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König der Fischer
Jack (Jeff Bridges)wird von Parry (Robin Williams) vor Schlägern gerettet. Dabei lässt er sich in die Welt des Obdachlosen ziehen.


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Eine Kritik von Markus Steiger

Für Jack (Jeff Bridges) läuft es schlecht. Seit er in seiner spätabendlichen Radiosendung einen Mann indirekt zum Amoklauf ermutigt hat, ist nichts mehr, wie es war. Dieser Mann ist seinem Rat nämlich gefolgt und hat in einem Restaurant um sich geschossen und dabei viele Menschen getötet. Seitdem irrt Jack nur noch halbbesoffen in den Straßen herum. Zuflucht hat er bei Anne (Mercedes Ruehl) gefunden, die einen Videoladen besitzt und Jack abgöttisch liebt. Der blockt aber jedes Mal ab, wenn es darum geht, über beider Zukunft zu reden.

Eines Tages wird Jack, wieder einmal besoffen, von Straßenschlägern angegriffen. Schon sein Ende sehend, kommt ihm der Bettler Parry (Robin Williams) zu Hilfe. Dieser wohnt in einem Keller eines Hauses und ist nicht ganz dicht, wirkt jedoch sympathisch. Dauernd faselt er etwas vom heiligen Gral und dass Jack auserwählt ist, ihn zu finden. Jack forscht nach und findet heraus, dass Parry einmal ein Professor war, jedoch durch den tragischen Tod seiner Frau aus der Bahn geworfen wurde. Sie war nämlich eines der Opfer, die bei dem Amoklauf ums Leben kamen. Von nun an versucht Jack, seine Schuld an Parry wieder gutzumachen, indem er ihm hilft, an Lydia (Amanda Plummer) heranzukommen, die er oft beobachtet und liebt. Damit beginnt eine lustige wie auch tragische Odyssee auf der Suche nach der Liebe und dem heiligen Gral.

Kritik
Terry Gilliam, einst ein Mitglied der legendären britischen Komikertruppe Monty Python, überrascht immer wieder mit genialen Werken, die sich weit über die Grenzen der Realität hinauswagen. Das bildgewaltige Werk Brazil, die postapokalyptische Vision von Twelve Monkeys und der schräge Humor von Time bandits sind Meilensteine in der Filmgeschichte. Sein letztes Werk, Fear and loathing in Las Vegas, stürzte dagegen etwas ab. Vielleicht lag das an der Unverfilmbarkeit des Stoffes. Mit König der Fischer wagte er sich ein zweites Mal an das Thema des heiligen Grals, denn schon in der Monty Python-Groteske Ritter der Kokosnuss führte Gilliam neben Terry Jones Regie.

Gilliam überträgt in König der Fischer die Gralssuche in das moderne New York. Dort nehmen die abgehalfterten Charaktere Parry und Jack die Ritterrollen ein. Dabei stellen sie keinesfalls die typischen Heros dar, wie sie Mel Gibson oder Richard Gere verkörpert haben. So ertrinkt Jack im Selbstmitleid, wehrt die Zukunftspläne seiner Freundin ab und betrinkt sich regelmäßig. Parry dagegen sieht kleine Männchen, zieht sich nackt im Park aus und verfolgt regelmäßig die schüchterne Lydia. Beide finden durch einen Zufall zusammen, welcher ihre Schicksale unwiderruflich miteinander verschmelzen lässt. Sie sind ein moderner Don Quixote und Sancho Pansa (mit der Ausnahme, dass hier Sancho die Visionen hat). Anfangs will Jack nur seinen schweren Fehler wiedergutmachen, sozusagen Buße tun. Jedoch wird im Laufe des Filmes aus dem Mitleid Jacks für Parry eine wirkliche Freundschaft.

Das Markenzeichen Gilliams ist wohl seine unverkennbare Bildsprache. Mehr noch als die Story bleiben einem die tollen Perspektiven und die surrealen Einfälle im Gedächtnis hängen. So schwebt die Kamera einmal an der Decke, um gleich darauf bei Dialogen ganz nah an den Gesichtern der Darsteller zu sein. Auch Brian De Palmas Markenzeichen, die schief hängende Kamera bei Dialogen, findet man bei Terry Gilliam immer wieder. Noch markanter ist jedoch die Symbolik mancher Szenen. Parry blockt seine Vergangenheit permanent ab. Er ist immer noch in einem posttraumatischem Schockzustand. Wenn er sich jedoch manchmal erinnern zu scheint, taucht plötzlich ein roter Ritter mit einem feuerspeienden Pferd auf. Dieser Ritter ist sozusagen die verbildlichte Blockade Parrys, mit der Vergangenheit fertig zu werden. Für mich zeigt das die Genialität Gilliams. Er ist ein Meister der Symbolik.
Ein zweites Beispiel ist die Szene, in der Parry auf Lydia in der Riesenhalle wartet. Als sie erscheint, beginnen plötzlich alle Leute Walzer zu tanzen. Das drückt die Freude und Verliebtheit Parrys besser aus als jedes gesprochene Wort.

Bei aller Ernsthaftigkeit des Themas schafft es Gilliam, aus dem Film eine Komödie zu machen, die nie die Grenzen zum Slapstick überschreitet. Alles geschieht mit einer ausgesprochenen Liebe zur Story. Der Humor trägt die gescheiterten Existenzen behutsam durch die Geschichte. So wirkt zum Beispiel die tragische Figur des Transvestiten (Michael Jeter) außerordentlich sympathisch und lebensfroh (außer in der ersten Szene). Er möchte gerne Broadwaystar sein und überbringt im Fummel an Lydia eine gesungene Grußbotschaft, welche zu den Höhepunkten des Filmes gehört. Gilliam zeigt jedoch nicht den lustigen Tramp, sondern Menschen, die einfach gescheitert sind und ihre Situation meistern müssen.

König der Fischer befasst sich nur am Anfang und am Ende effektiv mit dem Gral. Dazwischen geht es um Annes und Jacks Beziehung und um Parry, der Lydia erobern will. Jack gibt Anne immer wieder warm/kalt. Zuerst bewegt er sie mit ungewohnten Gefühlsregungen, um ihr gleich darauf zu sagen, dass er nicht mit ihr in eine neue Wohnung ziehen will, da er die Beziehung langsam angehen möchte. Jack hat Angst sich zu binden. Anne dagegen will unbedingt eine feste Beziehung in ihrem Leben, und sie liebt Jack über alles. Parry erobert Lydia schließlich, jedoch kommt ihm die unaufgearbeitete Vergangenheit in die Quere, was zu einem tragischen Unfall führt.

Der Gral hat in diesem Film nur eine Bewandtnis. Er ist das Gegenstück zum roten Ritter. Der Gral löst den Schock auf und besiegt die Blockade (also den Ritter). Parry kann von selbst die Geschehnisse nicht aufarbeiten, deshalb erspinnt er diese Geschichte, um durch das Finden des Grals die Erlösung zu erhalten. Hier spielt Gilliam wieder sehr stark mit der oben erwähnten Symbolik, die sich perfekt in die Erzählstruktur einfügt.

So gut die Story auch ist, und so toll die Bilder auch sind, König der Fischer verdankt seine hohe Qualität den herausragenden Schauspielerleistungen. Jeder der Darsteller hätte sich hier einen Oscar verdient. Jeff Bridges ist sowieso einer der besten Schauspieler Hollywoods. Er kann so ziemlich alles darstellen. Vom smarten Autoproduzenten Tucker bis zum coolsten Antihelden aller Zeiten "The Dude" Lebowski findet man so ziemlich jede Rolle in seinem Repertoire.
Die große Überraschung in König der Fischer ist für mich trotzdem Robin Williams. Warum er sich immer für diese Sonntagnachmittag-Familienschundfilme á la Hook oder Patch Adams hergibt, weiß keiner. Hier sieht man erst, welches Potential in ihm schlummert. Vielleicht sollte er seine Rollen ein bisschen schlauer auswählen und nicht immer springen, wenn Chris Columbus wieder einmal eine Komödienschmonzette (Der 200 Jahre Mann) drehen will.
Mercedes Ruehl und Amanda Plummer spielen ihre männlichen Kollegen fast an die Wand. Die eine als aufgedonnerte, selbstbewusste Tussy, die einen Videoladen führt und die andere als graue Büromaus, welche nicht einmal die Knödel in der chinesischen Suppe unter Kontrolle hat, geschweige denn ihr Leben. Besonders Ruehl beeindruckt mit der Performance ihres Lebens.

Fazit: Ein modernes Märchen, welches den Zuschauer in seinen Bann zieht und bis zum Ende nicht mehr loslässt. Und am Ende winkt der Gral.