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Zwei glorreiche Halunken
Abschluß von Leones Dollar-Trilogie: drei Banditen auf der makaberen Jagd nach einem Goldschatz.


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Eine Kritik von Christoph Huber

Zur Zeit des amerikanischen Bürgerkriegs ziehen die zwei Gauner Tuco (Eli Wallach) und "der Blonde " (Clint Eastwood) mit einem neuen Weg zur Gehaltsaufbesserung durch die Lande: der Blonde liefert Tuco gegen Kopfgeld beim nächstgelegenen Sheriff ab, doch wenn sein Partner gehängt werden soll, schießt der Blonde den Strick durch und Tuco macht sich in der allgemeinen Verwirrung aus dem Staub. Als Tuco reklamiert, daß sein Job eigentlich der gefährlichere ist, läßt ihn der Blonde kurzerhand in der Wüste zurück und trollt sich neuen Einnahmequellen entgegen. Währenddessen macht sich der Killer Sentenza (Lee Van Cleef) auf die Suche nach einem in den Kriegswirren verlorengegangenen Goldschatz und stellt dabei seine Prinzipientreue unter Beweis, als er aus seinem nächsten Opfer nicht nur nützliche Informationen herauspreßt, sondern auch noch gleich dessen Angebot akzeptiert, seinen bisherigen Auftraggeber umzulegen: von beiden wird kassiert und beide werden beseitigt. Tuco ist inzwischen der Wüste entgangen und spürt den Blonden auf, um ihn den gleichen Todesqualen auszusetzen, die er erdulden mußte. Knapp vor des Blonden Ableben stoßen sie jedoch auf einen Wagen toter Südstaatler - nur einer rührt sich noch, und das ist zufällig genau der Mann, der weiß, wo die 200.000 Dollar vergraben sind, die auch Sentenza sucht. Auf einem Friedhof nämlich - doch blöderweise ergibt es sich so, daß nur Tuco den richtigen Friedhof kennt und nur der Blonde das richtige Grab. Zähneknirschend entschließen sie sich zu einer erneuten Zusammenarbeit.
Die führt sie alsbald in die Kriegsgefangenschaft der Nordstaaten, wo Sentenza sich indessen als Lageraufseher amüsiert: schnell foltert er aus Tuco die Informationen heraus und macht selbst einen Deal mit dem Blonden. Doch auch Tuco gelingt die Flucht, und quer durch die kriegsgepeingte Gegend spielen sich die drei gegeneinander aus, bis es zum ultimativem Dreiershowdown auf dem Friedhof kommt.

Kritik
Eine breitwandgroße Wüste - und schon schiebt sich ein Gesicht vor die Kamera, das ebenso zerfurcht ist wie die Felsenlandschaft. Schöner als es Leone in der Eröffnungseinstellung dieses Films tut, könnte man sein Western-Schaffen gar nicht auf den Punkt bringen. Aus der Totalen und der Nahaufnahme hat er seinen Stil der Extreme zusammengebaut: hier gibt es nur totale Zerdehnung oder Verdichtung - das dazwischen gehört dem klassischen Western.
Niemand rechnete mit dem internationalen Erfolg, als Leone mit Für eine Handvoll Dollar 1964 die Ära des Italowesterns einläutete - zuallererst trug dem Leone selbst Rechnung, indem er die neue Geschäftsquelle gehörig auszumelken suchte. Binnen zweier Jahre vollendete er eine Trilogie (die allerdings nur durch den Regisseur und die jeweiligen wortkargen Helden Clint Eastwoods verbunden wurde): schon Für ein paar Dollar mehr hatte jedoch angekündigt, daß Leone durchaus gewillt war, einen eigenen Stil zu entwickeln. Aus verwitterten Motiven des Westerns, dem Sarkasmus von Akira Kurosawa Samuraifilmen Yojimbo und Sanjuro sowie dem Bombast der italienischen Oper setzte er seine Italowestern zusammen: schäbige Schauplätze und die schwelgerische Musik Enio Morricones, unendlich währende Duelle und sarkastische Dialoge trafen sich zu einer neuen Form - der Western ist tot, lang lebe der Western. Nie wieder erholte sich das amerikanische Pendant von der Gewalt, Absurdität und dem neuen "Realismus" (der eher aus der Billigkeit der Fime denn aus Erneuerungswillen bedingt war), die der Italiener ins Genre brachte - und nirgends tat er es so ausgelassen wie hier.

Il buono, il brutto, il cattivo: als den Guten, den Bösen und den Brutalen bezeichnet der Film seine Hauptfiguren (nur für die Perspektive: jeder bekommt seine eigene Vorstellungsepisode plus Einblendung der Bezeichnung; charakteristischerweise für Leone genügt es, daß sich Eastwood die Rolle des Guten verdient, indem er Eli Wallach zum Sterben in der Wüste zurückläßt) - aber eigentlich sind sie nur verschieden niederträchtige Abstufungen des Kopfgeldjägers; Geld ist die einzige Triebkraft der Filmhelden und sie kennen keine moralischen Bedenken alles was im Weg steht mit allen Mitteln auszuräumen. Das war auch schon in den zwei vorigen Dollar-Filmen so, aber hier wird alles ins Gigantische überdehnt. Drei Stunden dauert Zwei glorreiche Halunken in der italienischen Fassung, fast 160 Minuten in der englischen und deutschen Kinoversion (fürs Fernsehen wurde er nochmal gekürzt, da wird hoffentlich die jetzt erscheinende DVD Abhilfe schaffen) - Leone läßt sich Zeit. Ob epische Panoramaschwenks, die die Figuren auf Insektengröße reduzieren oder minutenlang ausgespielte, zur mitreißenden Musik Morricones kongenial montierte Close-Ups, alles geht in die Breite (und dadurch wirkt auch die letztendlich hervorbrechende Gewalt so plötzlich und komisch - der eigentliche Schußwechsel nach dem ewigen Niederstarren der Gegner ereignet sich in Sekundenbruchteilen). Il buono, il brutto, il cattivo ist Western als Oper, inszeniert als comedia de´ll arte - von den Filmen der Dollar-Trilogie hat er nicht nur die besten Gags und das ausgefeilteste Tanzmuster, nach dem sich die Charaktere umkreisen, auch die Figur des Tuco ist ein echter Gewinn. War es bisher so, daß die Hauptdarsteller in unbeweglichem deadpan-Spiel unterkühlt aufs Treiben um sie reagierten (und ein paar barocke Nebenfiguren für das durchgeknallte Element sorgten), bietet Eli Wallachs überdrehte Darstellung den perfekten Kontrapunkt zu den regungslosen Mienen Eastwoods und van Cleefs; nicht wenige der lustigsten Momente des Films ergeben sich aus diesen unterschiedlichen Reaktionen.

Obwohl Zwei glorreiche Halunken zweifelsfrei der beste und ausgereifteste Film der Dollar-Trilogie ist (und in dem Morricones Musik am weitesten ausholt: Kojotengeschrei, Peitschengeknall und Pfiffe formen die Grundlage seines packenden Scores, die lange Schlußszene am Friedhof etwa wird nicht zuletzt durch seine Musik erst so mitreißend), gibt es in ihm dennoch ein paar Momente, die sich nicht recht einfügen wollen. Vor dem Hintergrund des Bürgerkriegs wirken die Untaten seiner Hauptfiguren des öfteren recht verzeihlich (ein bitterer Rückschlag für den Mann, der angeblich die Wertevorstellungen des Westerns zu Grabe getragen hat) und so mancher Akt der halbherzigen Nächstenliebe widerspricht der Konzeption der Charaktere. Hier leistet Leone schon den Vorbau für seine zweite Trilogie: Spiel mir das Lied vom Tod, Todesmelodie und Es war einmal in Amerika tragen neben Leones charakteristisch opernhaften Stil auch eine Melancholie in sich, die von gesellschaftlichen Umbrüchen ausgelöst wurde - dort passen sie (mit Abstrichen beim zweiten Film) perfekt hinein, hier sorgen sie für eigenwillige Zwischentöne - wie Kaviar in einer ansonsten üppig zubereiteten Speckpfanne.