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Der Junggeselle
Chris O´Donnel muß heiraten, um eine Erbschaft zu bekommen - großteils annehmbares Remake eines Buster-Keaton-Klassikers.


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Eine Kritik von Christoph Huber

Jimmie Shannon (Chris O´Donnell) ist überzeugter Junggeselle und wechselt Frauen wie andere Unterwäsche - bis er die entzückende Anne (Reneé Zellweger) kennenlernt. Drei Jahre verbringt er an ihrer Seite, bis er sich zu einem Heiratsantrag durchringt - und ihn total verbockt. Verschärft wird diese Situation dadurch, daß Jimmies Großvater (Peter Ustinov) soeben verstorben ist, und ihm ein Erbe von 100 Millionen Dollar vermacht hat, allerdings nur unter der Bedingung, daß er bis zu seinem 30. Geburtstag heiratet. Jetzt wird die Sache eng - der Geburtstag ist in weniger als zwei Tagen. Nachdem Jimmie einen zweiten Heiratsantrag auch nicht viel besser vorgebracht hat als den ersten, und sich Anne außer Landes begibt, steht er vor einer schwierigen Entscheidung. Gemeinsam mit seinen Beratern Gluckman (Edward Asner) und O´Dell (Hal Holbrook) klappert er mit einem Priester (James Cromwell) im Schlepptau seine Verflossenen ab, um doch eine zur Heirat zu überreden - ohne Erfolg. Die Krise spitzt sich zu: Jimmie wird zunehmends klar, daß er eigentlich nur Anne heiraten will. Gleichzeitig steht allerdings seine Billardfirma vor dem Aus, wenn er nicht auf das Erbe seines Großvaters eingeht. In einer Nacht- und Nebelaktion beschließt sein (von der Entlassung bedrohter) Freund Marco (Artie Lange), ein Zeitungsinserat aufzugeben - mit überwältigenden Folgen.

Kritik
Wer Buster Keatons Stummfilmkomödie Seven Chances gesehen hat, der kann unmöglich sein irrwitziges Ende vergessen haben: Buster, der Komiker mit der steinernen Miene, gehetzt durch die Stadt von einem Trupp heiratswilliger Frauen, saust einen Abhang hinunter, während links und rechts von ihm gigantische Steinbrocken mitrollen. Der Film mag nicht zu den größten unter Keatons Werken gehören, der Showdown allein ist jedoch eine Klasse für sich. Vielleicht hat das die scheinbar notorisch von Stoffmangel geplagten Menschen in Hollywood (was sonst sollte man aus dem derzeitigen Remakewahn folgern?) auf die Idee gebracht, diesen Film für eine Neuauflage auszuwählen. Sicher gegangen ist man jedenfalls insofern, als Der Junggeselle nichts von der frenetischen Bewegung des Originals spüren läßt, sondern einfach eine belanglose Mainstreamkomödie für den Sommer sein will.

Die beginnt übrigens recht fetzig - binnen weniger Minuten werden hier Jahre durchmessen und der Charakter des Jimmie wird eingeführt. Der besingt die Freiheit des Junggesellen in höchsten Tönen: Wie die Mustangs, die über die Prärie galoppieren, sei der freie Mann, bevor ihn das Lasso in Gestalt der Ehe einfängt - und ebendas kriegt man auch bildlich zu sehen. Chris "Leerstelle" O´Donnell erweist sich dabei als gar nicht so übel gewählt: Sein flaches Schauspiel ergänzt sich gut mit der oberflächlichen Sicht der Charaktere und erinnert in seiner Beschränktheit manchmal durchaus an eine reduzierte Jungstarversion von Keatons großem Nicht-Spiel. Weniger Glück haben da die anderen: Weil in diesem Film alles schön vorangehen muß, alles auf das Happy-End zusteuert, verkommen da einige aus der nicht üblen Nebendarstellerriege zu Lückenbüßern. Veteran Hal Holbrook etwa hat wenig zu tun, außer gelegentlich ein bißchen unnützes Beiwerk zum Handlungsfortgang beizusteuern, und James Cromwell zwar einen schlichtweg großartigen Erstauftritt, dafür danach aber umso weniger zu tun. Noch schlechter sieht es für die Frauen aus: Die entsprechen nämlich wirklich alle Jimmies Beginnbehauptung, daß sie nur schauen, unter die Haube zu kommen (und reduzieren damit die Behauptung des Films, etwas über Liebesbeziehungen auszusagen, ins Nichts): Glücklicherweise hat man mit Renée Zellweger eine der begabtesten Jungdarstellerinen Hollywoods gefunden, und sie stattet ihren schwach geschriebenen Part mit subtiler Ironie aus: Des Öfteren nimmt sie ihr Spiel zurück, um eine feine Parodie ihres Gegenübers abzuliefern - wie schon in Jerry Maguire glänzt sie dabei in der Art zurückhaltender Komödiantinnen, die selber nicht lustig sein müssen, um die Szene lustig erscheinen zu lassen. Andersrum gehen die zwei anderen hochkomischen Schauspieler in diesem Film vor: Ausgerechnet Brooke Shields gibt die einzig nicht heiratswütige Frau, und sie gibt sie als großartig steife Parodie der Überheblichkeit, und Peter Ustinov als schrulliger Großvater greift schon mal einfach nebenher zum Megaphon und brüllt hinein "Pflanz Dich Fort!"

Ähnlich direkt wird es dann leider gegen Schluß des Films: Hatte er bisher seinen leicht herabwürdigenden Ton mit genug Tempo und Witz ausgebessert, um das Fehlen von Charakterisierung zu verbergen, geht das Finale leider arg sentimental in die Vollen. War davor nämlich gerade sympathisch, daß man sich von Keatons Original entfernte, um eine zwar bedenkliche, aber amüsante Mainstreamkomödie zu produzieren, so dürften die Produzenten dann doch von der Aussicht überwältigt worden sein, das Finale abzukupfern. Das geht leider gründlich schief - das Wahnsinnsmoment des von hunderten Bräuten durch die Stadt gejagten O´Donnell wird zu kurz abgefertigt, um auch nur irgendwie an das mitreißende Tempo des Originals zu kommen, die Szene, in der die Weißgekleideten eingeführt werden und mit O´Donnell in der Kirche über seine Heiratsgründe eine absurde Streiterei vom Zaun brechen, verkommt recht schnell zur Freakshow, und am Schluß stürzt man sich kopfüber ins Glück, denn etwas anderes kann sich dieser Film gar nicht vorstellen, auch wenn er lange so tut, als sei es möglich.


Fazit: Über große Strecken witzige Hollywoodkomödie, die am Ende allerdings von ihren eigenen primitiven Untertönen überwältigt wird und dies durch emotionalen Bombast zu überdecken sucht. Bei allem Unterhaltungswert: Zwiespältige Sache.