Die Rückwärtsbewegung als Racheakt. Spieldesignerin Allegra Geller (sehr gut:
Jennifer Jason Leigh) präsentiert in einer quasivirtuellen Zukunft ihr neues Opus
eXistenZ, doch die Gruppe der "Realisten " hat sie auf die Todesliste gesetzt. Vom völligen Verschwimmen zwischen Realität und Fantasie in der folgenden Flucht erzählt dieser Film (manche Charaktere in der Spielewelt sind dazu verdammt, solange denselben Satz zu wiederholen, bis die "richtige " Antwort kommt) - und ist ein typisches Werk Cronebergs im kalten Erzählton und der elliptischen Struktur und ein völlig atypisches als Slapstick-Inversion seines bisherigen Schaffen. Eine schwarze Science-Fiction-Komödie als angewandte Hollywoodkritik: Vom cleveren, teilweise absichtlich
cheesy an die Achtziger angelehnten Design (das sich ebenso als unnötig teurere Variante von
Videodrome zu erkennen gibt, wie der Stehsatz "Death To The Demoness Allegra Geller! " die parodistische Variante von "Long Live The New Flesh! " ist) über eine bewusst gegen Identifikation ausgelegte Adaption des "Virtual Reality "-Konzepts (im Jahr, als ihm die
Matrix zum endgültigen Mainstreamdurchbruch verhalf) bis zu den überdrehten Nebenfiguren (herausragend: Don McKellar) ist dieser Film die Rache des Kanadiers an dem, was Hollywood von seinem komplexen Werk in einfachste Nenner übersetzt hat. Nicht zufällig wollen alle nur das Pod (ein schleimig-schöner Fleischbatzen, der das Einsteigen in die virtuelle Welt ermöglicht) an sich bringen und nicht die Ideen, die darin stecken, oder gar den Geist dahinter - diese Art des Umgangs mit kreativem Input ist Major Studios nicht fremd.