Der in Ithaca, N.Y., studierende Smart Guy Josh (
Breckin Meyer) führt eine Distanzbeziehung mit seiner Freundin Tiffanny (
Rachel Blanchard), deren Arbeitsplatz wiederum der Campus in Austin, Texas, ist. Obwohl sich beide geschworen haben, treu zu sein, unterliegt Josh, aufgestachelt durch seinen Kumpel E.L. (
Seann William Scott), den Reizen der smarten Blondine Beth (
Amy Smart). Letzere hat schon die längste Zeit nicht nur ein Auge auf Josh geworfen und nützt ihre Chance bei einer Collegeparty: Sie verführt ihren Traummann, wobei der Liebesakt auch noch mit Joshs Videokamera festgehalten wird, die er sonst nur dazu verwendet, an Freundin Tiffany filmische Postkarten nach Austin zu schicken. Blöd nur, dass diesmal durch ein Versehen seiner Freunde das "falsche " Band abgeschickt wird, nämlich ebenjenes, auf dem heisse Sexszenen mit Beth zu sehen sind.
Nun beginnt ein Wettlauf mit der Zeit: Josh muss versuchen, an das Band zu kommen, noch bevor es zu Tiffany gelangt ist. Gemeinsam mit seinen Freunden E.L. und dem intellektuellen Rubin (
Paulo Costanzo) überredet er College-Streber Kyle (
DJ Qualls), mitzukommen und ihnen das Auto zur Verfügung zu stellen. Der willigt ein und eine lange Reise nach Texas beginnt.
Leider läuft nicht alles so, wie es sich die Studis vorgestellt haben: So gibt Kyles Auto den Geist auf, mit den Finanzen steht es nicht gerade zum Besten und ein Schlafplatz ist auch nicht immer leicht gefunden.
Unterdessen muss Beth vom "daheimgebliebenen " Freak Barry (
Tom Green) erfahren, dass Josh seine Freundin mit ihr betrogen hat, worauf sie beschließt, selbige aufzusuchen und ihr reinen Wein über ihren ach so treuen Freund einzuschenken. Pech nur, dass Barry sie auf die falsche Fährte führt und Beth unwissend in Boston landet, wo sie auf dortigem Campus eine Tiffany gleichen Namens mit ihren Erzählungen in tobende Raserei versetzt.
Nach 3 Tagen schließlich erreichen Josh und seine Begleiter Austin, wo sie sofort die Universität aufsuchen. Dort erwarten sie bereits die wütenden Eltern von Kyle, dessen Vater durch die gesperrte Kreditkarte und das auf einem Waldweg gefundene Wrack erbost seinem Sohn gefolgt ist.
Nun geht es für Josh daran, zu retten, was noch zu retten ist...
Schon zu Beginn des Filmes werden Assoziationen zu halblustigen Teeniekomödien - ein Genre, das Hollywood in den letzten Monaten wieder aus der filmischen Versenkung gehoben hat - geweckt. So konnte etwa zuletzt das etwas dümmliche
"American Pie" die Unter-19-jährigen scharenweise in die Kinosäle locken.
"Road trip" scheint auf dieser Schiene weiterfahren zu wollen und versammelt ein Konglomerat an jugendlichen No Names (einzig
MTV-Greenhorn
Tom Green ist manchem Insider bekannt) zum fröhlichen Scherzen.
Einzig die Form ist neu: Die Story wird anhand einer Rückblende geschildert, die der verrückte Barry in Zuge einer nicht gerade berrauschenden tourist guiding tour den Besuchern näherbringt. Ansonsten bekommt man in den ersten Minuten als diesem (filmischen) Metier schon entwachsener Zuseher bereits ein leichtes Grummeln im Magen, beispielsweise bei Szenen, in denen über das richtige "Aufreissen" der Campusschönsten gesprochen wird; oder wenn auf einer Studentenparty willige Mädels verführt werden sollen (ich frage mich ja schon seit langem, wo diese Studentenparties, die laut Drehbuch immer in wüsten Sexorgien enden, stattfinden; mir ist sowas bisher versagt geblieben).
Man ahnt schon Schlimmes, als der Film plötzlich eine scharfe Genre-Wendung nimmt und - wie schon der Titel verrät - in die
Roadmovie-Strasse einbiegt. An deren scharfen Kehren sind schon einige vorher gescheitert, doch Jungregisseur
Todd Phillips bewältigt diese Herausforderung, indem er die mehr als dünne Story mit einem Feuerwerk an Gags aufheizt, die den Zuschauer darüber hinwegsehen lassen, dass fast kein (amerikanisches) Klischee in 90 Minuten ausgelassen wird. Zeitweise kommt man sich vor wie in einer
US-Sitcom, so sehr spielt
"Road trip" mit typischen Slapstick-Zutaten. Was das Niveau des Humors angeht, so spielt sich dieser eher in der unteren Schublade ab. Zeitweise wird man sogar an den Brachialhumor von
Verrückt nach Mary erinnert, wenn etwa Macho E.L. in der Spermienbank von der Krankenschwester etwas unsanft zur Abgabe seines Spermas gezwungen wird. Auch manch andere Szene ist nicht gerade familienfreundlich. Scherze über Blinde, Großväter auf Viagra und Marihuana-Trips sind nur ein paar Beispiele für die "reiche" Witzpalette der Drehbuchautoren.
Des Regisseurs Motive mögen dabei im Dunkeln bleiben: Dass man in der heutigen Zeit mit Kalauern über das erste Mal eines dümmlichen Schulstrebers keinen Sittenwächter mehr hinter dem Ofen hervorlocken kann, muss auch Phillips klar gewesen sein.
Unübersehbar ist jedenfalls, dass
John Landis’ Erwachsenen-Befreiung
"Animal house" (kein Wunder, wurde doch auch er von Komödienspezialist
Ivan Reitman produziert ) und seine unzähligen mehr oder minder guten Nachfolger wie
"Gorp" oder
"Porky’s" hier Pate stehen mussten.
"National Lampoon´s Animal House", einer der wenigen Filme, die die damalige amerikanische Gesellschaft vielleicht wirklich im Sinne von Liberalismus und Freigeistigkeit beeinflussten, war damals so etwas wie eine nachträgliche milde 68er Revolution.
"Road trip" ist freilich nichts mehr von alledem: Anarchische Aufbruchstimmung kommt keine auf, wenn man nackte Brüste auf der Leinwand erspäht. Ebensowenig, wenn sich 19jährige über die Autorität ihrer Eltern hinwegsetzen.
Redlich bemüht sich
Philips um politische Elemente in der Story - so wurden den weiblichen Darstellerinnen Selbstbewusstsein und Durchschlagskraft ins Drehbuch geschrieben, so als wollte Philips uns sagen: Ja, auch sexy Pin-Ups haben was im Kopf! - doch kommt er damit nicht durch. Allenfalls die Finalszene, als Kyles Vater, ein Spiegel des amerikanischen Konservativismus, Studenten des Wohnheimes von Austin mit einer Schusswaffe bedroht und seinen Sohn auffordert, mit ihm nach Hause zu kommen, worauf sich dieser vom elterlichen Haus lossagt, mag so etwas wie Gesellschaftskritik in sich haben. Alles andere ist purer Klamauk, der hemmungslos Geschmacksgrenzen überschreitet und sich über, soweit es so etwas noch gibt, jegliche
"political correctness" hinwegsetzt. Letzteres tut in Zeiten, in denen gute Komödien Mangelware sind, ganz gut.
Vor allem die Darsteller sorgen dafür, dass die Lachmuskeln ausgiebig strapaziert werden. Hervorzuheben sind dabei
Tom Green, der in der Darstellung des verrückten Erzählers und Studenten Barry brilliert sowie Gesichtsakrobat
DJ Qualls, den man schon jetzt als Nachfolger
Jim Carreys aufbauen könnte.
Unter der (realistischen) Annahme, dass uns Philips nur pure Unterhaltung statt sexuelle Befreiung bieten wollte, ist
"Road trip" eine vergnügliche Reise durch die Albernheiten einer jungen Studentencrew, bei der fast jede Pointe sticht. Wer also nicht viel Geist investieren will, dem seien 90 vergnügliche Minuten auf einem
"Road trip" empfohlen, intellektuelle Feingeister sollten diesen Film eher meiden.