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Ed Wood
Der Film stellt das Schaffen von Ed Wood, dem "schlechtesten Regisseur der Welt" dar. Der hinreißend sympathische "Eddie" hat zwar überhaupt kein Talent, aber gute Freunde und einen beneidenswerten Optimismus, und so gelingt es ihm immer wieder, eines seiner Drehbücher zu verfilmen, wodurch er aber wieder nur schlechte Kritiken einheimst.


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Eine Kritik von Iris Träutner

Dargestellt wird das Schaffen des Regisseurs Edward D. Wood jr., der 1924 bis 1977 lebte und nach seinem Tod durch die Ernennung zum "schlechtesten Regisseur aller Zeiten " zweifelhaften Ruhm erlangte. Und das nicht ganz zu Unrecht, wie Tim Burtons Film beweist. Bemalte Cadillac-Radkappen werden in Woods Filmen zu Ufos aus dem All, ein alter Teppich wird kurzerhand zum Friedhof erklärt. Schauspieler darf sich prinzpiell jeder nennen, der sich bereit erklärt, ein bisschen Geld für einen Film beizusteuern. Es ist wahr: Ed Wood war schlecht! Auch das wenige Budget und die kurzen Drehzeiten (manchmal nur vier Tage!), die in den Fünfziger Jahren üblich waren, sind keine Entschuldigung für die hoffnungslos dilletantisch wirkenden Filme. Doch "Eddie ", sehr charaktervoll dargestellt von Johnny Depp, ist einfach hinreißend sympathisch, sodass er immer ein paar Freunde hat, die für ihn durch Dick und Dünn gehen. Die meisten können sich auch damit abfinden, dass er gerne Damenkleider trägt, wobei er ein besonderes Faible für Angorapullover hat. So zum Beispiel Bela Lugosi (wunderbar und oskargekrönt dargestellt von Martin Landau), der in der Mitte der Fünfziger schon lange kein Star mehr war, sondern ziemlich heruntergekommen und drogensüchtig ein zurückgezogenes Leben führte. Doch Ed Wood ist ein großer Fan des ehemaligen Dracula-Darstellers und schreibt für ihn eine Hauptrolle nach der anderen. Nie lässt er sich von schlechten Kritken oder Geldmangel entmutigen, denn er möchte so groß werden wie sein Vorbild, Orson Welles. Der Film endet kurz nachdem Wood sein wohl bekanntestes (und am meisten belachtes) Werk "Plan 9 from Outer Space " gedreht hatte. Der Absturz, den er danach erlebte, als er dem Alkoholismus verfiel und schließlich 1977 an dessen Folgen starb, bleibt ausgespart.

Kritik
"Filme waren seine Leidenschaft, Frauen waren seine Inspiration, Angorapullis waren seine Schwäche!" - so die offizielle Kurzbeschreibung des Filmes "Ed Wood" von Tim Burton. Zum Glück verbirgt sich hinter diesem Motto eine anspruchsvollere Story, als man zu vermuten geneigt ist.
Bei jedem Film, der sich als Biographie ausgibt, drängt sich natürlich die Frage auf: Wie realistisch ist das Ganze? Ich rate jedem, sich bei der ersten Gelegenheit auch einen Film von Ed Wood anzusehen, denn dann erkennt man, dass Tim Burton wirklich nicht übertrieben hat. Wenn zum Beispiel der Schauspieler in einer Einstellung die Tür verfehlt und gegen die Kulisse knallt, die bedenklich zu wackeln beginnt, denkt Wood nicht daran, die Szene zu wiederholen, mit der Begründung, es sei auf diese Weise doch viel lebensnaher. In den Filmen selbst jedoch wirken solche Missgeschicke leider unfreiwillig komisch.
Doch abgesehen davon, dass die Szenen von Burton sehr naturgetreu nachgestellt wurden, ist es natürlich schwer zu sagen, ob sich die Geschichte wirklich so abgespielt hat, wobei Woods Privatleben in groben Zügen wohl ähnlich verlaufen sein mag. Seine enge Freundschaft mit Lugosi, die sich mehr und mehr zu einer Vater-Sohn-Beziehung enwickelt, der Bruch mit seiner Freundin Dolores Fuller (Sarah-Jessica Parker), die das chaotische Leben nicht erträgt und schließlich die Bekanntschaft mit Kathy O´Hara (Patricia Arquette), seiner zukünftigen Ehefrau, die seine Bekleidungsvorlieben sofort akzeptiert.
In diesem speziellen Fall verliert die Frage, wie authentisch die Einzelheiten des Filmes sind, jedoch ihre Bedeutung, weil die Geschichte, die erzählt wird, einfach faszinierend ist. Die Figur Ed Wood, die zwar kein Genie, aber ein wunderbarer Mensch ist, hat den Mut besessen, allen Hindernissen zum Trotz mit einem beneidenswerten Optimismus seine Träume zu verwirklichen. Orson Welles hat dasselbe mit mehr Talent und Erfolg getan, und der Zuschauer kommt nicht umhin, sich die Frage zustellen, wie sehr es zu empfehlen ist, seine Träume um jeden Preis wahr machen zu wollen. Denn an Utopien kann man auch zerbrechen.
Der Film verspricht also viel Spaß beim Ansehen, doch er lässt den Zuschauer dann ein bisschen nachdenklich zurück - kein Klamauk, sondern eine Komödie mit Tiefgang.