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Romeo must die
Jet Li verprügelt in seinem zweiten Hollywood - Film die Mörder seines Bruders. Aaliyah wiederum versucht die Mörder ihres eigenen Bruders zu fangen. Bei sovielen Gemeinsamkeiten ist es nur eine Frage der Zeit, bis sich die beiden ineinander verlieben und gemeinsam ihre Feinde verprügeln - und das obwohl sie auf unterschiedlichen Seiten in einem Bandenkrieg stehen !
Gelungener Hong Kong - Prügler aus Hollywood, produziert von Joel Silver



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Eine Kritik von Christoph Huber

San Francisco: Einen schwarze und eine asiatische Gang teilen sich das Hafenviertel. Wie zu erwarten, geht das nicht ohne Reibereien ab - als Po, der Sohn des chinesischen Gangsterbosses Ch´u Sing (Henry O) ermordet aufgefunden wird, steht der Bandenkrieg vor der Tür. Zwar schicken sowohl Ch´u als auch der schwarze Anführer Isaak O´Day (Delroy Lindo) ihre jeweilige Nummer Eins (Russel Wong bzw. Isaiah Washington) zu Friedensverhandlungen aus, doch ahnt man nichts Gutes. In der Zwischenzeit hat Pos Bruder, der im Hongkonger Gefängnis sitzende Ex-Polizist Han (Jet Li) von dem Unglück erfahren: Er bricht aus und macht sich auf die Suche nach Pos Mörder. Der eskalierende Bandenkrieg erschwert sein Vorhaben, insbesondere als er auch noch zufällig O´Days Tochter (Aaliyah) kennenlernt und sich nach altbewährtem Handlungsmuster eine Beziehung zwischen den beiden anzubahnen beginnt.

Kritik
Das Überraschende zuerst: Romeo Must Die ist beileibe nicht der Actionfilm, als der er gerade vermarktet wird. Zwar hat man sich mit Corey Yuen (der mit Jet Li unter anderem die Hongkong-Klassiker um Fong Sai Yuk drehte und ihm bei seinem Amerikadebüt Lethal Weapon 4 - Zwei Profis räumen auf die Martial-Arts-Sequenzen choreographierte) einen absoluten Spitzenmann für die Actionszenen geholt, aber davon gibt es im Film gar nicht so viele. Stattdessen setzt man hier auf ein großes Ensemble von Charakteren, die einigermaßen liebevoll gezeichnet werden.

Ganz selbstverständlich agiert hier eine fast ausschließlich aus Schwarzen und Asiaten zusammengestelltes Truppe, ohne daß sich (wie in den gern betont paritätisch besetzten Großproduktionen a la ID4 - Independence Day) das Gefühl einstellt, die Macher würden sich andauernd dafür auf die Schultern klopfen. Diese Selbstverständlichkeit hat der Film allerdings auch nötig: Mehr als funktional mag man sein Drehbuch nämlich nicht nennen. Was letztendlich passiert ist so ziemlich für jedermann vorhersehbar, der mehr als drei Thriller gesehen hat. Das dieser wohlvertraute Ablauf dann trotzdem nicht langweilig anzusehen ist, liegt mehr an den guten Schauspielern als an den eindrucksvollen Martial-Arts-Sequenzen.

Die haben durchaus einiges zu bieten (zumindest für einen Hollywoodfilm, nach Hongkongstandard kriegt man auch hier nur state of the art). Schon bei seinem ersten Auftritt hängt Jet Li an einer Kette von der Decke, was ihn nicht hindert in einer furiosen Zurschaustellung seiner Kunst eine Handvoll Gefängniswärter mit links aufzumischen. Auch andere Ideen sind mit dem originellen Wahnwitz, der in Hongkongfilmen regiert, umgesetzt. Als Jet Li einmal gegen eine Frau antritt, sich jedoch weigert sie zu schlagen, nimmt er flugs Aaliyah zur Hand und der folgende Dreikampf, in dem die beiden Stars eine Einheit formen, stellt den balletartigen Witz der Kampfszenen in voller Blüte aus. Regiedebütant Andrzej Bartkowiak (der klar seine bisherige Erfahrung als Kameramann, etwa bei Speed, nutzt) findet ein schmerzlich-komisches Bild dafür: In einigen Momenten verwandelt sich der Körper der Kämpfenden in ein Röntgenbild und die Kamera gleitet die Knochen ab, die alle nur da zu sein scheinen, um gebrochen zu werden - was allzumeist gleich danach auf der Tonspur peinvoll klar zu hören ist.

Ebenso wie die Kampfszenen vom Geist des Hongkongfilms erzählen, montiert Bartkowiak zahlreiches Material herein, das man aus dem beliebten Videothekensubgenre "Schwarze Komödie" kennt. Die Witze rund um lustige Rapper und Maulhelden sind zwar auch zumeist nur Standardware, aber sie werden immerhin mit Überzeugung absolviert. Fast geistesabwesend wirkt Romeo Must Die dadurch zeitweise: Man widmet sich den Nebenfiguren teilweise so eingehend, daß der Zuschauer mit dem nächsten zu absolvierenden Actionspektakel (die dann teilweise doch als klassische Publikumszuckerl gemacht sind, so wenn Jet Li ohne Regelkenntnis zu einem Footballspiel der härteren Sorte antritt) schon gar nicht mehr rechnet. Ironischerweise entsteht aber eben dadurch kein Leerlauf - die Gestalt Isaak O´Days etwa bekommt einen wirklichen emotionalen Hintergrund (und Delroy Lindos Darstellung ist die beste unter den vielen guten hier), dessen Pathos wesentlich mehr zum Gelingen des Films beiträgt als etwa die erbarmungswürdig unterentwickelte Liebesgeschichte zwischen Jet Li und Aaliayah (die haben zwar beide großartige Leinwandpräsenz, aber herzlich wenig Dialog, um etwas damit anzufangen).

Daß gegen Ende natürlich doch vor allem der Geist der Rache (in Form des hervorragend choreographierten Showdowns) regiert, tut da nur noch wenig zur Sache. Weniger als Blockbuster vermag Romeo Must Die zu überzeugen (einmal mehr tun auch hier die Möglichkeiten der Computeranimation der Freude Abbruch, als man eine klar nachbearbeitete Bewegung sieht: Die Drahtakrobatik Hongkongs, der der Film sonst souverän folgt, macht da wesentlich besseren Eindruck), denn als fast schon altmodisch gearbeitetes Gangsterstück, das richtiges Empfinden hat für seine Figuren und einen Sinn für Bewegung. Und so steht der Film dann auch Jim Jarmuschs Ghost Dog näher als der Matrix, auch wenn die Werbung nicht müde wird, das Gegenteil zu behaupten.