Paul Edgecomb (
Tom Hanks) ist Gefängniswärter. Zusammen mit seinen Kollegen Brutus Howell (
David Morse) und Dean Stanton (
Barry Pepper) kümmert er sich um den Trakt, in dem die zum Tode verurteilten Häftlinge untergebracht sind. Mit von der Partie ist auch der Wärter Percy Wetmore (
Doug Hutchison), der in seinem Job seinen kranken Sadismus auslebt. Eines Tages erhalten die Männer einen neuen Todeskandidaten. John Coffey (
Michael Clarke Duncan) ist ein Riese von einem Mann, der zwei kleine Mädchen umgebracht haben soll. Langsam beginnt Edgecomb an der Schuld des Neuankömmlings zu zweifeln, da sein Verhalten überhaupt nicht dem eines Kindermörders entspricht. Er hat nämlich Angst im Dunkeln. Völlig überzeugt wird Edgecomb, als Coffin ihn berührt und sein langwieriges Prostataproblem heilt. Anscheinend kann John Coffin die Krankheiten der Menschen absorbieren und in die Luft weiterleiten. Nun versucht der Wärter, das Leben des Häftlings zu retten, muss jedoch gegen das Gesetz und den bösen Percy Wetmore ankämpfen.
Frank Darabont verfilmte mit The Green Mile schon zum zweiten Mal einen
Stephen King-Roman, welcher wieder in einem Gefängnis spielt. Dieser Film war auch in unseren Landen sehr populär, da er mit Tom Hanks ein prominentes Zugpferd hatte. Darabont benutzte diesmal eine Geschichte, die im Gegensatz zu
Die Verurteilten nicht ohne Phantasieelemente auskommt.
Wie schneidet dieser Film also im Gegensatz zu seinem Vorgänger ab? Ich finde, dass er um einige Klassen schwächer ist, und das hat nichts mit Darabonts Handwerk zu tun. Die Bilder von
David Tattersall sind gestochen scharf und an Perfektion nicht zu überbieten. Auch den Szenen selbst scheint es an nichts zu mangeln. Wo schleichen sich also die Fehler ein?
Das erste Problem ist die Länge des Filmes. Wer kann schon über drei Stunden in einem Kinosessel sitzen, ohne seine Backen nachher nicht mehr zu spüren? Am Ende konzentriert man sich schon mehr auf seine Sitzposition als auf den Film. Auch die Story scheint künstlich in die Länge gezogen zu sein. Knastalltag und private Probleme sind ja ganz toll, jedoch kann man sich das nicht hundertmal hintereinander anschauen. Verschiedene Nebenhandlungen scheinen nicht die Story selbst voranzutreiben, sondern nur die Zeit zum Showdown zu überbrücken. Dabei sind eben diese Nebenhandlungen interessanter, als die Haupthandlung selbst.
Die Geschichte verliert nämlich an Spannung, sobald man weiß, wozu Coffey in der Lage ist. Seine Heulerei und seine kitschigen Heilungen (besonders bei der Direktorsfrau) stören mit der Zeit sogar ein bisschen. Das liegt auch an der weinerlich nervigen Art, die Michael Clarke Duncan seiner Figur verleiht. Spannung kommt nur auf, wenn Percy die Bühne betritt. Selten hat man gegen einen Filmfigur eine derartige Aggression entwickelt wie gegen ihn. Besonders im Englischen gibt Hutchinson seiner Rolle einen leichten Südstaaten-Touch mit einer Prise Arroganz und Schwülstigkeit. Damit trifft er seine Figur ganz genau.
Somit gehört dieser Film ausschließlich Doug Hutchinson als sadistischer Wärter. In seinen Augen spiegelt sich das pure Böse wieder. Ihm nimmt man die Rolle des Mannes, der einen Häftling (Michael Jeter) gnadenlos durch Nichtbefolgen der Anweisungen zu Tode quält, sofort ab. Auch der zweite Bösewicht, der durchgedrehte Wild Bill (Sam Rockwell) besticht durch seine wahnsinnigen Aktionen, welche nicht nur schockierend, sondern auch amüsant sind. Er ist die zweite schillernde Figur des Filmes. Hanks, Morse und Pepper spielen brav ihre Rollen herunter, wobei sie nie wirklich glänzen. Warum Michael Clarke Duncan für diese Rolle für den Nebenrollen-Oscar nominiert wurde, ist mir bis heute nicht klar.
Fazit: The Green Mile ist ein wahrhaftig langer Film. Zu lang, um wirklich gut zu sein.