Die Katholische Kirche von heute ist fad, erschreckend und spricht die Menschen nicht mehr an. Das findet zumindest Kardinal Glick (George Carlin). Deshalb beschließt er, die Kirche zu reformieren, moderner und für die Gläubigen ansprechender zu machen. Dabei scheut er sich nicht, auch die Grundwerte des Christentums außer Acht zu lassen. So startet er seine "Catholicism Wow! " Kampagne. Die Kirche soll cool werden und Spaß machen - daran muß auch das Kruzifix glauben: Es wird durch "Buddy Christ ", ein freundlich lächelndes und mit den Augen zwinkerndes Jesus-Bild mit hochgehaltenem Daumen und Victory Zeichen, ersetzt. Beim Startschuß zu "Catholicism Wow! " soll die 100 jährige Kathedrale von New Jersey neu eingeweiht werden.
Die beiden gefallenen Engel Bartleby (
Ben Affleck) und Loki (
Matt Damon) leben seit ihrem Rauswurf aus dem Himmel vor tausenden von Jahren in Wisconsin. Ihr einziger Wunsch ist es, einen Weg zurück "nach Hause " zu finden. Als sie von der Einweihung der Kathedrale von New Jersey erfahren, sehen sie endlich eine Möglichkeit, ihren Traum wahr werden zu lassen. Denn laut Bibel werden alle Lebewesen, die durch die Pforten einer neugeweihten Kirche gehen, von all ihren Sünden erlöst. Und genau das wollen Loki und Bartleby machen: Durch die Tür gehen, von den Sünden erlöst werden, die himmlischen Flügel ablegen und als Menschen - ohne Sünde - sterben. Dann hätte selbst der Allmächtige keine Möglichkeit, sie nicht in das Himmelreich zurückkehren zu lassen.
Doch was die beiden Engel nicht wissen: Durch ihre Rückkehr würden sie die Unfehlbarkeit Gottes, das bedeutendste Dogma der Religion, widerlegen und dadurch die ganze Schöpfung zunichte machen. Das muß verhindert werden, da sind sich alle im Himmel einig. Da Gott nach einem seiner Minigolfausflüge auf der Erde verschwunden ist, müssen sich die etwas chaotischen Herrschaften im Himmel selber um die Sache kümmern. Erzengel Metatron (
Alan Rickman), den es schon sichtlich langweilt, die Stimme Gottes zu spielen, beauftragt Bethany (
Linda Fiorentino), eine Angestellte einer Abtreibungsklinik, die ihren Glauben gerade zu verlieren scheint, das Vorhaben der beiden gefallenen Engel zu verhindern. Ihr zur Seite gestellt werden zwei Propheten, die wohl in keiner Heiligen Schrift je erwähnt werden: Der Quatschkopf Jay (Jason Mewes) und Silent Bob (Regisseur und Author
Kevin Smith in seiner Standard-Rolle) haben weder eine Ahnung von Religion, noch wissen sie, was sie tun - sie ziehen einfach durch Amerikas Staaten auf der Suche nach Sex. Und ausgerechnet sie sollen Bethany im Kampf gegen die Auslöschung der Existenz unterstützen. Aber damit noch lange nicht genug: Auch Rufus (
Chris Rock) fällt direkt vom Himmel, um zu helfen. Er ist der 13. Apostel, kann seinen Mund kaum halten und ist schwarz. In der Bibel wurde er - seiner Meinung nach - aus rassistischen Gründen nie erwähnt. Das soll geändert werden. Last but not least stösst auch die göttliche Muse und Stripperin Serendipity (
Salma Hayek), die überzeugt ist, alle großen Kinohits - außer
Home Alone - inspiriert zu haben, zur chaotischen Rettungstruppe.
In der Zwischenzeit machen sich Bartleby und Loki auf den Weg nach New Jersey. Sie denken, daß es doch ganz nützlich wäre, vor der Rückkehr Gott fröhlich zu stimmen - dies macht man am einfachsten, indem man Sünder, die gegen eines der 10 Gebote verstoßen haben, bestraft. So ziehen sie auf ihrer Reise eine blutige Spur hinter sich.
Letztendlich kommt es bei der Einweihungsfeier und beim Start zu "Catholicism Wow! " zum großen Showdown zwischen Bartleby und Loki auf der einen und der himmlischen Gesandschaft auf der anderen Seite, wobei selbst der/die Allmächtige einen beeindruckenden Auftritt feiert.
Kevin Smiths neuestes Werk wurde von erzkonservativen Katholiken in den Vereinigten Staaten schärfstens kritisiert, noch bevor der Streifen in den Kinos anlief. Grundlos? Nun ja, laut Smith war Jesus schwarz, Gott ist eine Frau, der letzte Nachkomme der göttlichen Familie arbeitet in einer Abtreibungsklinik, einer der Apostel wurde aus rassistischen Gründen nie in der Bibel erwähnt, Propheten rennen im Schlabber-Look durch Amerika und lassen kein noch so tiefen Schmäh aus, göttliche Musen arbeiten in Striplokalen, der Erzengel wird bei seinem eindrucksvollen Auftritt "gelöscht" und Jesus am Kreuz wird durch Buddy Christ in Clinton-Pose ersetzt. Diese Oberflächlichkeiten bringen zwar die Zuschauer zum Schmunzeln, doch rütteln sie keineswegs am Glauben.
Dogma ist eine wüste Mischung aus religiös - philosophischen Dialogen, Nonsensgequatsche, das vor keinem noch so vulgären und fäkalen Ausdruck zurückschreckt, Popcornaction und religiöser Grundsatzdebatte. Dabei versucht der Film gar nicht mit der Religion abzurechnen, er stellt den Glauben viel mehr auf eine andere Ebene. Der bekennende Katholik und bibelfeste Kevin Smith zeigt uns auf, wie altmodisch eigentlich unsere Vorstellungen von Religion doch sind. Bei ihm ist alles so locker: Gott kann mal Minigolf spielen gehen, Engel - wenn auch gefallene - ziehen Nonnen durch den Kakao und Jesus ist nicht mehr der sterbende Gott am Kreuz, sondern unser Buddy!
Viele Filme scheinen als Ideenvorlage für Dogma herangezogen worden zu sein. So erkennt man im Film einen ähnlich lustigen Umgang mit der Bibel wie er bereits bei Monthy Pythons "Life of Brian" zu sehen war, die Retter der Welt rund um Bethany könnten den "Wizard Of Oz"-Helden Konkurrenz machen, und auch die Racheengel ziehen eine blutige Spur durch Amerika, wie einst Woody Harrelson und Juliette Lewis in Oliver Stones "Natural Born Killers". In Dogma spielt Drehbuchautor und Regisseur Smith geschickt mit der Bibel, nutzt viele Kleinigkeiten gekonnt aus und bringt seine eigene, seit "Clerks" und "Chasing Amy" bestens bekannte, Art herein. Doch erscheint so manch extra vulgäre oder blutrünstige Szene schon fast übertrieben und unnötig.
Solange man den Film nicht allzu ernst nimmt, werden Gläubige und Atheisten gleichermaßen viel Spaß im Kino haben, und wer weiß, vielleicht macht sich der eine oder andere Zuschauer nach dem Film doch ein paar Gedanken über Gott, Religion und die Katholische Kirche.