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Vernetzt - Johnny Mnemonic
Johnny transportiert Dateien, aber nicht auf Diskette oder Festplatte sondern in seinem Gehirn. Beim letzten Job überlädt er sich und hat nur 24 Stunden Zeit um die Daten wieder los zu werden. Leider ist die Ware auch noch geklaut, die Yakuza auf seiner Spur um sich seinen Kopf zu holen und der Code zum Entladen unvollständig. Wem kann er noch vertrauen?


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Eine Kritik von Ingo Brune

In einer total vernetzten Welt, ungefähr 200 Jahre in der Zukunft, bieten nur Datenschmuggler wie Johnny die gewünschte Sicherheit für ihre Auftraggeber, sie benutzen dazu ihr Gehirn als Transportmedium. Doch obwohl er schon einen Doppler benutzt, reicht sein Fassungsvermögen eigentlich nicht für den Job, den sein Vermittler ihm besorgt hat. Dennoch geht er das enorme Risiko ein. Aber kaum, daß er die Dateien geladen hat, erscheinen die Yakuza, töten seine Auftraggeber und der wichtige Code zum Entladen wird dabei leider verstümmelt. Johnny kann entkommen und fliegt nach Newark, dem Ort, an dem er seine Daten loswerden muß. Ihm ist klar, dass er sterben wird, sollte er nicht innerhalb von 24 Stunden die Daten loswerden. Ralfi, der den Job angeleiert hat, lockt ihn in eine tödliche Falle. Die Gangster wollen seinen Kopf auf Eis legen um kein Risiko einzugehen. Mit Hilfe einer cybernetisch verbesserten Leibwächterin und eines Arztes macht Jonny sich auf seinen Kopf zu retten.

Kritik
Schon in den Anfangszenen wird klar, die Welt der Zukunft wie Gibson sie in seinem Drehbuch entwirft, ist keine heile Welt wie sie z. B. in den Star Trek Filmen präsentiert wird. Mächtige Konzerne beherrschen die Erde, das Geld regiert ganz offensichtlich. Es ist ein Science Fiction Film ohne Raumschiffe und Reisen in ferne Sonnensysteme. Die Menschen sind mit Maschinen quasi verschmolzen. Gehirnimplantate, die Daten aufnehmen können, Leibwächter, die mit technischen Spielereien "getunt" sind und zu guter Letzt ein Bewußtsein, das in eine Maschine überspielt wurde, sind die extrapolierten wissenschaftlichen Zutaten dieser Fiction. Von dieser Erde gibt es keine Fluchtmöglichkeiten wie in Blade Runner, keine Kolonien zu denen man aufbrechen kann. Somit ist diese Welt noch um vieles trostloser als die Visionen eines Philip K. Dick. Spinnt man den Faden weiter landet man in letzter Konsequenz bei den Menschmaschinewesen eines H. R. Giger oder den Borg aus dem Star Trek Universum. Die visuelle Umsetzung der Werke von Gibson ist dem Regisseur in Ansätzen ganz gut gelungen. Besonders die Sequenzen, die in der virtuellen Realität der Computernetzwerke spielen, sind fast deckungsgleich mit der literarischen Vorlage. Auch gibt es keine groben Schnitzer die Logik oder wissenschaftliche Fakten betreffend wie leider so oft bei Science Fiction Filmen. Es gibt auch keine Längen zu bemäkeln, relativ flüssig wird die Geschichte abgespult. Das kann man dem Film zugute halten. Traurigerweise fehlt aber eine der wichtigsten Zutaten die einen guten Film, der nach diesem Muster gestrickt ist, ausmachen sollte: Das Element der Spannung! Die Vorgaben sind ja eindeutig und hinlänglich aus anderen Filmen bekannt: Ein Mann hat noch 24 Stunden Zeit bevor ein Faktum eintritt, das seinen Tod hervorrufen wird. Geradezu klassisch und wahrlich schlecht geklaut in diesem Fall. Da hat John Carpenter mit seiner Figur Snake Plissken in "Die Klapperschlange" eindeutig bessere Arbeit geleistet.
Robert Longo schafft es einfach nicht, eine dem Set und der Story angemessene Atmosphäre zu erzeugen. Das ist der zweite große Fehler dieses Werks. Die innerhalb der virtuellen Welt spielenden Special Effects sind so auch schon in "Der Rasenmähermann" zu sehen gewesen und zugegeben wirklich gut, aber es fehlt dem ganzen Projekt das gewisse Etwas. Science Fiction Fans verbinden mit dem Begriff "Sense of Wonder" eine ganze Menge und sicher gibt es Filme in diesem Genre die dieses Feeling erzeugen können. Johnny Mnemonic gehört leider nicht dazu. Hinzu kommt das fast völlige Fehlen von Humor, der Film nimmt sich viel zu wichtig und ich habe nur eine einzige Stelle gefunden, die im Ansatz etwas humorvoll ausgefallen ist. In dieser Szene fällt als kurioser Abschluß ein Käfer vom Himmel und explodiert.
Johnny Mnemonic hätte der Hit werden können, der Matrix letztendlich geworden ist. An den Akteuren lag es sicherlich nicht. Keanu Reeves als Jonny agiert recht sparsam, aber insgesamt doch überzeugend in seinem Spiel. Überraschend gut gefällt mir Dolph Lundgren in den kurzen Sequenzen als wahnsinniger Killerprediger Carl. Ice - T ist gewohnt cool und wie so oft "Chief of Underdogs". Erfrischend kernig in ihrem Debüt wie auch in Starship Troopers: Dina Meyer als cybergetunte Streetfighterin. Natürlich darf man den Bösewicht vom Dienst Udo Kier alias Ralfi, der Vermittler nicht unterschlagen. Wie immer ein Paradebeispiel für Dekadenz.
Womit ein weiterer Kritikpunkt ins Spiel kommt. Der Film ist ja nur in einer 18er Fassung erhältlich und zwar zu recht. Die meiner Meinung nach unnötig harte Gewaltdarstellung tut dem Film nicht gut. Köpfe rollen, einer Frau wird ein Armbrustpfeil in den Mund geschossen und ein Protagonist wird gar in zwei Teile gespalten. Anstatt auf die Geschichte zu setzen, wird vordergründig mit viel Action und Brutalität gearbeitet. Das ist schade, hat doch die Story einiges zu bieten. Man denke nur an die viel zu kurz gekommene Idee der K.I. (künstliche Intelligenz; im englischen Original auch "a.i." = artificial intelligence). Auch kommt der im Vorspann so groß herausgestellte Konflikt zwischen den Loteks und den Yakuza nicht wirklich zur Geltung. Der Zuschauer sieht eigentlich nur einen verzweifelten Mann, der auf der Flucht vor den japanischen Gangstern ist und zu den Loteks flüchtet. Keine Spur aber - abgesehen von Johnny vielleicht - von den Hackern und Konsolencowboys, welche die Werke von Gibson so zahlreich bevölkern. Wer die Bücher nicht kennt, ist mit den raren Erklärungen, die der Film bietet, zuweilen echt überfordert und erlebt eine Abfolge von Special Effects am Fließband, wie es so oft in den letzten Jahren bei Hollywoods Großprojekten üblich ist. Die schon lange vorhandene Rivalität der beiden Gruppen und die Übermacht der Konzerne wird einfach nicht deutlich genug herausgestellt. Auch eine wirklich genial tragische Figur Gibsons ist in diesem Werk nur zu einer weiteren Spielerei verkommen. Jones (erst Film anschauen) ist für Eingeweihte weit mehr als nur ein interessanter Effekt. Ansatzweise gibt es aber sogar manchmal aufschlußreiche Dialoge so zum Beispiel in Spiders (Henry Rollins) Praxis und der Klinik des NAS-Widerstands.
Bei all der berechtigten Kritik die zum größten Teil auf der Enttäuschung über die fehlende Spannung fußt, ist aber festzuhalten, daß der Film allemal besser ist als solch unerträgliche Pseudo-Science-Fiction-Filme wie ID4 - Independence Day, in dem anscheinend von der science nichts und von der fiction nur der unlogische Teil verwendet wurde! Wer die Neuromancer-Trilogie und die Short Stories von Gibson kennt, wird zwangsläufig über das Ergebnis dieser Verfilmung wenig erfreut sein. Es war aber zu erwarten das ein in Hollywood produzierter Film niemals die unterschwellige Anarchie der Bücher, geschweige den fesselnden Erzählstil auf die Leinwand bringen würde.
Fazit: Ein guter Science Fiction Film, der leicht trashig angehaucht ist, aber für Fans von Gibsons Literatur eine leichte Enttäuschung sein dürfte, insgesamt gesehen aber mehr als nur Unterhaltung bietet und auch Action-Freunde bedient. Für Science Fiction Enthusiasten eine klare Empfehlung !