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Heimkehr der Jäger
Schönes, absurdistisches Kunstkino aus Österreich: Ulrich Tukur rebelliert gegen die moderne Welt, vergeblich.


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Eine Kritik von Christoph Huber

Franz (Ulrich Tukur) arbeitet als Kopist im Wiener Kunsthistorischen Museum. Seine Beschäftigung mit berühmten Gemälden verschärft seine Sensibilität für Details in Alltagskonflikten. Der Greissler, bei dem er das Obst für seine Stilleben kauft, sperrt zu, und er wird in die feindselig wirkende Atmosphäre eines Supermarkts gezwungen, seine Strasse wird mit Werbeplakaten vollgepfropft, seine Ex-Frau hält ihn von seiner Tochter fern. Die zunehmenden Zeichen der Kapitalisierung und des Werteverlusts kompensiert Franz durch das Abgleiten in eine von Bildern inspirierte Fantasiewelt, bis er sich zur Wehr setzt. Anfänglich zielt seine Verteidigung gegen Kleinigkeiten, die seine Lebenswelt bedrohen (er fährt in einen Bus, der geparkt den Motor laufen lässt), doch schließlich rüstet er sich mit einem veralteten Gewehr aus dem Museum aus, und beginnt einen absurden Rachefeldzug, der die Behörden seine Verfolgung aufnehmen lässt. Gemeinsam mit einer Supermarktkassiererin, die er im Museum kennen gelernt hat (Julia Filimonow), flieht er aufs Land...

Kritik
Auch Michael Kreihsls zweiter Spielfilm (nach Charms Zwischenfälle) erzählt von einer absurd gewordenen Welt: Schon in der ersten Einstellung sehen wir die Kopie eines spanisches Stillebene (mit Apfel, Melone und Gurke) sowie die echten Früchte, die als Vorlage dafür dienen. Der Ort ist die Wohnung von Franz, dem Kopisten. Ulrich Tukur spielt Franz und kleidet dessen zunehmende Verwirrung in eine zurückhaltende Ungläubigkeit vor einer sich ändernden Welt - ein wortloses, abgekapseltes Staunen mit offenen Augen und reglosem Gesicht. In Borges´ Kurzgeschichte Pierre Menard, Autor des Don Quichotte berichtet der Erzähler von einem Freund, der Cervantes´ Roman Wort für Wort zu reproduzieren sucht und preist dessen identische Zeilen für ihre Überlegenheit. Lächerlich, gewiss, aber nicht ohne Reiz. Der Kopist muss sich gewissermaßen selbst auslöschen, um im zu reproduzierenden Werk zu verschwinden. Franz tut dies auch im wirklichen Leben.
Und das ist kein Wunder - Kreihls verdichtet sein Wien zu einer alptraumartigen, dabei ruhigen Welt böser Vignetten: Es kann schon vorkommen, dass ein ganzer Straßenzug aus dem Fenster schaut, sobald ihm der Protagonist den Rücken zuwendet oder dass der Schinken im Supermarkt eine geradezu dämonische Qualität bekommt (von der Tristesse der armseligen Gemüsefächer ganz zu schweigen) - in seiner ersten Stunde schwingt sich Heimkehr der Jäger zu einem famosen Alptraum der Absurdität auf, dem wenige Details genügen, um den Schrecken des Alltags bloßzustellen (auch darin dem Kopisten, der feinste Striche imitieren muss, ähnlich). Kreihsls sichere Hand verhindert dabei sowohl das Abgleiten ins allzu Lächerliche wie ins platt Dramatische: Die Heimkehr erfolgt entlang des schmalen Grats der verfremdeten Beunruhigung, die immer zu enden droht, wenn man sich selbst in den Arm zwickt.
Aber zum Erwachen kommt es nie (so man will, kann man auch darin Kreihsls Kommentar zum Stand der Dinge in Österreich sehen): Franzens Revolution geht in die Vergangenheit, in den Rückzug in eine Phantasiewelt. Er verschafft sich schon mal Zugang zur Waffensammlung des Kunsthistorischen Museums, um mit veraltetem Helm und Gewehr den Bau eines neuen Supermarktes zu verhindern und steckt nach alter Sitte den Hort des Bösen (eine recht unscheinbare Filiale) in Brand. Die Flucht vor der Welt geht schließlich ins Freie und der Protagonist verliert sich in den Bildwelten, die er zu malen suchte. Ein wenig auch der Film (trotz der Präsenz von Julia Filimonow. zweifellos eine Entdeckung), der nur noch über Umwege ins vorgezeichnete Ende steuert: Es gibt kein Verschwinden, nur die Vernichtung des störenden Rades im Getriebe. Das davor, die Vision eines Widerstandes, und sei er noch so hoffnungslos und anders, ist letztendlich, was zählt: Auch wenn der Gang ins Leere führt, schön dass ihn hierzulande überhaupt wer geht.