl, am Anfang, da muss man schon ein wenig fast an eine Österreich-Variante von Bringing Out The Dead - Nächte der Erinnerung denken, wie da das Blaulicht in Nahaufnahme surrt und sich die Rettungswagen im Raser-Einsatz trotz guter Grundsätze nicht um im Weg herumstehende Hunde kümmern können. "Burli!" schreit ihm die arme Großmutter noch nach, aber da kann man hat nix mehr machen (und das mit dem Scorsese ist auch schon wieder gegessen). Was passiert ist, ist passiert. Kein Wunder, dass dem Brenner seine Haare schon "friedhofsblond" sind, wie er selber sagt. Aber es passiert ja auch viel zu viel: Den Piefke hat ja jeder ein wenig seltsam gefunden, wenn ihm da zum Beispiel die Lanz Angelika (dauerbeschäftigt dieses Jahr und auf gewohntem Niveau: Nina Proll als Kantinenschlampe mit Herz) gleich vor allen andern den Unterschied zwischen Ziehen und Blasen vorgeführt hat. Aber als er dann tot im Wagen gelegen ist, wars auch wieder egal, obwohl natürlich ein wenig peinlich, weil man hätte ja die Klara, die Schulkollegin auf die der Brenner schon früher einen Stand gehabt hat, mit dem Wagen fahren wollen. Irgendwie hat mans dann hingebogen, wenn auch nicht ganz regelkonform, aber an die Regeln kann man sich eh nicht mehr halten, weil die vom Rettungsbund versuchen ja alles, um einem die Patienten wegzuschnappen. "Wos moch ma mit der Trage?" "De haumma in Grabn."
Keine ruhige Kugel mehr für den Brenner, keine Zeit sich die Spenderleber am Würstelstand reinzuziehen, ja manchmal kann er jetzt gar nicht am Abend eingraucht zum Jimi Hendrix Luftgitarre spielen in seiner Bude, wo das Zeug noch immer nicht aus den Kisten auspackt ist. Und schreckliche Sachen muss er ansehen, auch außer den Leichen. Verbandskästen, wo wirkliches Verbandszeug drinnen ist, zum Beispiel, und kein Schnaps. Das geht an die Substanz, selbst beim Brenner. Wo er eigentlich eh genug hat vom Schnaps, nachdem ihm die Kerle vom Rettungsbund genug Absolut für die nächsten drei Wochen intravenös gespritzt haben. Nur weil er sich vom Berti hat rüberschicken lassen. Aber es hat alles auch sein Gutes: So mitleiderregend hat der Brenner nach dreingeschaut, nachdem er die Prügel bezogen hat, dass er über Nacht bei der Klara hat bleiben dürfen. Schön hat das zwar nicht ausgeschaut - sie war recht unbeweglich mit ihrem Gipsbein und seine Wampen ist auch drübergehangen links und rechts, aber a Hetz wars schon. Da ist der Brenner fast ein wenig sentimental geworden nachher, was er sonst nie wird. Aber viel Zeit dafür ist auch wieder nicht geblieben. In der Rettungsbundzentrale ist er da nämlich doch auf ein paar Sachen draufgekommen, aber das wird dann alles noch recht kompliziert.
Und komplizierte Sachen mag der Brenner eigentlich nicht, denn wie er sagt: "Des is a fade Gschicht, und wos interessant geworden ist, war i schon bewusstlos." Aber keine Angst - für Komm, süßer Tod gilt das Gottseidank überhaupt nicht. Dem Langsamen, Misantrophischen und Liebenswerten seiner Hauptfigur, stellt er nämlich eine rasante Inszenierung gegenüber: Die schlenkert, wie oben schon angedeutet, recht viel in Nebenhandlungen herum und am Schluss ist nicht einmal ganz sicher, wer jetzt wirklich alle Morde begangen hat. Aber jeder trockene Schmäh sitzt, das Lokalkolorit ist schön getroffen, und die Figuren sind so gut gezeichnet, dass er nicht einmal mehr stört, wenn Reinhard Nowak wie ein Joesi Prokopetz-Verschnitt daherkommt. Und am Schluss kippt das Ganze überraschenderweise in eine richtige, spannende Verfolgungsjagd, die natürlich den Witz nicht aus den Augen verliert. Der hat Komm, süßer Tod schon davor zu einer runden Sache gemacht - und gemeinsam mit dem Der Überfall ist er der Beweis, dass intelligentes Kommerzkino in Österreich durchaus möglich ist, eben wenn man sich nicht schämt dafür wie Gerald Roths widerlicher Kaliber Deluxe, sondern wenn man das Ganze nur ernsthaft genug betreibt. Einen Krimi ernsthaft betreiben heißt natürlich schon seit Chandler und Hammett, dass man auch eine gesunde Prise Selbstironie darüber streut. Komm, süßer Tod hat genug davon für ein paar Filme - wo bleibt der nächste Brenner-Krimi?