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Final Destination
Der Tod kehrt zurück, um sich seine entgangene Beute zu holen - überraschend ernsthafter Teenie-Horror.


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Eine Kritik von Christoph Huber

Alex Browning (Devon Sawa) besteigt mit seiner Klasse das Flugzeug für eine Parisreise. Doch vor dem Start hat er eine Vision, in der er sieht, wie das Flugzeug explodiert. In Panik verläßt er den Flieger, wobei ihm ausser der Lehrerin (Kirsten Cloke) noch ein paar seiner Schulkollegen (Ali Larter, Kerr Smith, Seann William Scott) folgen. Die sind eben noch stocksauer wegen seines Aussetzers - da explodiert das Flugzeug wirklich. Doch die Erholungszeit nach dem Schock ist kurz bemessen; schon bald beginnen die Überlebenden, der Reihe nach auf mysteriöse Weise ums Leben zu kommen. Alex ahnt, dass der Tod gekommen ist, um die ihm entgangene Beute zu holen - und versucht verzweifelt, einen Plan zu finden, der weitere Unglücksfälle vermeiden kann...

Kritik
Nachdem sich der Teenslasherfilm mit Scream 3 vermutlich endgültig ins parodistische Aus gespielt hat, kommt die Debütarbeit des Fernsehregisseurs James Wong (Akte X, Millenium) wie der sprichwörtliche Tropfen auf dem heissen Stein. Was ihn von den zahlreichen anderen Imitaten der Wes Craven-Kevin Williamson-Erfolgsformel unterscheidet, ist nicht nur eine wohltuende Ernsthaftigkeit im Ton, sondern auch eine Änderung des Konzepts. In Final Destination geht kein maskierter Killer um, der sich auf umständliche Weise als einer der unverdächtigen Verdächtigen entpuppt - hier schlägt der Tod persönlich zu.

Das tut er aber nicht in der Form des finsteren Sensenmannes - die Morde in Final Destination sind allesamt (im Nachhinein) absurden Unfällen zum Verwechseln ähnlich - der Ablauf der Entleibungen erfolgt in Form von komplizierten Versuchsanordnungen. Ein Stromschlag, laufendes Wasser, verschütteter Wodka: In diesem Film werden alltägliche Dinge zum Auslöser von minutiös geplanten, überdreht choreographierten Verkettungen von möglichen Todesmustern, die an die abstrakt-wahnwitzigen Maschinerien nach Rube Goldberg erinnern. Wie es ihm Detail aussieht, sei hier nicht verraten - ein Gutteil des Vergnügens von Final Destination besteht in der Ungewißheit, wie sich aus harmlosen Ereignissen in wildwuchernder Phantasie (tatsächlich würden sie ohne die düstere Grundstimmung des Films vermutlich komisch wirken) plötzliche Hinrichtungsmomente zusammensetzen.

Was nicht heissen soll, dass Final Destination frei von Ironie ist - Regisseur Wong ist es allerdings gelungen mit seinem Erstling zumindest annähernd eine Vorstellung davon zu geben, wie die düstersten und in ihrer Spekulativität eindrucksvollsten Momente im derzeitigen Science-Fiction-TV aussehen. Der Flugzeugcrash zu Anfang legt einen schwarzen Schatten über den Film, der den Witz erstickt (glücklicherweise ersparen uns die Macher auch den ansonsten so beliebten "schlauen Teenagerdialog", obwohl das Skript nicht frei von schlechten Zeilen ist) - hier wird hervorragend aus der Flugangst des Publikums ein worst case scenario gebastelt, dessen Nachklang auch den absurderen Momenten des Films eine Resonanz gibt. Und so kann man einfach darüber hinwegsehen, dass man sich einmal mehr den mittlerweile schon lange nicht mehr lustigen Scherz erlaubt hat, die Hauptfiguren nach berühmten Horrorregisseuren und - darstellern zu benennen (selbst Hitchcock und Murnau müssen herhalten) oder dass Candyman Tony Todd einen Gastauftritt hat, der im Film überhaupt keinen Sinn macht (er erklärt dem Hauptdarsteller, was der ohnehin schon selbst herausgefunden hat) - ausser demjenigen, dass es sicher hip wäre, den Candyman auf einen Gastauftritt vorbeischauen zu lassen.

Ansonsten gibt es an Final Destination nicht viel auszusetzen - zwar will der Film nicht mehr sein als ein weiteres Vehikel in einem profitablen Genre, aber hier wird wenigstens mit grundlegend metaphysischem Horror spekuliert und nicht die übliche Slasher-Karte gespielt; damit schenkt man sich auch die Klischees und die Langeweile, die jeden anderen Scream-Nachfolger umgeben haben (und die demnächst in Scary Movie endgültig zu Grabe getragen werden). Auch wenn am Ende etwa der ironische Witz (immerhin mit Bosheit) zurückschlägt auch wenn die Charaktere eher flach bleiben und die Schauspieler nicht mehr als adäquat sind - zumindest hat man sich um ein Abweichen von der Routineformel bemüht, die es endlich wieder eine Freude und keine Qual werden lassen, wenn man sich durch die Standardsituationen des Genres bewegt; und das in einer Form, die der Quadratur des Kreises nahe kommt.


Fazit: Eine willkommene Abwechslung vom Slasher-Einerlei. Weitgehend frei von Selbstironie und durch einen überzeugend durchgehaltenen finsteren Tonfall ist Final Destination der erste Film im Scream-Gefolge, dem es gelingt, sich vom Vorbild einigermassen abzusetzen.