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The Kid
Bruce Willis als Imageberater, der sich als kleiner Junge wiedertrifft - und sich zu einem anderen Menschen wandelt. Klischierte Komödie von Jon Turteltaub.


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Eine Kritik von Christoph Huber

Russ Duritz (Bruce Willis) ist ein glatter, erfolgreicher Imageberater - durchtrainiert, gestresst, gewohnt mit jeder Situation umzugehen. Bis eines Tages der 8jährige Rusty (Spencer Breslin) vor ihm steht - Russ ist ratlos: Der Junge ist er selbst vor 31 Jahren, den eine wundersame Schicksalsmacht zu seinem zukünftigen Alter Ego geschickt hat. Zuerst glaubt Russ an Halluzinationen, doch als einmal auch seine treue Sekretärin Janet (Lily Tomlin) zugegen ist und ihm die Existenz des Buben bestätigt, sieht er sich gezwungen, mit dem Problem umzugehen. Nicht nur, dass sich der alte und der junge Rusty nicht ausstehen können, Russ muß auch noch den Kleinen als Klotz am Bein durch seinen engen Terminplan mitzuschleppen. Doch nicht nur Russ´ liebliche Kollegin Amy (Emily Mortimer) ist über den angeblichen "Neffen " entzückt - langsam wird dem Managertyp klar, dass der Kleine Seiten von ihm verkörpert, die er selbst als Karrierist längst abgelegt hat. Er beschließt sein, Leben umzukrempeln - und weiß, dass er sich dazu seiner eigenen Vergangenheit stellen muss: Mit Rusty macht er den Weg zurück in die 60er...

Kritik
Ein Rollbahnstreifen, hochbeschleunigt zu Kiffermusik? Ist der neue David Lynch schon heraußen? Weit gefehlt - bei Disney´s The Kid (um Verwechslungen mit Chaplins Klassiker vorzubeugen) handelt es sich um das neueste Machwerk des einschlägig vorbelasteten John Turtletaub. Der hat gelernt, dass man mit beschleunigter Kamera Stress andeuten kann. Also volle Kanne und dazu sagt Bruce Willis "I´m not stressed" - was für ein Lacher! Und dabei schlägt doch in des oberflächlich´ Businessmen geplagtem Körper ein gülden Herz: "The day we exploited innocent children for some crook with cashflow problems" verkündet Emily Mortimer (als love interest: blasser als blass) und schon wirft Bruce das inkriminierende Videoband weg, in dem er für einen korrupten Senator eine Kinderparty als Imagekorrektur gestellt hat. Ist schon alles gut? Noch nicht - zuerst beutet der Film selbst einmal gründlich Kinder aus.
Und in der Kategorie "niedlicher Dicker" ist man ja aus Hollywood einiges gewohnt - Spencer Breslin dürfte einige Augenroll- und "Knuddel mich"-Bewerbe gewonnen haben, um sich für die Rolle zu qualifizieren. Seine Funktion hier ist die des nervenden Platzhalters: Als eigenständige Person darf er nie erscheinen, weil das von seinem süßen Schleimgesicht ablenken könnte, als purer Handlungsantrieb bekommt er dann doch wieder zu viel Platz zum Niedlichsein (grosser Schauspieler ist er ohnehin noch nicht: Einmal wirft er ganz eindeutig mit Absicht etwas um, und es hätte eigentlich nach Ungeschick aussehen sollen). Als wäre diese Hemmung ansteckend, gilt das auch für den Rest des Ensembles - selbst Bruce Willis, dessen Kniff für Ironie eine Rolle wie diese leicht von der Hand gehen lassen sollte, wirkt unnötig steif: Ganz dem Image dieses Fertigprodukts entsprechend, hat man ihn seines Charmes beraubt. Allein Lily Tomlin als seine Sekretärin kann am Anfang durch wie weggeworfen abgelieferte Gags ("I should have worn my magic bra and panties") überzeugen, um selbst im Tränendrüsenfinale dran glauben zu müssen.
Das wollen wir hier natürlich nicht verraten: Wird aus dem glatten Yuppie wieder ein Mensch mit Herz und Moral werden? Der Film bezieht auf seine Art schon vorher anders Stellung: Eine wichtige Erinnerung besteht im Ausleben der Nahaufnahmen von Porsche und Flugzeug. Seine Ideologie findet The Kid nicht in der möglichen Rückwandlung zum vollständigen Menschen, sondern in den glänzenden Flächen der Inneneinrichtung und der Treffsicherheit des heimlich doch bewunderten Imageberaters (die Heiterkeit geht erst ganz zusammen, wenn ein am Anfang abfällig nebenher absolvierter Verbesserungsvorschlag am Schluß zum Erfolg führt). "That´s almost interesting", wie er sagt.
Eine Bemerkung für sich wert ist der Soundtrack von Marc Shaiman, der - ebenso wie die immer mal für einen "Yahoo!"-Effekt eingeschalteten Kamerabeschleunigungen - die Handlung in einen Tonteppich tränkt, der an die berüchtigte Musikuntermalung von komischen Stummfilmen im Fernsehen erinnert. Bedenkt man, dass er zuletzt South Park mitkomponierte, möchte man fast an einen subversiven Akt glauben. Fällt aber nicht ins Gewicht, wenn sich am Schluss alles zusammenfindet und trotz des Vorgefallenen schlicht verkündet "We´re okay." Mmmmmmmmkay.