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Forrest Gump
Die Lebensgeschichte eines Idioten als glückselige Reise durch die amerikanische Geschichte - technisch brillant, ideologisch mehr als bedenklich.


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Eine Kritik von Christoph Huber

Wie auf einer Bühne erzählt der Held Forrest Gump an einer Bushaltestelle seine Geschichte davon, wie er trotz mangelnden Gehirns ein erfülltes Leben quer durch die Geschichte Amerikas führte. Robert Zemeckis technisch großartig verfertigter (der Hauptdarsteller wurde mit neuester Computeranimation perfekt in alte Szenen eingepasst) Film ist eine widerwärtige Apologie des Vergessens - die amerikanische Geschichte wird auf Bröckchen wiedererkennbarer Gesichter reduziert und die unangenehmeren Kapitel (Nixon: 10 Sekunden) werden gleich so gut wie ausgespart. Völlig unmenschlich behandelt Forrest Gump aber nicht nur seine Erzählung, die trotz des behaupteten "unschuldigen " Blicks seines zurückgebliebenen Helden mächtig viel Zeit findet, alles was nachdenklich stimmen könnte, im Vorübergehen lächerlich zu machen (die Friedensbewegung, zwei Prostituierte und die Black Panthers etwa), sondern auch seine Schauspieler: Tom Hanks ist entsetzlich steif, Robin Wright, die nach (nebenher abqualifizierten) Drogen- und Sexerfahrungen in der Hippie-Ära dann noch Forrests brave Reagan-Hausfrau (nicht zufällig endet dieser hochkonservative Film in den 80ern) werden darf (inklusive Sprössling, um die Kontinuität der Amnesie zu wahren - als gutes amerikanisches Weib findet sie dann doch ihr Glück in der Fortpflanzung), strahlt gezwungenermassen den Sex-Appeal eines Waschbretts aus, und als sich Gary Sinise (der als einziger Mensch Leben ins technische Zuckerwerk des Films bringt), zum Krüppel geworden, gleichsam in einer Art von Selbsteuthanasie aus dem Film verabschiedet, kann einen das angesichts der überall herrschenden Reinheit nicht mehr verwundern. Selbst als der Held nach Vietnam kommt, zeigt sich die Militärzeit als - von einem Schicksalsschlag abgesehen - fröhliche Kameraderie und in einer Perversion von Scorseses Musikanwendungsstrategien muss der Soundtrack dauernd einen Zweifel an der Richtigkeit des Tuns behaupten, der in den Bildern nirgendwo zu finden ist. Der Anti-Schelmenroman sozusagen - als gegen Ende ein Moment kommt, der sich als Kritik an der eigenen Blödheitsfeier lesen läßt, ist es schon längst zu spät. Ich könnte kein anderes feel-good-movie benennen, dass mir soviel Übelkeit verursacht hat.