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Perfect Blue
Hübscher Manga im Gefolge von Hitchcock: Popsängerin zwischen Kapitalismuswahnsinn und Persönlichkeitsspaltung.


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Eine Kritik von Christoph Huber

Mima, Sängerin der japanischen Girlie-Band "Cham ", will eine ernsthafte Karriere einschlagen und Schauspielerin werden. Doch der Wechsel der Laufbahn stürzt sie in persönliche Verwirrung - die nicht zuletzt durch das Auftauchen einer Doppelgängerin gesteigert wird. Während sie auf die verstörend gutinformierten Internetseiten von Fans stößt, die ihre Rückkehr ins Musikbusiness fordern, kommt die Realität zunehmend ins Schwanken: Leben und Film werden ununterscheidbar und eine Mordserie auf Mimas spuren nimmt ihren Lauf...

Kritik
Wie ein Turbo-Power-Rangers-Auftritt wird zu Beginn ein Konzert von "Cham" gestartet. Auch wenn sich Perfect Blue als Manga auf die Spuren von De Palma und Hitchcock begibt, nimmt er alles nicht so ernst, dass er jemals ins Traumatische abgleiten würde. Stattdessen zeigt sich der Erstling von Satoshi Kon (der zuvor an Designs für Akira und Roujin Z mitarbeitete) als niedliche, wenn auch nicht unintelligente Version eines B-Film-Verwirrspiels. "Wenn Alfred Hitchcock mit Walt Disney zusammengearbeitet hätte, wäre Perfect Blue dabei herausgekommen", sagte ein enthusiasmierter Roger Corman nach Ansicht diese Films und man kann ihn verstehen. Zwar baut sich Perfect Blue rund um seinen hübschen Bubblegum-Soundtrack als allen Mangaerwartungen (blecherne Dialoge, gemäßigte Beschleunigung, schlenkernder Plot) gerecht werdende Fingerübung trotz seiner angenehm blickwinkelsprengenden Handlungssprünge, aber dahinter lauert doch ein abgründiger Blick auf die Vermarktungserscheinungen der Popkultur. Besessene Idolisierung, Persönlichkeitsnivellierung im Showgeschäft und eine grundlegend verwirrte Erfahrung der Glamourwelt formen den Boden dieses guten, aber nicht bahnbrechenden Psychothrilers.
Die größte Leistung von Perfect Blue besteht eher darin, Genreidiome aus Hitchcock-Filmen über die beschleunigten Bildflächen des Pop-Kinos in die Welt der Animation zu übertragen. Der Film schreitet dabei stets unterhaltsam voran, kann aber nicht ganz die Abhängigkeit von seinen Vorbildern verleugnen. Kein neuer Ghost in the shell also, der auch weiterhin als einziger Manga von hohem Bekanntheitsrad Genregrenzen erweitern konnte, aber eine durchwegs erfreuliche Angelegenheit an der Bruchstelle von Thriller, Geschlechterverwirrung und Fantasy, die nicht nur Genrefreunde ansprechen sollte. Der Titel bleibt trotzdem rätselhaft: Perfect Blue malt seine amüsante, kleine Welt eher in blassem Grün und Rot, der Farbe von Blut.