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Anatomie eines Mordes
Der Gerichtsfilm überhaupt - James Stewart glänzt unter der Regie von Otto Preminger


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Eine Kritik von Christoph Huber

Unzweifelhaft der größte Gerichtsfilm aller Zeiten: Ist Lee Remick wirklich Opfer einer Vergewaltigung geworden? Aus Rache dafür will ihr Mann Ben Gazzara jedenfalls den Täter ermordet haben. James Stewart spielt seinen Verteidiger, einen heruntergekommen Kleinstadtanwalt mir Vorliebe für Musik und eindrucksvolle Mätzchen. 161 Minuten rennt "Big Otto " Premingers Gerichtssaldrama zur pulsierenden Musik Duke Ellingtons und verweigert in jedem Moment einfache Lösungen. Stattdessen präsentiert sich hier die Wahrheitsfindung als Ding der Unmöglichkeit (eine Ambiguität, die die Spannung dieses Films noch erhöht) und malt in atmosphärischem Schwarzweiß die Enge der Kleinstadt und die widersprüchliche Tiefe seiner Charaktere aus. Anatomy Of A Murder brach endgültig mit den Konzepten von Gut und Böse und beobachtete mit distanzierter Nüchternheit seine Figuren. Damit wurde er Prototyp für das "unreine " Kino der Sechziger, das sich zunehmend von den einfachen Hollywoodlösungen der klassischen Studioprodukte absetzte - und war dabei selbst schon ein meisterlich reiches Werk.