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Jules et Jim
Ein Film über eine Liebesgeschichte, in die drei Menschen verwickelt sind: Jules und Jim, enge Freunde, verlieben sich in Cathérine und verfallen ihr völlig. Ungefähr 20 Jahre lang verändert sich die Beziehung zwischen ihnen ständig.


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Eine Kritik von Iris Träutner

Der Deutsche Jules (Oskar Werner) und der Franzose Jim (Henri Serre) lernen sich in 1912 Paris kennen und schließen Freundschaft. Albert, ein Bekannter der beiden, zeigt ihnen Dias, unter denen eines ist, das einen steinerenen Frauenkopf darstellt. Jules und Jim verlieben sich sofort in dieses Bild und wissen: Sollten sie dieser Frau eines Tages begegnen, würden sie ihr bedingungslos folgen.
Und so kommt es: Cathérine (Jeanne Moreau) tritt mit genau dem Lächeln der Statue in ihr Leben. Beide verlieben sich in sie. Cathérine entscheidet sich für Jules, heiratet ihn und zieht mit ihm nach Deutschland.
Jahre des Krieges folgen, in denen sich Jules und Jim nicht sehen. Danach besucht Jim die beiden und findet sie nicht sehr glücklich vor. Jules spürt, dass er Cathérine verliert. Langsam entwickelt sich eine nähere Beziehung zwischen Cathérine und Jim, die Jules duldet, weil ihm das Glück und die Nähe Cathérines das einzig Wichtige sind. Keine Frage, dass diese Beziehung auch die Freundschaft zwischen Jules und Jim auf eine harte Probe stellt.
Cathérine, die ewig Unglückliche, verbringt auch manche Nacht mit Albert, doch die Freunde machen ihr keine Vorwürfe: Sie lieben sie bedingungslos.
Albert wird die schwierige Cathérine jedoch bald zuviel und er entschließt sich, sich für eine Zeit von ihr zu trennen. Nun kehrt Cathérine wieder zu Jim zurück. Die Situation wird immer komplizierter.
Die Lösung aller Probleme und das Ende des Filmes ist kurz, schmerzlos und ziemlich überraschend. Cathérine lädt Jim zu sich ins Auto ein und fährt mit ihm ins Wasser, beide kommen um. Jim bleibt allein zurück und ist der eigentliche Verlierer, er hat seine Liebe und seinen Freund verloren.

Kritik
Das Thema des Films ist natürlich die Liebe. Es ist verblüffend, dass in einem Liebesfilm die Protagonisten trotzdem so kühl und emotionslos agieren. Es wird klarer, wenn man die Liebe so sieht, wie sie Truffaut in diesem Film gesehen hat: Die Liebe ist eine Übermacht, die handelnden Personen sind eigentlich nur ihre Marionetten. Cathérine reagiert sehr oft für den Betrachter unverständlich, Jules und Jim kann der Zuseher besser verstehen, wenn man auch bewundert, wie sie ihr Schicksal, von Cathérine zurückgewiesen zu werden, ertragen können. Das wiederum können sie nur, weil sie wissen, dass Cathérine so handelt, weil sie gar nicht anders kann.
Und nur so kann auch ihre Freundschaft der Belastung standhalten. Sie ist das einzig Beständige in dem Film, Cathérines Zuneigung für einen von ihnen hält immer nur eine kurze Zeit an.
Man kann also eigentlich nicht wirklich von einem Liebesfilm sprechen, es ist vielmehr ein Film, der versucht, die Liebe anhand eines Beispiels zu analysieren. Die Protagonisten selbst reflektieren ständig über ihre Beziehung, was oft durch einen Kommentator aus dem Off wiedergegeben wird. Dieser Kommentator spielt eine tragende Rolle: Er strafft die Handlung, indem er manche Jahre einfach kurz nacherzählt. Und er beobachtet die Figuren, beschreibt sie uns näher und verwendet manchmal dazu sogar das Mittel des Standbildes, damit wir uns die Personen genauer anschauen können.
So ist der Film also kein Liebesfilm im herkömmlichen Sinn, er wird vielmehr zur Dokumentation über das Thema Liebe, erklärt und veranschaulicht an drei Exemplaren der Gattung Mensch. Die Figuren werden zu Versuchskaninchen, die Versuchsanordnung ist gegeben, nun müssen sie versuchen, das Beste daraus zu machen. In einer Szene sagt Jules, er möchte einmal einen Roman schreiben, in dem nur Insekten handeln, eine Selbstanspielung, wenn man es so sieht.
Mitleben und -leiden kann und soll man also nicht, die Illusion wird durch den Kommentator und die Standbilder ohnehin zerstört. Dennoch ist es nicht so, dass man zum gefühllosen Betrachter wird. Wütend kann man sogar werden, wenn man sieht, wie sich die beiden Männer von dieser - weder sehr intelligenten noch sehr schönen, wie sie selbst bemerken - Frau gefangen nehmen lassen, wütend wird man auch, wenn Cathérine ständig ihre Meinung ändert und dadurch immer jemanden unglücklich macht. Es fällt schwer, den Personen zu vergeben und sich zu erinnern, dass sie nur Sklaven sind, die nicht anders agieren können.
Denn sie sind, so emotionslos auf der einen Seite wie auch menschlich auf der anderen. Cathérine, die immer etwas Besonderes sein möchte und deswegen absichtlich unvorhersehbare Dinge tut, oder Jim, der es nicht schafft, sich von seiner Geliebten zu trennen.
Die Figuren zerbrechen eigentlich an der Versuchsanordnung, an der Welt, wie sie sie vorfinden und in der sie nicht zurechtkommen. Deutlich macht das auch der letzte Satz des Filmes, nach der Einäscherung von Jim und Cathérine, dem es nicht an Zynismus fehlt: "Beim Hinausgehen fiel Jules ein, dass Cathérine einmal gesagt hatte, ihre Asche sollte von einem Berg in den Wind gestreut werden. Doch das war verboten."